1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Zu viel Verkehr: Neues Konzept für die Bad Hersfelder Fußgängerzone

Erstellt:

Kommentare

null
Lieferverkehr in der Fußgängerzone: In Bad Hersfeld will man mit dem Projekt „City-Logistik“ nun Abhilfe schaffen. © privat

Bad Hersfeld. Die Situation auf dem Foto ist bekannt: Die Innenstadt Bad Hersfelds ist vor allem vormittags voll von Lieferzeugen, was die Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone der attraktiven Einkaufs- und Kurstadt zum Teil stark einschränke. Bürgermeister Thomas Fehling will nun Abhilfe schaffen.

In vielen deutschen Städten steigen die Belastungen und Gefahren durch sogenannten „Sprinter-Fahrzeuge“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Ursache sei das stark ansteigende Paketvolumen, was zudem zu Stress und Konflikten zwischen Zustellern, Fußgängern und Ordnungsbehörden führe.

Mit dem Hessentag im Juni 2019 werde sich das Problem in Bad Hersfeld noch weiter zuspitzen. Die Fußgängerzone entlang der Klausstraße, in der auch die Hessentagsstraße aufgebaut wird, soll weitgehend vom Lieferverkehr befreit werden. Hinzu komme, dass die Fußgängerzone auch aus Sicherheitsgründen nur stark reglementiert für Fahrzeuge zugänglich sein wird.

Thomas Fehling und Projektleiter Christian Scholz wolen Politik und Stadtmarketingverein nun neue Wege vorschlagen. „Es bedarf nicht nur für den Hessentag eines neuen logistischen Modells,“ so Fehling. „Dazu ist es erforderlich, gemeinsam mit den Einzelhändlern, Gastronomen und Paketdienstleistern eine Lösung zu finden.“ Die Fußgängerzone solle wieder den Fußgängern gehören.

Das Projekt trägt den Arbeitstitel „City-Logistik" und soll für den Hessentag eingeführt werden, aber auch danach erhalten bleiben. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung empfohlen, dafür Geld freizugeben.

Am Rande des Innenstadtgebiets soll ein City-Logistik-Verteilpunkt (ein sogenannter Hub) eingerichtet werden, an dem die Lieferungen der externen Paketdienste eingeliefert, umgeschlagen und (von einem zentralen Dienstleister) an die Privat- und Geschäftskunden in der Fußgängerzone ausgeliefert werden. Die gebündelten Transporte sollen den Verkehr in der Fußgängerzone reduzieren.

Für die „Feinverteilung“ könnten kleinere innovative Vehikel und Fahrzeuge zum Einsatz kommen, etwa autonome Kleintransporter, Lieferroboter, Drohnen oder auch Lastenfahrräder. Um die Auswirkungen des Vorhabens auf die städtischen Lärm- und Luftwerte zu bewerten, ist der Aufbau eines Netzwerks von Umweltsensoren vorgesehen.

Um den lokalen Einzelhandel zu stärken, soll zudem ein „Shopping-Logistik“-Service eingerichtet werden. So könnten die Kunden der Geschäfte in der Fußgängerzone ihre Einkäufe an Mini-Depots liefern lassen und sie dort gebündelt abholen oder gar nach Hause bringen lassen.

Die Kreisstadt will die Einzelhändler und ihre Transportdienstleister nicht einfach durch starre Lieferzeitbeschränkungen sich selbst überlassen, sondern alternative Logistikmöglichkeiten anbieten, heißt es.

Zur Vorbereitung all dieser Maßnahmen wurde ein gemeinsames Projekt (Studie) aufgesetzt, das zu hundert Prozent durch das Bundesministerium der Finanzen gefördert wird. Beteiligt sind Vertretern der Stadt, der öffentlichen Beratungsgesellschaft PD GmbH (Partnerschaft Deutschland) sowie der BWV Beratungsinstitut für Wirtschaft und Verwaltung GmbH. (red/nm)

Auch interessant

Kommentare