Sanierungspläne geraten ins Stocken

Stadtumbau in Gefahr: Bad Hersfeld hat Probleme mit dem Wever-Quartier

Das Bild zeigt das Wever-Gelände in Bad Hersfeld von oben.
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Der Blick auf das Wever-Areal in Bad Hersfeld.

Die weitreichenden Pläne für die Entwicklung der Bad Hersfelder Innenstadt sind in ernster Gefahr. Es gibt Probleme beim Wever-Gelände.

Bad Hersfeld - Nach den Problemen mit dem Kaufland-Projekt berichtete Bürgermeister Thomas Fehling im Stadtparlament nun auch von massiven Schwierigkeiten beim Sanierungsgebiet Wever-Quartier (siehe Hintergrund).

Das Hessentagsprojekt war ins Stocken geraten, weil es Klageandrohungen aus der privaten Wirtschaft gab. Die Kreisstadt hatte die vom Land Hessen zur Unterstützung derartiger Projekte geschaffene Bauland-Offensive Hessen (BOH) mit der Umsetzung weiterer Schritte des Projekts beauftragt. „Diese an sich gute Initiative war vom Land wohl nicht ganz durchdacht“, sagte Fehling. Denn gegen die von der BOH vorgesehene Direktvergabe von Aufträgen hat ein Mitbewerber Beschwerde bei der EU-Kommission angedroht.

Deshalb will nun auch die landeseigene WI-Bank keine Bürgschaftskredite übernehmen, bevor in der Frage Rechtssicherheit besteht. Der Bürgermeister beteuerte vor den Stadtverordneten, dass er immer wieder Druck gemacht habe. „Wir haben viele Monate verloren“, sagte Fehling. Wichtige Projektpartner drohten inzwischen mit Absprung. Dabei geht es vor allem um den Eigentümer einer Halle auf dem früheren Hoechst-Gelände an der Berliner Straße, die als Ersatzhalle für die Hersfelder Kleiderwerke gekauft werden soll.

„Diese Halle ist ein Schlüsselbaustein“, sagte Fehling. Am Donnerstag habe ihn der Eigentümer informiert, dass ihm das Verfahren zu lange dauere, weshalb er an einen anderen Interessenten verkaufen wolle. Fehling habe aber noch einen „Aufschub“ aushandeln können und bat die Stadtverordneten eindringlich um ein deutliches Signal, „um das Projekt Wever-Gelände zu retten“. Nachdem zuvor der Haupt- und Finanzausschuss in einer Sondersitzung zugestimmt hatte, gab auch das Stadtparlament einstimmig und ohne weitere Aussprache grünes Licht für die Übernahme einer städtischen Bürgschaft in Höhe von sechs Millionen Euro sowie für weitere notwendige rechtliche Maßnahmen.

Sollte das Wever-Projekt scheitern, fehlt ein wichtiger Baustein beim Stadtumbau auf der Achse zwischen Schilde-Park, Antoniengasse, ehemaligem Herkules- und Schlachthof-Gelände.

Hinter vorgehaltener Hand äußerten führende Stadtpolitiker Zweifel daran, ob Fehling das Projekt energisch genug vorangetrieben hat. (Kai A. Struthoff)

Grünes Wohnen im Herzen der Stadt

Der Architektenwettbewerb für ein neues Stadtquartier rund um das Wever-Gelände zwischen Bahnhof, Landratsamt und Schilde-Park gilt als das wichtigste Hessentagsprojekt. Die Gewinner vom Stadtplanungsbüro „ToBe“ aus Frankfurt wollten dort drei Wohnkomplexe – Tuchlager, Wever- und Pfarrhaushof – bauen. Erste Pläne sahen bezahlbare, kleinteilige Wohngebäude mit ruhigen, grünen Innenhöfen mitten in der Stadt und Pendler-freundlich nahe des Bahnhofs vor. 

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