Wochenendporträt: „Würde alles wieder so machen“

Thomas Jungk leitet die Polizeidienststelle Bad Hersfeld

Thomas Jungk ist seit gut zwei Monaten Leiter der Polizeidienststelle in Bad Hersfeld.

An seinem Arbeitsplatz: Thomas Jungk in seinem Büro in der Polizeidienststelle Bad Hersfeld.

„Polizist“, sagt Thomas Jungk, „war schon immer mein Wunschberuf. Und: „Wenn ich nochmal zu entscheiden hätte, würde ich alles wieder so machen.“

Überzeugt und überzeugend klingt das aus dem Mund des 52-Jährigen, der seit gut zwei Monaten Leiter der Polizeidienststelle in Bad Hersfeld ist. Nach 33 Jahren im Dienst ist er dort angekommen und lobt: „Ich bin hier toll aufgenommen worden!“

Thomas Jungk ist Waldhesse. Wächst in Richelsdorf auf, geht in Obersuhl und Sontra zur Schule, lernt dann Industriekaufmann. Doch der Wunsch, Polizist zu werden, ist zu stark. 1987 fängt er an – wie seine Schwester bereits eineinhalb Jahre vor ihm. „Auch das hat mich geprägt“, sagt Jungk.

Seine Laufbahn führt ihn über Kassel und Wiesbaden nach Frankfurt. An der Verwaltungsfachhochschule studiert er für den gehobenen Dienst. In Frankfurt fährt er Streife. Großstadt, Bahnhofsviertel. „Das sind ganz andere Probleme als hier“, gibt er zu. Erzählt von Durchsuchungen in Hochhäusern mit anderen jungen Kollegen, Stockwerk für Stockwerk. Von einem Einsatz, bei dem ein Kollege angeschossen wird. „Wir kamen allerdings erst später dazu“, erinnert er sich. „Aber das bleibt im Gedächtnis. Man spürt, dass man jederzeit auch in Gefahr geraten kann.“ An die Nieren gehen ihm auch die Momente, in denen er zu tödlichen Unfällen gerufen wird. Aber er sagt auch: „Die schönen Momente überwiegen.“

Bis 1999 pendelt Jungk so oft es geht zwischen der Heimat Bosserode und dem Rhein-Main-Gebiet. Familie und Freundschaften in der Heimat, die Fußball-Kumpels aus Richelsdorf – das ist ihm wichtig. Dann wechselt er in den Streifendienst nach Bad Hersfeld – und ein Jahr später nach Rotenburg. „Zu Beginn der Laufbahn hat man das noch nicht so im Sinn, dass man Führungsaufgaben übernehmen möchte. Das kommt mit der Zeit“, sagt Thomas Jungk, der in seinen 19 Jahren in Rotenburg zunächst Dienstgruppen-, dann Ermittlungsgruppenleiter wird. 2019 wechselt er nach Bad Hersfeld, nun ist er Dienststellenleiter.

Die aktuellen Debatten um die Polizei in den USA verfolgt Thomas Jungk aufmerksam. Vor Jahren hat er durch einen Bekannten bei einer Reise in die Staaten auch Einblicke in den dortigen Polizeialltag bekommen. „Was dort passiert, ist auf Deutschland nicht übertragbar. Schon die Ausbildung ist hier ganz anders als dort. Sie ist bei uns vielschichtiger.“, sagt er überzeugt.

Doch auch für Deutschland hat er festgestellt: „Der Respekt gegenüber der Polizei hat sich verändert.“ Der sei vor zehn, zwanzig Jahren größer gewesen. Dennoch glaubt er: „Die Polizei hat insgesamt ein hohes Ansehen in der Bevölkerung.“ Und bleibt bei seiner Überzeugung: „Ich würde alles genauso wieder machen.“ Wer kann das schon sagen – nach 33 Jahren?

Zur Person

Thomas Jungk (52) wuchs in Richelsdorf auf und ging in Obersuhl und Sontra zur Schule. Nach einer Lehre als Industriekaufmann schlug er 1987 die Polizeilaufbahn ein. Über Stationen in Kassel, Wiesbaden, Frankfurt und Mühlheim sowie ein Studium für den gehobenen Dienst an der Verwaltungsfachhochschule kam er 1999 nach Bad Hersfeld und 2000 nach Rotenburg. Dort wurde er Dienstgruppen- und Ermittlungsgruppenleiter, ehe er 2019 erst als Stellvertreter und im Mai dieses Jahres als Dienststellenleiter in die Kreisstadt zurückkehrte. Jungk, früher aktiver Fußballer in Richelsdorf, lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Töchtern (19 und 16) in Bosserode. Zu seinen Hobbys zählt er Reisen, Mountainbike- und Motorradfahren. rai

Rubriklistenbild: © Rainer Henkel

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