Schließung vermutlich zum Jahresende

Zukunft des Horts Hohe Luft in Bad Hersfeld ungewiss

Bad Hersfeld. Der Integrative Hort der Auferstehungskirchengemeinde im Stadtteil Hohe Luft wird vermutlich zum Ende des Jahres geschlossen. Schon jetzt ist der Hort keine integrative Einrichtung mehr. Die acht Kinder mit besonderem Erziehungshilfebedarf haben den Hort, der in den 1990er-Jahren als Modellprojekt ins Leben gerufen wurde, bereits verlassen. Sie werden seit Anfang April in einer Tagesgruppe betreut, die Plätze für zehn Kinder bietet.

„Der Bedarf an intensiver Betreuung ist größer geworden“, erklärt Anette Kranz, Leiterin des Jugendamtes des Kreises. Da zudem die vertraglichen Grundlagen für den Integrativen Hort nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen entsprochen hätten, habe sich der Kreis zu einem Trägerwechsel entschlossen. Träger der Tagesgruppe ist jetzt das Diakonische Werk.

Die Eltern der verbleibenden 22 Hortkinder sind stark verunsichert, weil es für ihre Kinder keine adäquaten Alternativen gibt. Die Nachmittagsbetreuung der Ernst-von-Harnack-Schule könne nicht alle Kinder aufnehmen und böte zudem nur eine Woche Ferienbetreuung im Sommer an, berichtet Silvia Selimi, eine der Mütter. Verunsichert sind auch die Mitarbeiter des Hortes, die nicht wissen, wie es für sie weitergeht. Die Kirchengemeinde war noch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

"Suchen nach Lösungsmöglichkeiten"

„Wir suchen nach Lösungsmöglichkeiten“, versichert Horst Gerlich vom Fachbereich Generationen bei der Stadt Bad Hersfeld mit Blick auf den Hort im Stadtteil Hohe Luft. Das habe auch Bürgermeister Thomas Fehling den besorgten Eltern bei einem Gespräch versichert. 

Es gebe eine Reihe von verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, die derzeit überprüft würden. Konkretes will Gerlich dazu nicht sagen, verspricht aber, dass die Eltern noch vor den Sommerferien benachrichtigt werden. Das sei dann ein halbes Jahr vor der Schließung des Hortes. 

Horst Gerlich macht aber auch deutlich, dass die Betreuung von Schulkindern, im Gegensatz zu Kleinkindern, keine Pflichtaufgabe der Stadt sei. Dafür gebe es auch kein Fördergeld vom Land. Die Stadt habe derzeit noch eine kleine Hortgruppe. Sieben Kinder würden in der Rosengasse betreut. „Die Nachfrage nach Hortplätzen ist nicht groß“, sagt Horst Gerlich. Ausnahme ist offensichtlich der Stadtteil Hohe Luft, wo viele Eltern der jetzt noch 22 Hortkinder dringend auf eine Betreuung nach der Schule und in den Ferien angewiesen sind. 

Gerlich verweist auf den „Pakt für den Nachmittag“, den das Land Hessen mit Grundschulen geschlossen habe. Daran beteilige sich schon jetzt die Ernst-von-Harnack-Schule im Stadtteil Hohe Luft, weitere Schulen würden sicher folgen. „Hier ist der Schulträger gefordert“, sagt er. 

Die Stadt möchte in dem Gebäude eine Kindertagesstätte oder eine Krippe einrichten. Der Bedarf nach weiteren Plätzen ist groß. 

Hort ist ein Stück Familie 

Für die betroffenen Eltern ist das im Moment keine zufriedenstellende Lösung. „Der Hort ist für viele Kinder ein Stück Familie“, sagt Silvia Selimi. Die Erzieherinnen und Erzieher seien Ansprechpartner für alle Probleme gewesen und die Gruppen hätten gut funktioniert. 

Sorge macht den Eltern auch die Betreuung in den Schulferien: „Kinder haben zwölf Wochen Ferien, normale Arbeitnehmer nur sechs Wochen“, rechnet Selimi vor. Das würde bedeuten, dass gemeinsame Urlaube mit der ganzen Familie gar nicht mehr möglich seien, weil die Eltern ihren Urlaub abwechselnd nehmen müssten, um die Kinder betreuen zu können. Bei Alleinerziehenden sei es noch viel schwieriger. Der Integrative Hort war bisher auch während der Ferien geöffnet. 

„Das Problem mit der Ferienbetreuung bleibt“, räumt Horst Gerlich ein. Doch auch hier suche die Stadt nach Möglichkeiten, wie sie helfen könne, zum Beispiel durch eine Ausweitung der Ferienspiele. Konkrete Lösungen gebe es jedoch noch nicht.

 Unzufrieden sind die Eltern vor allem mit dem Träger des Hortes, der evangelischen Auferstehungskirchengemeinde. Die Informationen seien nur häppchenweise gekommen und oft nur auf Nachfrage. Einen Brief der Eltern an Dekan, Jugendamt und Stadt habe Pfarrer Carsten Röhr zurückgehalten mit dem Hinweis, er wolle selbst einen schreiben, das habe er jedoch nie getan, kritisiert Silvia Selimi. Röhr war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Die Eltern hätten schließlich keine andere Möglichkeit gesehen, als sich an die Öffentlichkeit zu wenden.

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