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Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld: Fragen an die Kandidaten zum Thema Stadtentwicklung

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Aus welcher Richtung bläst künftig der Wind in Bad Hersfeld? Die Bürgermeisterwahl am 18. September ist auch eine Zukunftsentscheidung für die Stadt, denn nach Jahren der Stagnation müssen nun wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden.
Aus welcher Richtung bläst künftig der Wind in Bad Hersfeld? Die Bürgermeisterwahl am 18. September ist auch eine Zukunftsentscheidung für die Stadt, denn nach Jahren der Stagnation müssen nun wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden. © Ludger Konopka/HZ-Archiv

Unsere Zeitung hat den drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 18. September in Bad Hersfeld die drei gleichen Fragen zur den Bauvorhaben in der Stadt gestellt.

Bad Hersfeld – Vor allem drei große Bauvorhaben beschäftigten die Stadtpolitik in Bad Hersfeld in den vergangenen Wochen und Monaten. Das sogenannte Festspiel-Funktionsgebäude, das im Stiftsbezirk an der Stelle des bisherigen Zollhauses entstehen soll und etwa zur Hälfte vom Bund bezuschusst werden würde. In dem Gebäude sollen die Intendanz, Werkstätten und vielleicht auch eine Probenbühne untergebracht werden.

Ein Architektenwettbewerb hatte einige interessante Entwürfe hervorgebracht, dann wurde klar, dass der Kostenrahmen gesprengt werden würde. Jetzt steht das Projekt auf Halt.

Ähnlich erging es den Plänen für das Stadt- und Kreisarchiv in der Antoniengasse. Auch hier sind die Kosten davongelaufen. Der Magistrat zog die Notbremse. Zuletzt wurde ein Vorschlag bekannt, wonach das Archiv in die Räume des früheren Herkules-Marktes, der jetzt dem VR-Bankverein gehört, ziehen könnte. Auch hier muss eine Lösung her.

Krachend gescheitert sind auch die Pläne für das sogenannte „Wever-Areal“. Hier sollte in Bahnhofnähe ein ganz neues, urbanes Wohnviertel mit Kita und fußläufiger Anbindung zur Innenstadt entstehen. Doch das Projekt scheiterte letztlich am dafür notwendigen Umzug der Bad Hersfelder Kleiderwerke.

Hinzu kommen andere Bauvorhaben, wie etwa die Erneuerung der Hochbrücke, der Bau der Schnellbahntrasse, die Erweiterung des Klinikums, aber auch alte Sanierungsfälle, wie etwa das Torhaus am Markt.

HZ-These: Die Stadtentwicklung muss komplett neu und einheitlich gedacht werden, dabei aber bezahlbar bleiben. Nur wie?   kai

Karsten Backkhaus, CDU
Karsten Backhaus, CDU © CDU

Karsten Backhaus, CDU

Wie wollen Sie das dringend benötigte Funktionsgebäude bauen lassen und einen repräsentativen, zugleich aber auch bezahlbaren Neubau realisieren? 

Das Funktionsgebäude für die Festspiele ist ein MUSS bei der Weiterentwicklung der Festspiele. Die Frage ist, ob der gesetzte Kostenrahmen noch realistisch ist. Wir bekommen durch die Preissteigerungen im Baugewerbe immer weniger Funktionsgebäude für immer mehr Geld. Ein Bau mit einem Multifunktionsraum wäre schön, allerdings steht im Zentrum des Interesses die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Festspielverwaltung und der Schauspieler. Das ausstehende Gutachten, welches das Landesamt für Denkmalpflege gefordert hat, ist ausschlaggebend für das weitere Vorgehen. Ein gut ausgeführter Bau, wie ihn Kirschner und Partner im Frühjahr vorgestellt hat, ist besser, als auf der Stelle zu treten.

Welche Ideen haben Sie für den Bau des Stadtarchivs?

Ich glaube nicht, dass die Stadt Bad Hersfeld in Eigenregie ein Stadtarchiv bauen muss. Für mich gibt es bei immer enger werdenden Mitteln im Haushalt da andere Prioritäten (s.o.). Das Angebot seitens des VR-Bankvereins, das Archiv im umgebauten Parkhaus einzurichten und dann von städtischer Seite sich dort einzumieten, ist für mich ein denkbarer und sehr sympathischer Weg. Gerne sind auch andere PPP-Partner zur Umsetzung des Projekts herzlich eingeladen, mit mir ins Gespräch zu kommen. Weitere Standorte sind zu prüfen, z.B. auch in leer stehenden städtischen Gebäuden. Wir brauchen für das Stadtarchiv keinen Prunkbau mit Architektenwettbewerb.

Welche Ziele haben Sie vor dem Hintergrund des gescheiterten Wever-Projekts für die bauliche Entwicklung der Stadt unter Berücksichtigung der großen Bauvorhaben wie Klinikum oder Schnellbahntrasse?

Durch den ICE-Halt in Bad Hersfeld rückt unsere Stadt näher an den Speckgürtel „Rhein-Main-Gebiet“ heran. Wir werden auch künftig eine hohe Nachfrage nach Wohnungen und Häusern haben. Deshalb ist für mich eins klar: Eine städtebauliche Entwicklung muss zukünftig vom Bahnhof aus gedacht und geplant werden. Die bauliche Entwicklung ist Stadtentwicklung par excellence. Stadtentwicklung ist nicht nur das Bekämpfen der Leerstände in der Fußgängerzone, sondern muss groß gedacht werden: Wohnen in der Stadt, Mobilität, Tourismus, Freizeit, Kultur u.v.m.. Rotenburg und Bebra machen da einiges besser und könnten teilweise Vorbild für uns sein. Stadtentwicklung werde ich zur Chefsache machen.

Anke Hofmann, unabhängig
Anke Hofmann, unabhängig © Team Anke Hofmann

Anke Hofmann, unabhängig

Wie wollen Sie das dringend benötigte Funktionsgebäude bauen lassen und einen repräsentatives, zugleich aber auch bezahlbaren Neubau realisieren? 

Die Umsetzung des Vorhabens scheitert derzeit an den unterschiedlichen Anforderungen der Beteiligten – Bundesministerium für Kunst, Kultur, Verfassung und Medien (Fördergeldgeber), Oberfinanzdirektion, Landesamt für Denkmalpflege – an Verfahren sowie Kubatur. Es ist daher dringend erforderlich, diese an einen Tisch zu holen, um den gemeinsamen Weg zu definieren. Der in den Stiftsbezirk zu integrierende Neubau ist auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Bei Ausschreibung der Gewerke wird es keinen Raum für „Wünsch-dir-was“ geben, ggf sind Ausschreibungen aufzuheben und anzupassen. Die aktuellen Arbeitsbedingungen in Festspielverwaltung und Werkstätten sind dringend zu ändern.

Welche Ideen haben Sie für den Bau des Stadtarchivs?

Da ein gemeinsames Stadt- und Kreisarchiv angestrebt wird, um Synergien zu nutzen, muss für eine Lösung auch hier ein Austausch zwischen Bürgermeister und Landrat stattfinden. Explodierende Baupreise und Erfahrungen der letzten Bauvorhaben haben gezeigt, dass die Kosten für den Neubau nicht kalkulierbar sind. Auch wenn wir durch Inanspruchnahme von Städtebaufördermitteln eine hohe Förderquote erzielen, ist es überlegenswert, sich eines Investors für den Bau zu bedienen und das Gebäude zu mieten. Der Investor sollte Fördermittel in Anspruch nehmen, um somit die Miete für Stadt und Kreis zu reduzieren. Auch ein Mietkauf sollte ins Auge gefasst werden.

Welche Ziele haben Sie vor dem Hintergrund des gescheiterten Wever-Projekts für die bauliche Entwicklung der Stadt unter Berücksichtigung der großen Bauvorhaben wie Klinikum oder Schnellbahntrasse?

Nach Scheitern der großen Wever-Lösung ist mit Hochdruck die Umsetzung auf dem verbliebenen Areal zu realisieren. Mittelfristig muss eine finanziell tragbare Lösung für den Bereich der Kleiderwerke gefunden werden. Stadtplanerisch ist der Bereich vom Wever-Gelände über den Bahnhof bis zum Peterstor neu zu betrachten, eine Zufahrt von der B 27 in das Areal erscheint sinnvoll. Verkehre der Bahnreisenden sollen auf der der Stadt abgewandten Seite verbleiben. Ebenso ist die fußläufige Anbindung an die Innenstadt zu optimieren. Für den Klinikneubau ist gemeinsam nach Lösungen für eine Anbindung zu suchen, um die Anwohner zu entlasten. Die Akteure müssen an einen Tisch.

Karsten Vollmar, SPD
Karsten Vollmar, SPD © SPD

Karsten Vollmar, SPD

Wie wollen Sie das dringend benötigte Funktionsgebäude bauen lassen und einen repräsentatives, zugleich aber auch bezahlbaren Neubau realisieren? 

Wir werden den Bau des Festspielfunktionsgebäudes in zwei Bauabschnitten realisieren müssen, da der Bund weitere Zuschüsse (für z. B. Baupreissteigerungen) ablehnt. Mit einem Bau in zwei Teilen kann es aber gelingen, so meine Informationen aus Berlin, die bereits anvisierten Mittel in Höhe von fünf Millionen Euro zu verbauen und in einem weiteren Abschnitt, für den es dann abermals Fördermittel geben könnte (das ist das Geschickte an dieser Lösung), die Realisierung des Gesamtprojekts sicherzustellen. Kostenkontrolle und die Verwirklichung eines sich in den Stiftsbereich architektonisch, ästhetisch und historisch gut einfügenden Gebäudes sind die beiden unabdingbaren Voraussetzungen dafür.

Welche Ideen haben Sie für den Bau des Stadtarchivs?

Eine Stadt benötigt ein würdiges und funktionales Archiv! Mein bevorzugter Standort war das ehemalige Ordnungsamt „Am Markt 16“, auch aus dem historischen Bezug heraus. Es stehen drei Optionen (Stadt baut selber, private Investoren bauen oder langfristige Anmietung einer Räumlichkeit im Herkulescenter) zur Zeit in Rede, um ein gemeinsames Stadt- und Kreisarchiv zu errichten. Bei allen Optionen müssen, was bisher nicht geschehen ist, alle Beteiligten an einen Tisch, um die Projektrealisierung zu klären. Der Finanzrahmen, das Realisierungsfenster und die langfristige Sicherung unserer Stadtgeschichte sowie des Archivguts sind hier wesentlich.

Welche Ziele haben Sie vor dem Hintergrund des gescheiterten Wever-Projekts für die bauliche Entwicklung der Stadt unter Berücksichtigung der großen Bauvorhaben wie Klinikum oder Schnellbahntrasse?

Das Weverprojekt ist eines von 35 Hessentagsprojekten, das mit Fördergeldern realisiert werden sollte, aber wie eine Vielzahl der Projekte bisher nicht umgesetzt ist. Ich will die Fördergelder nicht verfallen lassen, die Tür beim Wevergelände ist noch nicht zu – ich werde einen Anlauf nehmen, um das Projekt noch möglich zu machen. Mit meinen Vorschlägen zur Umgestaltung eines Teils des Marktplatzes rund um die Feuerstelle und zu einem Energiequartier auf dem Wevergelände sind realistische und finanzierbare Ideen für die städtebauliche Entwicklung entstanden. Beide werden die Innenstadt beleben und sind zeitnah umsetzbar. Sie setzen auf Bürgerbeteiligung und Finanzierbarkeit ... 

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