Wenn Männer zuschlagen

Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen

Warnen vor den Folgen häuslicher Gewalt und der Gefahr von Femiziden: Jacqueline Glasbrenner (links) und Elizabeth Wiegand vom Verein Frauen helfen Frauen. Sie bieten Beratung und Schutz im Frauenhaus an.
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Warnen vor den Folgen häuslicher Gewalt und der Gefahr von Femiziden: Jacqueline Glasbrenner (links) und Elizabeth Wiegand vom Verein Frauen helfen Frauen. Sie bieten Beratung und Schutz im Frauenhaus an.

Kaum ein Tag vergeht, an dem in Deutschland nicht ein Mann versucht, eine Frau umzubringen, an jedem dritten Tag wird eine Frau ermordet, meist von ihrem Ehemann oder Partner.

Hersfeld-Rotenburg - Dass diese Morde an Frauen nicht nur weit weg in Großstädten passieren, darauf machen Jacqueline Glasbrenner und Elizabeth Wiegand vom Verein „Frauen helfen Frauen“ im Kreis Hersfeld-Rotenburg aufmerksam und weisen auf den Mord an einer Ärztin in Fulda im Dezember 2020 hin. Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und alljährlich ein Anlass, auf verschiedene Aspekte dieses Themenkomplexes aufmerksam zu machen. Denn Gewalt hat viele Gesichter, nicht nur das grün und blau geschlagene einer von ihrem Partner verprügelten Frau.

Auch psychische Gewalt, ständige Kontrolle, Demütigungen, Herabwürdigungen und Beschimpfungen verletzen Frauen, betont Elizabeth Wiegand. Gewalt gegen Frauen habe immer mit Machtansprüchen und Besitzdenken zu tun, erklärt sie. Es ist ihr ein Anliegen, dieses Besitzdenken aufzubrechen und klar zu machen: „Niemand gehört jemandem. Jeder Mensch ist eine eigenständige Person.“ Diese Botschaft versuchen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses immer wieder auch jüngeren Menschen zu vermitteln. Bei Infoveranstaltungen in Schulen stellen sie fest, dass sowohl Mädchen als auch Jungen es ganz normal finden, das Handy des Partners oder der Partnerin zu überprüfen oder wenn der Freund zuschlägt, weil ein anderer mit seiner Freundin spricht. Eifersucht, ständige Kontrolle oder die Isolation der Partnerin von ihrem Freundeskreis seien kein Ausdruck von Liebe, sondern Warnsignale, macht Elisabeth Wiegand deutlich. Darauf weisen die Frauenhausmitarbeiterinnen auch in Beratungsgesprächen hin.

Und sie machen deutlich, dass es auch starken, selbstbewussten, gut situierten Frauen passieren kann, dass sie in Beziehungen geraten, die gewalttätig sind.

Für Frauen sei die Zeit während und nach einer Trennung oder Scheidung die gefährlichste in ihrem Leben, sagt Jacqueline Glasbrenner. Männer erlebten es oft als Macht- und Hierarchieverlust, wenn die Frau sie verlasse, und reagierten darauf mit Gewalt, die oft tödlich endet.

Glasbrenner und Wiegand ist es ein Anliegen, dass diese Taten nicht verharmlosend als Familiendrama, Bluttat oder Ehrenmord bezeichnet werden, sondern als Femizide, als Morde an Frauen oder Mädchen, eben weil sie Frauen oder Mädchen sind, weil sie als Eigentum betrachtet werden und ihnen das Recht auf ein eigenständiges, unabhängiges Leben aberkannt wird. Als besorgniserregend empfinden Wiegand und Aschenbrenner, dass der allgemeine Frauenhass zunimmt und sich im Internet entsprechende Gruppen gebildet haben, in denen sich Männer gegenseitig in ihrem Hass und ihren Gewaltfantasien bestärken..

Bei jeder zweiten Frau, die Zuflucht im Frauenhaus in Bad Hersfeld sucht, sind die Mitarbeiterinnen in Sorge, dass der Partner kommt und ihr etwas antut. Oft genug sind Spionage-Apps ohne Wissen der Frau auf deren Handy installiert, die dem Partner anzeigen, wo sie sich aufhält. „Handy aus“ ist deshalb die erste Regel, wenn jemand dort aufgenommen wird, betont Doris Wagener, ebenfalls Mitarbeiterin im Frauenhaus.

„Es gibt keinen bestimmten Tätertyp“ macht Aschenbrenner deutlich. Täter kämen aus allen Ländern und allen Schichten. Freuen würden sich die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses allerdings, wenn sich mehr Männer für Frauenrechte einsetzen würden.

Von Christine Zacharias

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