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Wo sind all die Wähler hin? Neuer Negativrekord an der Wahlurne

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Sie gehen in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Hersfeld: Anke Hofmann und Karsten Vollmar.
Sie gehen in die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Hersfeld: Anke Hofmann und Karsten Vollmar. © Kai A. Struthoff/Nadine Meier-Maaz

So niedrig war die Wahlbeteiligung bei einer Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld noch nie. Unsere Wahlanalyse gibt Erklärungsversuche.

Bad Hersfeld – Stell Dir vor es ist Wahl, es gibt drei qualifizierte, aber durchaus unterschiedliche Kandidaten, und trotzdem geht (kaum einer) zur Wahl. Von 22650 Wahlberechtigten haben rund 12 800 nicht gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 43,51 Prozent und damit noch unter den 45,7 Prozent bei der letzten Bürgermeisterwahl am 11. September 2016.

Aber warum? Nur weil es geregnet hat? Auch Anke Hofmann, Karsten Vollmar und Karsten Backhaus rätseln, warum nur so wenige Bürger ihr Wahlrecht wahrgenommen haben.

Blumen für den Etappensieg: Anke Hofmann mit ihren Töchtern am Wahlabend.
Blumen für den Etappensieg: Anke Hofmann mit ihren Töchtern am Wahlabend. © Kai A. Struthoff

„Die Nicht-Wähler fühlen sich offenbar von uns nicht abgeholt oder mitgenommen“, vermutet Hofmann am Tag danach. Neben einer allgemeinen Politikverdrossenheit gebe es bei vielen Bürgermeisterwahlen den generellen Trend einer sinkenden Wahlbeteiligung. Sie will deshalb nun die einzelnen Wahlbezirke genau analysieren und dort das Gespräch suchen, wo nur wenige gewählt haben. „Wir müssen die Bürger davon überzeugen, dass sie gerade hier auf der kommunalen Ebene durchaus mitgestalten können.“ Deshalb werde sie auch weiterhin Wahlkampf machen und sich nicht zurücklehnen, obwohl sie beim ersten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte.

Auch Karsten Vollmar sieht die Gründe für die geringe Wahlbeteiligung in einer weiter zunehmenden Politikverdrossenheit, einer latenten Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen und einer „Teilnahmslosigkeit am Geschehen auf der untersten kommunalen Ebene“. Als Lehrer weiß er zudem, dass gerade junge Wähler oft nur schwer zu motivieren sind. „Ich glaube aber auch, dass viele Wähler mit einer Stichwahl gerechnet haben und deshalb erst am nächsten Wahlgang teilnehmen werden“, sagt Vollmar und beruft sich dabei auf viele seiner Haustürgespräche.

Ernster Blick auf die Ergebnisse: Karsten Vollmar (SPD) am Wahlabend in der Stadtkasse.
Ernster Blicke auf die Ergebnisse: Karsten Vollmar (SPD) am Wahlabend in der Stadtkasse. © Kai A. Struthoff

Im nächsten Wahlgang hofft er darauf, dass jene Wähler, die bereits sehr frühzeitig per Brief abgestimmt hatten, nach den Eindrücken beim HZ-Bürgermeisterforum und den Aussagen der laufenden Diskussion bei der Stichwahl nun anders abstimmen werden. „Eigentlich sind alle Argumente ausgetauscht, trotzdem werde ich natürlich weiter um Wählerstimmen werben.“

Eine wichtige Rolle beim nächsten Wahlgang dürften die knapp 17 Prozent der CDU-Wähler spielen. Am Tag nach der Wahl wollte Karsten Backhaus aber keine Empfehlung für den einen oder die andere Kandidatin abgeben. Gleichwohl scheint er mit sich im Reinen zu sein: „Ich habe den Hersfeldern ein Angebot gemacht, und das wurde leider nicht angenommen“, sagt er sachlich. „Ab morgen bin ich dann wieder zu 200 Prozent Schulleiter der MSO.“ Auch Backhaus verweist auf den allgemeinen Trend der sinkenden Wahlbeteiligung gerade bei Bürgermeisterwahlen. „Die Direktwahlen werden einfach schlecht angenommen“, sagt er, obwohl alle drei Kandidaten doch einen engagierten Wahlkampf gemacht hätten.

Am Ende des ersten Wahlgangs in Bad Hersfeld bleibt also bei den Kandidaten und den politischen Beobachtern eine gewisse Ratlosigkeit. Natürlich dürfte wohl auch das schlechte Wetter eine Rolle gespielt haben, warum viele Wähler der Urne fernblieben.

Zwei führende SPD-Stadtpolitiker machten am Wahlabend auch den allgemeinen Trend zu parteilosen Kandidaten als Grund für die allgemein sinkende Wahlbeteiligung aus, weil dann die Parteien als mobilisierende Kraft fehlen. Vielleicht spielte bei mobilitätseingeschränkten Menschen auch der reduzierte Busverkehr am Sonntag eine Rolle, wie eine andere Stadtverordnete vermutet.

Hoffen wir, dass vielleicht tatsächlich viele Bürger mit einer Stichwahl gerechnet und sich deshalb die Tinte aufgespart haben, um nun aber am 2. Oktober ihr Kreuzchen zu machen. (Kai A. Struthoff)

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs

Beim ersten Wahlgang um das Amt des Bürgermeisters in der Kreisstadt hat die parteilose Kandidatin Anke Hofmann 45,72 Prozent der Stimmen erzielt. Der SPD-Kandidat Karsten Vollmar holte 37,29 Prozent. Beide gehen nun in die Stichwahl am 2. Oktober. Der CDU-Kandidat Karsten Backhaus konnte nur 16,99 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,51 Prozent.  (kai)

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