Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Druck machen, erinnern und freuen

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

In seiner Kolumne befasst sich Kai A. Struthoff unter anderem mit dem Trassenverlauf der Bahn, der „Zuse-Scheune“ und dem geliebten Lullusfest.

Kurz vor dem nächsten Beteiligungsforum der Bahn zum Neubau der Schnellbahntrasse Fulda-Gerstungen am 2. Juli will die Region noch mal ein starkes Zeichen setzen. Deshalb kommen am Wochenende die Bürgermeister des Hersfelder Kreisteils, aber auch Vertreter des Landratsamtes, Landtagsabgeordnete, der Bundestagsabgeordnete Michael Roth und Vertreter der örtlichen Bürgerinitiativen zusammen.

Sie wollen sich noch mal für die sogenannte Hersfeld-Variante des Trassenverlaufs und einen ICE-Bahnhof in Bad Hersfeld starkmachen und ein deutliches Signal der Region auch nach Berlin schicken.

Die Gemeinden im Nordkreis favorisieren indes immer noch einen Bahnhalt im Raum Bebra und verweisen darauf, dass Bebra nach Kassel schon jetzt der größte Bahnhof mit den meisten Pendlern in Nordhessen ist.

Auch nach über zwölf Jahren in Bad Hersfeld wundere ich mich zuweilen über den Umgang der Region mit ihrer eigenen Geschichte. Das wird gerade wieder in der Diskussion um die Zuse-Scheune deutlich. Anstatt sich darüber zu freuen, dass ein couragierter Architekt das alte Gebäude auf eigenes Risiko sanieren will, gibt es einige, die kleinkrämerisch darüber lamentiert, wo genau Zuse seinen Computer entwickelt hat und dass er ja eigentlich gar kein Hersfelder war. Zuse ist gebürtiger Berliner und hat auch dort geforscht. Später wohnte er in Hünfeld. Die alte Remise der ehemaligen Rehnschen Tuchfabrik hat er vermutlich nie betreten. Aber das ist doch wurscht! Die sogenannte „Zuse-Scheune“ ist der letzte erhaltene Rest von Zuses Hersfelder Wirkungsstätte. Warum also nicht daran erinnern? Natürlich mit Hinweis auf die anderen Zuse-Orte wie Hünfeld und selbstverständlich auch Neukirchen.

In den USA würde man sich nicht so zieren und ein „Historic Site“ daraus machen. Aber die „Amis“ haben ja auch nicht so viel Geschichte wie wir. Vielleicht wird deshalb in Bad Hersfeld auch aus dem historischen Erbe von Konrad Duden so wenig gemacht. Freilich, auch Duden ist nicht in Hersfeld geboren und gestorben, aber immerhin hat er hier jahrzehntelang gewirkt, den Duden verfasst und ist hier begraben.

Ein großes Fragezeichen steht derzeit noch hinter dem von vielen Herschfellern geliebten Lullusfest. Nach der pandemiebedingten schmerzlichen Absage 2020 zeigten sich die städtischen Organisatoren noch im April zuversichtlich, dieses Jahr das Volksfest wie gewohnt feiern zu können. Sämtliche Hoffnungen ruh(t)en auf der Corona-Schutzimpfung.

Daran hat sich bisher auch nichts geändert, heißt es. Die Lullusfest-Kommission tagt Ende Juli – dann soll, wenn möglich, eine Entscheidung fallen. Mindestens so lange müssen sich die Herschfeller und Hergelofenen also noch gedulden. Das benötigte „Kleingeld“ ist jedenfalls im Haushalt eingeplant. Einen Plan B gibt es derzeit nicht. Abhängig ist die Stadt aber natürlich von den Vorgaben durch Bund und Land.

Der Deutsche Schaustellerbund freut sich derweil über die Entscheidung der Stadt Hamburg, den Sommerdom zu veranstalten. Von einem Normalbetrieb kann dort allerdings keine Rede sein: Neben den üblichen Abstands- und Einlassregeln soll der Dom mit weniger Geschäften stattfinden. Gespart werde dabei zwar nicht an Fahrgeschäften, dafür aber an Mandelbuden. Zudem sind Attraktionen, bei denen regelmäßige Desinfektion nicht möglich sind, tabu.

Jetzt freuen wir uns aber erst mal auf unsere Fest-    spiele und die traditionelle HZ-Matinee am Sonntag, die diesmal „HZ-digital“ heißt, weil sie corona-bedingt nur im Internet zu sehen ist. Markus Pfromm und ich freuen uns auf Joern Hinkel, Götz Schubert, Janina Stopper, Gil Mehmert und Abla Alaoui sowie auf exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Schauen Sie doch mal rein!

Von Kai A. Struthoff

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