Weniger Luxus für mehr Lebensfreude

Zwei Klima-Aktivisten aus der Region im Interview

+
Stimmen für die Umwelt: Fernand Adam (17) und Nadine Löhken (38) setzen sich für den Klimaschutz ein. Das Duo demonstrierte am Freitag in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Proteste in Tausenden Städten und etwa 150 Staaten: Am Freitag hatten Menschen weltweit für den Klimaschutz demonstriert. Wir haben mit zweien gesprochen.

Nadine Löhken (38) und Fernand Adam (17) hatten sich mit ihren Stimmen auf Bad Hersfelds Straßen für die Umwelt starkgemacht. Das Duo engagiert sich bei der Jugendbewegung „Fridays for Future“. Wir haben mit ihnen über globalen und lokalen Klimaschutz gesprochen – und welche Rolle Verzicht bei der Rettung des Planeten spielt.

Herr Adam, am Freitag demonstrierten Millionen Menschen weltweit für den Klimaschutz. Warum auch Sie?

Adam: Weil die Regierung lange Zeit viel versprach, aber nichts tat. Zudem bezweifeln so viele Leute den menschengemachten Klimawandel, obwohl sich die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler einig ist. Ich verstehe mein Demonstrieren als einen Akt der Logik. Ich fühle mich für die Gesellschaft verantwortlich.

Obwohl Politiker wie FDP-Chef Christian Lindner meinen, dass der Klimawandel eine Sache für Profis sei?

Adam: Ich glaube nicht, dass Christian Lindner wirklich so denkt. Er will die Massen mit seiner Rhetorik für seine Interessen überzeugen. Letztlich ist es mir auch egal, wenn die Bundesregierung nicht auf Kinder und Jugendliche hört. Aber sie soll auf die Wissenschaftler hören. Auf die Profis eben.

Frau Löhken, Sie sind 38 Jahre alt und gehen nicht mehr zur Schule. Warum engagieren Sie sich bei der Jugendbewegung „Fridays for Future“?

Löhken: Ich will die Schüler unterstützen und ihnen zur Seite stehen. Denn wir alle müssen handeln. Nicht nur die Schüler. Ich habe eine fünfjährige Tochter. Ich sorge mich um ihre Zukunft. Deswegen gründen wir gerade in Bad Hersfeld eine Klimabewegung für alle Generationen namens „Parents for Future“.

Welches Ziel verfolgen Sie mit „Parents for Future“?

Löhken: Wir setzen uns konkret für einen besseren Umweltschutz in Bad Hersfeld ein. Wir wollen uns mit wichtigen Akteuren vor Ort vernetzen. Aber wir bauen die Ortsgruppe gerade erst auf.

Was kann man in Bad Hersfeld für das Klima tun?

Löhken: Vieles. Wir sind für eine begrünte und autofreie Innenstadt. Die Radwege sollten ausgebaut werden. Zudem sprechen wir uns für einen Ausbau der öffentlichen Fahrpläne aus.

Was tun Sie privat für den Klimaschutz?

Löhken: Ich fahre viel Fahrrad, kaufe regionale Produkte ein und habe mein Reiseverhalten verändert. Und ich esse weniger Fleisch. Adam: Ich beispielsweise liebe Karotten. Mittlerweile kaufe ich sie beim Tierhandel. Denn dort wird weniger Plastik für die Verpackung verbraucht. Und die Mohrrüben werden in den Supermarktregalen nicht angeboten, weil sie krumm sind und etwas komisch aussehen. Dabei haben sie die gleiche Qualität. Außerdem kaufe ich meine Klamotten nur noch in Second-Hand-Läden.

Also verzichten Sie auf ein Stück Lebensqualität?

Löhken: Nein. Seitdem ich stärker auf Luxusgüter verzichte, ist meine gefühlte Lebensqualität gestiegen. Ich fühle mich besser, weil ich umweltverträglicher lebe. Mein Gewissen ist reiner. Mit meinem veränderten Lebensstil helfe ich auch nicht nur der Umwelt. Wenn ich mich bei Wind und Wetter auf mein Fahrrad schwinge, tue ich automatisch etwas Gutes für meine Gesundheit. Adam: Lebensqualität ist immer subjektiv – genauso wie Schönheitsideale. Manche Leute mögen beispielsweise gepflegte Gärten. Ich mag sie lieber wildgewachsen. Außerdem muss man die Gärten dann nicht ständig mähen. Das spart viel Arbeit und Zeit. So gewinnt man auch Lebensqualität.

Denken Sie, dass Deutschland die Klimaziele 2030 erreicht?

Adam: Ehrlich gesagt, bin ich zurzeit nicht sehr optimistisch. Aber genau deswegen werde ich mich weiter für die Umwelt einsetzen und demonstrieren. (jfw)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare