Architekturstudenten in der Stiftsruine

Frei Ottos Zeltdach und die Briten

Begeistert von den Bauplänen: Die Studenten der Londoner Architekturschule nehmen die Originalzeichnungen genau unter die Lupe. Foto: Lerch

Bad Hersfeld. Ungewöhnliche Besucher waren am Donnerstag zu Gast in der Stiftsruine in Bad Hersfeld. Drei Masterstudenten der Architectural Association School, einer Architekturschule in London, forschen im Rahmen eines Studienkurses über Frei Otto.

Frei Otto entwarf 1968 die Dachkonstruktion über der Stiftsruine, die Festspielbesucher während der Aufführungen vor Regen schützt.

Ein Tag in Bad Hersfeld

Aufgabe der Studenten Tim O’Hare, Yee Thong Chai und Love Di Marco ist es, eine Präsentation über die bewegliche Bedachung der Stiftsruine zu erarbeiten. Dazu unternahmen sie eine Ein-Tages-Exkursion von London nach Bad Hersfeld, um vor Ort originale Bau- und Schaltpläne, Fotos des Daches sowie Masten und Motoren der Aufhängung genauer betrachten zu können.

Grund für den Ausflug war es, dass die Geschichte der Dachkonstruktion der Stiftsruine nicht gut dokumentiert ist und sie von London aus nur schwer Zugang zu Materialien über Frei Ottos Bau bekommen. Sie wollen die Details des Zeltdaches – ein Vorläufer von Ottos Konstruktion für das Münchner Olympiastadion – besser verstehen, und das ist vor Ort am einfachsten. Besonders faszinierend finden die Studenten die Einzigartigkeit von Frei Ottos Bauten, die Form des Daches und die Art der Konstruktion.

Über die Geschichte der Stiftruine seit ihrer Entstehung bis hin zur heutigen Nutzung der Festspiele informierte die Studierenden Andrea Jung, Kaufmännische Leiterin der Festspiele. Sie berichtete, wie es dazu kam, dass die Stiftruine eine Überdachung bekam und welche Schwierigkeiten damit verbunden waren, denn laut Denkmalschutz darf die Überdachung die Wände der Stiftsruine nicht berühren.

Pionierleistung

Frei Ottos Zeltdachkonstruktion, gestützt durch Masten, war nicht nur eine optimale Lösung im Hinblick auf den Denkmalschutz, sondern auch eine Pionierleistung im Bau. So eine Art der Überdachung gab es vorher nicht.

Der Technische Leiter der Festspiele, Dietmar Wolf, und Bühnenmeister Harry Koblenz, beantworteten alle Fragen über mechanische Details der Dachkonstruktion. Sie erklärten den Studenten, wie das temporäre Dach auf- und abgebaut wird, welche Technik dahinter steckt. Begeistert haben die Gäste zugehört, sich die Originalzeichnungen angesehen und Fragen geklärt. Auch eine Luftaufnahme von dem ausgefahrenen Dach bekamen sie zu sehen, da die Überdachung außerhalb der Festspiel-Saison nicht aufgebaut ist.

Nach der Sichtung der Baupläne zeigten ihnen Harry Koblenz und Dietmar Wolf die Stiftsruine von innen und erklärten vor Ort, wie das Zeltdach darüber gespannt wird. Die Masten der Aufhängung nahmen die Briten ganz genau unter die Lupe. Sogar die Motoren im Außenlager wurden den Studenten zum Abschluss gezeigt.

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