„Die Intuition täuscht mich selten“

ZDF-Doku: Heidrun Viering vom Stadthotel half, alten Mordfall aufzuklären

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Hat schon öfter ein gutes Bauchgefühl bewiesen: Heidrun Viering, Betreiberin des Stadthotels in Bad Hersfeld. Sie lieferte auch den entscheidenden Hinweis, der schließlich mehr oder weniger zufällig Jork Weissenfeld als Mörder überführte. Die Unterlagen über seinen Aufenthalt im Stadthotel im Februar 2008 sind noch vorhanden.

Bad Hersfeld –Heidrun Viering, Betreiberin des Stadthotels in Bad Hersfeld, hat ein gutes Gespür für Menschen. Sie half mit, einen alten Mordfall aufzuklären.

Der Mann, der im Februar 2008 bei ihr als Gast eincheckte, kam Hotel-Betreiberin Heidrun Viering gleich komisch vor. Dass sie mit ihrem spontanen Anruf bei der Polizei aber letztlich zur Aufklärung eines 22 Jahre alten Mordfalls beitragen würde, das war ihr natürlich nicht bewusst.

Doch in der Tat gab die Bad Hersfelderin damals einen entscheidenden Hinweis, wie die ZDF-Doku „Anklage Mord – Der Fall Pagenstecher“ zeigt, in dem Viering nun als Interviewpartnerin zu sehen ist. Der Film beleuchtet den Mord an der wohlhabenden Rentnerin Traude Pagenstecher in Wiesbaden 1986. 22 Jahre blieb der Täter, Jork Weissenfeld, unentdeckt – bis zu seinem Aufenthalt im Stadthotel.

Jork Weissenfeld wurde als Mörder überführt. Er ist in der  ZDF-Doku „Anklage Mord – Der Fall Pagenstecher“ zu sehen.

Dort habe er sich als Krankenwagenfahrer ausgegeben und ziemlich viel von angeblichen Einsätzen geredet, erinnert sich Viering. „So würde kein echter Sanitäter reden. Ich wusste, da stimmt irgendwas nicht, der Mann muss etwas ausgefressen haben.“ Bei der Überprüfung seiner Adresse im Gäste-Meldebogen stellte Viering dann fest, dass die Anschrift die der JVA Hünfeld war. Sie rief vorsichtshalber die Polizei an, die den Mann wenig später in der Nähe stellte und wegen einer Vielzahl an Betrügereien verhaftete. Als Gewalttäter war er bis dato nicht aufgefallen. Das Hotel hatte er zwischenzeitlich unbemerkt verlassen, ohne die Rechnung zu bezahlen.

"Frau Viering war eine echte Heldin"

Ein Abgleich seines Handabdrucks führte im Zuge der Ermittlungen schließlich auch zur Auflösung des Falls Pagenstecher. „Das war wirklich eine große Nummer und ein beachtlicher Erfolg der hessischen Polizei, aber auch von Frau Viering“, sagt Nicole Würth, Autorin, Regisseurin und Produzentin des Films. Sie hat sich eingehend mit dem Fall beschäftigt und auch Weissenfeld interviewt, der zurzeit in einer hessischen Justizvollzugsanstalt untergebracht ist. „Im Grunde war Frau Viering eine echte Heldin“, so Würth.

Spurensuche am Tatort: Eine Szene auf der ZDF-Doku „Anklage Mord – Der Fall Pagenstecher“. Foto: ZDF/nh

Die Hotel-Chefin selbst gibt sich bescheiden und winkt ab. Sie wolle die Sache nicht größer machen als sie gewesen sei. „Mein Bauchhirn ist gut trainiert“, erklärt sie und verweist auf die jahrelange Berufserfahrung. „Hoteliers haben oft ein gutes Feeling. Bei so vielen Gästen ist man trainiert.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Vierings Bauch richtig lag. Vor vielen Jahren habe sie die Polizei schon einmal auf die Spur eines Betrügers geführt, der sich bei ihr eingemietet hatte. Und auch in einem weiteren Fall habe sie die Intuition nicht getäuscht: Per Kamera verfolgte sie das Einchecken einer Frau –  und ahnte gleich Schlimmes. Kurz danach rückte die Feuerwehr an, weil sich die Dame in selbstmörderischer Absicht in die Tiefe stürzen wollte. „Wenn jemand ohne Auto und ohne Gepäck anreist, schrillen die Alarmglocken“, so Viering. Dass Gäste die Zeche prellen – Einmietbetrug genannt – komme im Übrigen regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr vor.

Bedenken oder gar Angst, in Würths Film aufzutreten, habe sie nicht gehabt. „Ich will dem Mann nichts Böses, und habe ihm vielleicht sogar einen Gefallen getan.“ Jork Weissenfeld selbst sagt in der Dokumentation, die Tat habe ihn jahrelang verfolgt.

"Anklage Mord – Der Fall Pagenstecher" läuft am 16. Februar um 20.15 Uhr auf ZDF Info.

Von Nadine Maaz

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