Defizit von über 325000 Euro

Windpark Wehneberg macht weiter Verlust

Bad Hersfeld. Der gegen erhebliche Widerstände in der Bevölkerung und der Stadtpolitik durchgesetzte Windpark Wehneberg bei Bad Hersfeld schreibt rote Zahlen: Im Konzernabschluss der Stadtwerke Stuttgart, denen die sechs Windräder im Stadtwald zu 100 Prozent gehören, wird für 2016 ein Verlust von 326 725 Euro ausgewiesen.

„Der Windpark Bad Hersfeld bleibt derzeit noch hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurück,“ erklärte Olaf Kieser, Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart, auf Anfrage unserer Zeitung. 2016 und 2017 seien „keine starken Windjahre“ gewesen, sagte Kieser, erwartet aber langfristige bessere Windverhältnisse. Als weitere Ursache nannte Kieser technische Probleme. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, diese zu lösen, um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten. „Wir halten an dem Standort fest und gehen davon aus, dass der Windpark über die Laufzeit unsere Erwartungen weitgehend erfüllen wird“, erklärte Kieser.

Für die Stadt Bad Hersfeld hat dies bisher keine Auswirkungen. Die vereinbarte Mindestpacht sei immer überwiesen worden, bescheinigte Pressesprecher Meik Ebert den Stuttgartern Vertragstreue. Eine Minderung bei anhaltend schwächeren Erträgen sei vertraglich nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Laufen die Anlagen besser als erwartet, steigt auch die Pacht. Aktuell weist der städtische Haushalt jährliche Einnahmen von 204 000 Euro aus.

Die Bürgerinitiative „Rettet den Stadtwald“ sieht sich hingegen in ihrer Einschätzung bestätigt: „Die wiederholten großen Verluste lassen die Prognosen der BI Realität werden“, heißt es in einer Stellungnahme. Die vorher geltend gemachten Warnungen hinsichtlich der Schwachwindsituation, der Naturschutzauflagen und der vorhersehbaren Probleme mit dem Anlagentyp und der Geländeformen seien sämtlich eingetreten.

Hintergrund: Erst acht, dann sechs Windräder

Die sechs Windräder der SWS Windpark Bad Hersfeld GmbH & Co. KG mit Sitz in Stuttgart sind vom 2. Dezember 2014 an ans Netz gegangen und liefern ihren Strom über das Umspannwerk im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft. Ursprünglich hatten die Projektentwickler der Wiesbadener Firma ABOWind im Stadtwald auf dem Wehneberg acht Windräder errichten wollen. Nach Mediations- und Genehmigungsverfahren wurde ihre Zahl auf sechs reduziert. Gekauft haben die Windkraftanlagen die Stadtwerke Stuttgart, die bundesweit mehrere Windparks betreiben. Für die Nutzung der Flächen zahlen sie eine jährliche Pacht an die Stadt Bad Hersfeld. (ks)

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