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Akten des ehemaligen Frauennetzwerks wurden dem Kreisarchiv übergeben

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Von: Christine Zacharias

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Frauenbewegte Zeiten finden Eingang ins Archiv: Eine große Tasche mit Unterlagen aus mehr als 40 Jahren Frauenbewegung im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben jetzt Vertreterinnen des ehemaligen Frauennetzwerks an Kreisarchivar Dr. Sebastian Kraffzig übergeben. Unser Bild zeigt von links: Sebastian Kraffzig, Elisabeth Rehs, Barbara Dibowski, Brigitte Hartmann-Laudert, Iris Plass-Geißler, Ingrid Liers, Margarete Horstmann, Christa Grocholl-Wörndl, Maria Wieczorek und Sabine Koch. Im Hintergrund steht Gloria Dück.
Frauenbewegte Zeiten finden Eingang ins Archiv: Eine große Tasche mit Unterlagen aus mehr als 40 Jahren Frauenbewegung im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben jetzt Vertreterinnen des ehemaligen Frauennetzwerks an Kreisarchivar Dr. Sebastian Kraffzig übergeben. Unser Bild zeigt von links: Sebastian Kraffzig, Elisabeth Rehs, Barbara Dibowski, Brigitte Hartmann-Laudert, Iris Plass-Geißler, Ingrid Liers, Margarete Horstmann, Christa Grocholl-Wörndl, Maria Wieczorek und Sabine Koch. Im Hintergrund steht Gloria Dück. © Christine Zacharias

Unterlagen aus mehr als 40 Jahren Frauenbewegung im Kreis Hersfeld-Rotenburg haben jetzt Vertreterinnen des ehemaligen Frauennetzwerks an Kreisarchivar Dr. Sebastian Kraffzig übergeben.

Hersfeld-Rotenburg – Eine große Tasche mit Unterlagen, Protokollen, Zeitungsartikeln und Fotos aus mehr als vier Jahrzehnten Frauenbewegung im Kreis Hersfeld-Rotenburg übergab jetzt eine Gruppe von Frauen, die bis zu dessen Auflösung im Frauennetzwerk des Kreises aktiv waren, an Dr. Sebastian Kraffzig, den Leiter des Fachdienstes Interkommunales Archivwesen.

Wohin mit all den Unterlagen, die die vielfältigen Aktivitäten engagierter Frauen im Kreis Hersfeld-Rotenburg dokumentieren? Das fragte sich Sabine Koch, viele Jahre Vorstandsmitglied im Frauennetzwerk des Kreises, als sich die Organisation 2018 auflöste, weil sich kein Vorstand mehr fand. Einfach wegwerfen? Damit wäre dann auch das Wissen über vier Jahrzehnte des Engagements für ein gleichberechtigtes und gewaltfreies Zusammenleben von Frauen und Männern verloren gegangen, sagte Sabine Koch.

Sie nahm Kontakt mit dem Kreisarchiv auf und war sehr erfreut zu hören, dass man dort Interesse an den Unterlagen hatte. Also bildete sich vor vier Jahren eine kleine Gruppe, die das vorhandene Material sichtete, ordnete und zusammenfasste. Alle Mitgliedsorganisationen des Netzwerks wurden informiert, dass sie die Möglichkeit hätten, ihre Geschichte zu dokumentieren und ebenfalls dem Kreisarchiv zur Verfügung zu stellen. Diese Chance hätten nur der Verein „Frauen helfen Frauen“, der Frauenhaus und -beratungsstelle in Bad Hersfeld betreibt, Pro Familia, die sozialdemokratischen Frauen, der Hausfrauenverband, der Deutsche Frauenring und die evangelischen Frauen genutzt, bedauerte Sabine Koch. Es gebe jedoch die Möglichkeit, noch Material nachzuliefern, versicherte Kraffzig.

Ebenfalls archiviert werden die persönlichen Erinnerungen von zwei Frauen, die sich die Mühe gemacht haben, sie niederzuschreiben.

Hoch erfreut über das Material des ehemaligen Frauennetzwerks zeigte sich der Leiter des Fachdienstes Interkommunales Archivwesen, Sebastian Kraffzig. Die Unterlagen seien der erste Bestand im Archiv, der nicht amtlichen Ursprungs sei, erklärte er. Die Erkenntnis, dass auch Unterlagen von Organisationen und Vereinen, die den Alltag der Menschen dokumentierten, gesammelt, archiviert, digitalisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr durchgesetzt. „Das sind wichtige Überlieferungen“, betonte Kraffzig.

Sein Ziel sei es, das Material sichtbar zu halten und sichtbar zu machen, sowohl räumlich im Kreisarchiv, einem „Ort des Wissens“, als auch digital, betonte Sebastian Kraffzig. Sein Fachdienst, der derzeit noch im ehemaligen Wever-Gebäude untergebracht ist, sammelt und ordnet nicht nur die Unterlagen des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, sondern auch die zweier benachbarter Kreise und aus 17 Kommunen.

Aktiv für Frauenrechte und gegen Gewalt

Mitte der 1970er Jahre kam die Frauenbewegung auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg an. Es bildeten sich erste Frauengruppen, in denen es darum ging, Wege zu einem gleichberechtigten Zusammenleben in der Gesellschaft zu finden und den Wert weiblicher Erfahrungen, Kompetenzen und Lebensentwürfe hervorzuheben. Der Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern wa immer ein wichtiges Thema.

Unter Federführung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) entstand Mitte der 1980er Jahre die Fraueninitiative als lockerer Zusammenschluss ganz unterschiedlicher Frauenorganistionen und engagierter Einzelpersonen. Eine wichtige Forderung war eine Frauenbeauftragte für den Kreis.

Im Mai 1986 beschloss der Kreistag, diese Stelle einzurichten. Sie wurde mit Ute Schütrumpf besetzt.

In den Folgejahren traf sich die Fraueninitiative in unregelmäßigen Abständen zu den unterschiedliches frauenpolitischen Themen. Im Herbst fand regelmäßig ein „Frauenherbst“ mit mehreren Veranstaltungen statt.

Als das Interesse an der Fraueninitiative nachließ, wurde 1997 zu einer Zukunftswerkstatt eingeladen, um neue Strategien zu entwickeln. Daraus entstand das Frauennetzwerk, das 2004 zu einem eingetragenen Verein wurde. Neben zahlreichen Vorträgen und Workshops zu Frauenthemen organisierte das Netzwerk bis zu seiner Auflösung im Jahr 2018 jedes Jahr am Internationalen Frauentag (8.März) ein großes multikulturelles Fest im Buchcafé. Daraus entwickelten sich Frauenkulturwochen mit einer Fülle von Veranstaltungen, die zumeist von Akteurinnen aus der Region angeboten wurden.

Immer wieder organisierte das Frauennetzwerk Veranstaltungen, Filmvorführungen und Exkursionen zu frauenpolitisch relevanten Themen. Auch mehrere Reisen fanden statt, unter anderem nach Krakau, Danzig und Breslau, wo auch Kontakte zu polnischen Organisationen geknüpft wurden.

Das Netzwerk beteiligte sich auch an Aktionen wie „One Billion Rising“ gegen Gewalt. (Christine Zacharias)

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