Jazz Pool NRW stellte aktuelles Projekt "Sketches" vor

Gelungenes Jazz-Projekt: Wolfgang Schmidtke und Musiker im Grebe-Keller

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Kürzlich noch in der „Elphi“, jetzt im Grebe-Keller: Die Musiker des Jazz Pool NRW. 

Bad Hersfeld. Eine Woche nach dem Auftritt in der Elbphilharmonie Hamburg gastierten Wolfgang Schmidtke und sechs Musiker des Jazz Pool NRW im ausverkauften Grebe-Keller.

Das offene Ensemble des Jazz Pool spielt mit wechselnder Besetzung und nimmt beim 2018er-Projekt direkten Bezug auf Miles Davis’ berühmte „Sketches of Spain“, eine Huldigung des Jazz an die spanische Kultur. Also was liegt da näher, als spanische Musiker einzuladen und demnächst auf der iberischen Halbinsel unter anderem auch in Madrid zu spielen.

Wolfgang Schmidtke (Saxophon, Klarinette) dürfte vielen noch von den Bad Hersfelder Festspielen bekannt sein, für die er 2011 unter anderem den „Honigbärenblues“, gesungen von Uli Wewelsiep, für das Dschungelbuch komponiert hatte. Bei seinem vierten Gastspiel im Grebe-Keller hatte er seine Kollegen Peter Weiss (Schlagzeug), Albert Vila (Gitarre), Ryan Carniaux (Trompete, Flügelhorn), Simon Seidl (Piano), Gunnar Plümer (Kontrabass) und Michael Heupel (Flöte) mitgebracht.

Das Intro „Silent Rider“ aus der Feder von Schmidtke/Weiss, den Protagonisten des Jazz Pool NRW, erlaubte allen Musikern, das sehr ruhige Thema, sozusagen zum Warmmachen, gemeinsam aufzunehmen. Ganz im klassischen Jazzformat folgten die Soli für Piano, Saxophon, Trompete, Gitarre und Bass, um letztendlich die seichten Disharmonien wieder zu harmonisieren.

Die „100 Years of Solitude“ des Spaniers Albert Vila begann er selbst mit einem grandiosen melodischen Gitarrensolo, welches vom gesamten Ensemble aufgegriffen und anschließend als ein faszinierendes Flötensolo von Michael Hempel fortgeführt wurde. Jetzt klinkten sich das Saxophon von Schmidtke und die Trompete von Carniaux unvermittelt ein und brachten das Werk mit einem satten Dreiklang fast zu Ende. Aber das Finale gehörte nach einem feurigen Trompetensolo von Ryan Carniaux doch wieder dem exzellenten Jazzgitarristen und Komponisten Vila, der manchmal seine Melodie sogar mitsang. Apropos Ryan Carniaux – ja, es ist genau dieser erstklassige Trompeter, der uns im Frühjahr beim Hersfelder Live Jazz 2018 bereits mit seiner extravaganten Spielweise auf dem Flügelhorn zu begeistern wusste.

Ein Instrument, welches im Jazz eher selten zu hören und zu sehen ist, hatte Jazzflötist Michael Heupel mitgebracht. Auf seiner Bassflöte zeigte er den begeisterten Gästen, wie man mit den verschiedensten Blastechniken so einem monströsen Instrument ganz zarte und reine oder auch jazzige und rockige Töne entlocken kann. Den Jazzklassiker „All Blues“ von Miles Davis teilten sich in vorzüglicher Weise mit ihren drei Soli Schmidtke, Carniaux und Vila. Die Auftragskomposition von Schmidtke/Weiss „Ballade aus Sommernachtstraum“, die seinerzeit im Wuppertaler Theater unter Holk Freytag die Liebesszenen musikalisch untermalten, die bei Felix Mendelsohn Bartholdy bekanntlich fehlen, leitete zum flammenden Finale über. Und das kam ganz spanisch mit „Olé“ von John Coltrane daher. In gut 15 Minuten skizzierten die sieben Vollblutjazzer musikalisch die gesamte spanische Kultur von den Kastagnetten bis zum Torero.

Es gab tosenden Beifall und natürlich eine Zugabe für das vollauf gelungene Jazzprojekt „Sketches“. (sen)

Jazz: "Sketches" im Grebe-Keller

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