Rundflug über Nordhessen

Wilhelm Fenner (96) - Das Fliegen verlernt man nicht

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Rotenburg/Bad Hersfeld – Einmal noch hoch hinaus. Dieses Geschenk hat der Motorfliegerclub Bad Hersfeld seinem ehemaligen Mitglied Wilhelm Fenner gemacht.

Anlässlich des 96. Geburtstages des Segel- und Motorpilots holten die Vereinsmitglieder ihren Kameraden noch einmal auf den Flugplatz.

Bis 2011 ist Fenner aktiver Freizeitpilot beim Motorfliegerclub Bad Hersfeld gewesen. Den Traum vom Fliegen hat er sich schon in der Jugend erfüllt. Gemeinsam mit seinem Bruder trat er 1940 der Fliegergruppe der Hitlerjugend bei. „Als es hieß, wir können auf dem Mosenberg fliegen lernen, sind wir sofort hin. Aber ohne politischen Hintergrund, wir wollten einfach nur die Chance nutzen“, betont Fenner.

Seine Fliegerkarriere musste der Chemiestudent während seines Militäreinsatzes im Krieg unterbrechen. Kaum wieder zu Hause, ging es aber erneut in die Luft. Mit dem Flugschein in der Tasche startete Fenner auch von der Wasserkuppe aus und übte sich neben dem Studium weiter im Segelfliegen. „Das ist gar nicht so einfach, weil das Wetter Start und Landung so stark beeinflusst. Einmal fehlte der Wind und ich bin unfreiwillig in einem Kornfeld gelandet – ist aber nichts passiert“, erzählt der Pensionär schmunzelnd. Der Feuereifer hatte den Hobbyflieger gepackt und Wilhelm Fenner bewies Ehrgeiz. So trainierte er auch Disziplinen wie den Dreiecksflug und führte Wartungskontrollen an den Maschinen aus.

Kein Wunder also, dass es nicht beim Segelfliegen blieb. Am Flugplatz in Kassel Waldau absolvierte Fenner zusätzlich die Ausbildung zum Motorflieger und startete danach richtig durch. Von den lokalen Flugplätzen bis hin zum spanischen San Antonio: In ganz Europa startete und landete Fenner, der nach dem Studium als Lehrer tätig war. Mit motorisiertem Antrieb nahm er auch längere Distanzen in Angriff. Bis nach Vilnius, in die heutige Hauptstadt Litauens, trieb es den eifrigen Hobbyflieger. Fenner erwies sich als sicherer Pilot, der ab 1959 auch Flugschüler mit in die Luft nahm. Mit den Dokumentationen seiner Flüge füllte er ganze drei Flugbücher.

„Die Leidenschaft fürs Fliegen liegt in dem Gefühl der Freiheit. Einfach mal zwischen den Wolken durch, für eine Nacht los an einen entfernten Ort – mit dem Flieger geht das“, schwärmt Wilhelm Fenner. Mit seiner Frau Gerlinde unternahm er so oft Ausflüge, wie nach Westerland auf Sylt.

Das Wichtigste sei bei aller Begeisterung jedoch die Sicherheit. In Fenners gesamter Flugkarriere kam es so nie zu einem Unfall. „Besonnenheit ist in der Fliegerei das Wichtigste und das Wetter spielt immer eine Rolle. Wenn das nicht stimmt, ist der Teufel los. Wer sich da selbst überschätzt, riskiert sein Leben“, mahnt der 96- Jährige.

Der Flugplatz in Bad Hersfeld wurde zum Heimathafen des Lehrers, nachdem er sich mit seiner Frau in Rotenburg eingelebt hatte. 1983 trat er dem Verein bei und war bis zum Ende seiner aktiven Fliegerkarriere ein geschätzter Kamerad.

So ergriffen die Vereinsmitglieder vor wenigen Wochen die Initiative und holten den Pensionär zurück ins Cockpit. In der Cirrus Turbo GT ging es für eine knappe Stunde über den Landkreis und der 96-Jährige bewies: Das Fliegen verlernt man nicht. Vereinsmitglied Jörg Heinzerling steuerte Start und Landung, in der Luft übernahm Wilhelm Fenner die Kontrolle. „Ein wenig umstellen muss man sich schon. Da, wo ehemals ein Steuerrad war, gibt es jetzt einen Joystick, das ist aber nur Gewöhnungssache.“ Und auch, wenn er den Nervenkitzel heute nicht mehr so häufig sucht, steht für Wilhelm Fenner fest: Zum Hundertsten darf es gerne noch einmal in die Höhe gehen. (lf)

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