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Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld: Fragen an die Kandidaten zu Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung

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Eine belebte Innenstadt in einer lebenswerten Stadt: Immer wieder sorgen der Fachbereich Stadtmarketing, der Stadtmarketingverein und der Handel für besondere Attraktionen, die gern angenommen werden. Das
Eine belebte Innenstadt in einer lebenswerten Stadt: Immer wieder sorgen der Fachbereich Stadtmarketing, der Stadtmarketingverein und der Handel für besondere Attraktionen, die gern angenommen werden. Das © Steffen Sennewald

Unsere Zeitung hat den drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 18. September in Bad Hersfeld die drei gleichen Fragen zu den Themen Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung gestellt.

Bad Hersfeld – Das Thema Stadtmarketing ist ein Dauerbrenner: Einerseits gibt es den Stadtmarketingverein als Organisation von Handel, Dienstleistung, Freiberuflern und Touristikbetrieben, andererseits den städtischen Fachbereich 70, dem diese Aufgabe seitens der Verwaltung zugeordnet ist. Häufig wechselnde Stellenbesetzungen und die Koordination von Zuständigkeiten und Arbeitsfeldern scheinen verbesserungswürdig.

Manchmal vielleicht nur werblich gut verpackt und selbstbewusst dargestellt, scheinen hier die Nachbarstädte Bebra und Rotenburg, aber auch Kreisstädte wie Eschwege oder Homberg/Efze zeitgemäßere Strukturen zu haben. Hinzu kommt, dass viele Vertreterinnen und Vertreter von Handel und Wandel in der Stadt eine Wirtschaftsförderung für Bad Hersfeld, die den Namen verdient, vermissen und das Themenfeld Stadtmarketing mit Tourismusförderung in einem größeren Rahmen mit einer greifbaren Vorstellung zur Zukunftsentwicklung erweitert wissen möchten.

Dabei spielen Begriffe wie Leerstandsmanagement, modernes Arbeiten in der Innenstadt, Bausündenbeseitigung (wie die miserable Situation am Kirchtor), Bestandspflege angesiedelter Wirtschafts-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie Sortimentsvielfalt und eine größere Bandbreite an Handels- und Dienstleistungsangeboten auch durch kreative kommunale Programme eine Rolle.

HZ-These: Stadtmarketing, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung müssen zusammen gedacht und die Arbeit der Verwaltung in dem Bereich – dicht am Bürgermeisteramt angesiedelt – neu ausgerichtet werden.   map

Karsten Backkhaus, CDU
Karsten Backkhaus, CDU © CDU

Karsten Backhaus, CDU

Welchen Stellenwert messen Sie dem Thema Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung bei und würden Sie die Arbeitsfelder in der Verwaltung organisatorisch neu strukturieren wollen? 

Bei Veränderungsprozessen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung beteiligt werden und auch eigene Ideen mit einbringen. Grundsätzlich aber sind Städte mit einer eigenen Stadtentwicklungsgesellschaft flexibler und erfolgreicher bei der Stadtentwicklung, ich nenne da z. B. Rotenburg mit seiner MER. Klar ist für mich aber auch, dass der Stadtmarketingverein Bad Hersfeld e.V. in die Entscheidungen und Ideenfindung eng miteinbezogen werden muss. Die Wirtschaftsförderung muss in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises erfolgen. Beides muss zusammen gedacht werden, beides mache ich zur Chefsache – das drückt den Stellenwert sicherlich aus.

Welche Prioritäten sehen Sie im Bereich Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung? Nennen Sie gerne konkrete Punkte und Projekte …

Alle Maßnahmen, die die Stadt mit Leben füllen, die Besucher nach Bad Hersfeld ziehen, sind Stadtmarketing- bzw. Wirtschaftsförderungsmaßnahmen. Man kann die Punkte nicht isoliert betrachten. Die Förderung des Tourismus, wie z. B. der Ausbau der touristischen Nutzung der Fulda/des Fuldasees, führt dazu, dass mehr Menschen nach Bad Hersfeld kommen und auch die Innenstadt bevölkern. Außerdem sollten wir im Bereich Tourismus feste Kooperationen mit umliegenden Gemeinden eingehen. Weitere regelmäßige Events in der Stadt wie z.B. das erfolgreiche Swing & Wine Festival oder einen Feierabendmarkt haben den gleichen Effekt. Den Ausbau von Events will ich in der Stadt vorantreiben.

Haben Sie ein Zielbild für Bad Hersfeld 2030, das Sie mit wenigen Sätzen greifbar beschreiben können?

Ich möchte ein Bad Hersfeld, das sich zu einem Tourismus-Hotspot entwickelt mit den Festspielen als Markenkern. Ich habe das Ziel, Bad Hersfeld zu einer lebendigen Stadt zu entwickeln, in der es in der Innenstadt keine Leerstände mehr gibt und in der auch wieder junge Menschen zahlreiche Angebote im Bereich von Freizeitgestaltung haben. Ich will durch ein gutes Stadtmarketing und eine gute Wirtschaftsförderung weiterhin die Arbeitslosenzahlen in Bad Hersfeld so niedrig halten wie bisher. Darüber hinaus möchte ich sichtbare Ergebnisse im gesamten Stadtgebiet beim Thema „Straßensanierungen“ und der Entwicklung anderer Mobilität sehen (Fahrradwegenetz, ÖPNV).

Anke Hofmann, unabhängig
Anke Hofmann, unabhängig © Team Anke Hofmann

Anke Hofmann, unabhängig

Welchen Stellenwert messen Sie dem Thema Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung bei und würden Sie die Arbeitsfelder in der Verwaltung organisatorisch neu strukturieren wollen? 

Die Frage vergisst die Stadtplanung, die kausal mit Marketing und WiFö verbunden ist. Alle Themen sind essenziell für unsere Entwicklung und nur durch enge Verzahnung der Fachbereiche sowie Politik, Wirtschaft, Bevölkerung möglich! Marketing der Stadt beinhaltet u. a. Handel, Dienstleistung, Gastronomie, Tourismus, Stadtgestaltung, Erreichbarkeit, Veranstaltungswesen, Kommunikation und Werbung. Mithilfe der WiFö verbessern wir die Faktoren, die die Standortwahl von Betrieben beeinflussen (Flächen, Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Bildungs- und Kulturangebot). Während WiFö Chefsache sein muss, sehe ich Marketing dicht am Bürgermeister und im Fachbereich Stadtmarketing/Querschnittsaufgabe.

Welche Prioritäten sehen Sie im Bereich Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung? Nennen Sie gerne konkrete Punkte und Projekte …

Prioritäten sind für mich neben der Innenstadtbelebung und dem Leerstandsmanagement die Festspiele, Ganzjahreskultur, attraktive und lebendige Nutzung von Parkanlagen (Sport/Freilichtkino/Musik), der Ausbau des Tourismusangebotes (Wander-, Radfahr-, Gesundheits- und Tagestourismus) sowie die Vermarktung als Tagungsort. Im Bereich der Wirtschaftsförderung strebe ich einen ständigen Austausch, Förderung von Bestandsunternehmen zur Steigerung der Standortattraktivität, Erweiterung des Hochschulstandortes, Förderung qualitativ hochwertiger Ausbildungsmöglichkeiten und die Ausweisung von Gewerbegebieten für produzierendes Gewerbe an. Als Bürgermeisterin bin ich erste Ansprechpartnerin der Firmen.

Haben Sie ein Zielbild für Bad Hersfeld 2030, das Sie mit wenigen Sätzen greifbar beschreiben können?

Bad Hersfeld wird sich in den nächsten Jahren wandeln: Die Innenstadt wird mehr und mehr zum Wohn-, Erlebnisraum, Ort der Begegnung. Sicher erfordert dies bei allem neue Konzepte und Mut: Markthalle, Leihladen, Repair-Cafe, Handwerk zum Anfassen, Start-ups, um einige Beispiele zu nennen. Zu beachten sind auch Frequenzbringer: Gastronomie, Lebensmittel, Kultur. Mein Ziel ist neben der Belebung auch die Entwicklung zu einem attraktiven Lebensort mit aufeinander abgestimmten Arbeits-, Wohn- und Naturräumen. Die Wirtschaft wird 2030 vernetzt sein und attraktive Ausbildungsplätze für unsere Jugend bereithalten. Dies wird doch nur dann funktionieren, wenn wir zum Wohle der Stadt gemeinsam handeln.

Karsten Vollmar, SPD
Karsten Vollmar, SPD © SPD

Karsten Vollmar, SPD

 Welchen Stellenwert messen Sie dem Thema Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung bei und würden Sie die Arbeitsfelder in der Verwaltung organisatorisch neu strukturieren wollen? 

Wirtschaftsförderung, Stadtplanung & Stadtmarketing sind Motoren der Stadtentwicklung – daher werde ich diese Bereiche innerhalb der Verwaltung definitiv neu strukturieren und vor allem zusammenführen. Der Blick von außen zeigt deutlich: Das ist ein Aufgabenfeld, das dem Bürgermeister direkt zugeordnet werden muss, als Impuls-, Ideen- und Taktgeber. Auch der Bereich „Fördergelder“ ist zu optimieren: Wir benötigen Zuständigkeiten, enge personelle Verantwortung und vor allem Kontaktpflege in die Ministerien, zu privaten Investoren und auch den Menschen in unserer Stadt. Die Verwaltung leistet viel, ist aber in einigen Bereichen personell unterbesetzt. Das werde ich ändern.

Welche Prioritäten sehen Sie im Bereich Stadtmarketing/Wirtschaftsförderung? Nennen Sie gerne konkrete Punkte und Projekte …

Bad Hersfeld hat Räume und Plätze, den Anspruch auf Ganzjahreskultur und Menschen, die unsere Stadt mit Leben füllen. Aus diesen Orientierungspunkten ergibt sich für mich: Wiederbelebung des Ratskellers, Nutzung des Marktplatzes als Platz für Konzerte, Umgestaltung des unteren Teilbereiches des Marktes mit Aufwertung der Feuerstelle und Feierabendmarkt, deutlich bessere Nutzung der Schilde-Halle (Wiederbelebung des internationalen Jugendforums), Stadtkirche als Ort für Orgel- und Chorwochen. Wir müssen uns um Wirtschaft und Investoren wieder kümmern und diese einladen, hier tätig zu werden. Auch werde ich einen Blick auf die Fuldaaue werfen: Für die Jugend ein idealer Ort zum Feiern.

Haben Sie ein Zielbild für Bad Hersfeld 2030, das Sie mit wenigen Sätzen greifbar beschreiben können?

Durch Bad Hersfeld muss ein Ruck gehen, die Türen und Fenster im Rathaus müssen weit aufgemacht werden. Wir wollen eine weltoffene Kultur- und Tourismusstadt sein. Zentral für mich: Wir müssen uns auf das Tagungsgeschäft konzentrieren, hier erzielen wir eine hohe Wertschöpfung und es bringt Menschen aus nah und fern in die Stadt. Auch als Kur- und Gesundheitsstandort sowie als Ort moderner Arbeitsplätze will ich die Stadt wahrgenommen wissen. Die Chancen liegen vor unseren Augen: Klinikum, Schilde-Halle & Schilde-Campus, Festspiele, Lullusfest, Natur und Kultur, Kunst und Wissenschaft. Ich will Dinge ermöglichen – und nicht zu allem „Nein“ sagen und dabei alternativlos bleiben.

Die Antworten der Kandidaten auf unsere Fragen zu den Bauvorhaben in der Stadt lesen sie hier.

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