125 Euro bleiben oft bei Kassen liegen

Nur wenige rufen das Geld zur Pflege-Entlastung ab

ARCHIV - 14.06.2011, Nordrhein-Westfalen, Köln: ILLUSTRATION - Eine Pflegerin hält die Hand einer Altenheim-Bewohnerin. Heimbewohner in Nordrhein-Westfalen müssen für die Pflege nach einer Studie deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Der Eigenanteil für die Pflegeleistungen erhöhte sich im bevölkerungsreichsten Bundesland von 691 Euro im vergangenen auf 755 Euro in diesem Jahr, wie eine Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab - ein Plus von 9,3 Prozent. Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Symbolbild Pflege

Pflegebedürftige Menschen haben einen Anspruch auf zusätzliche Entlastungsleistungen von monatlich bis zu 125 Euro durch die Pflegekasse. Das Geld wird häufig nicht abgerufen.

Doch, so hat die Techniker-Krankenkasse beobachtet, in Hessen wird das Angebot von nicht einmal der Hälfte der Pflegebedürftigen in Anspruch genommen.

Bei der Kasse wird vermutet, dass die vielfältigen Möglichkeiten, die Leistung zu nutzen, nicht bekannt sind. Sie reichen zum Beispiel von Unterstützung im Haushalt über Betreuung in Gruppen bis hin zu Begleitung zum Arzt oder zu Behörden. Unter bestimmten Bedingungen kann das Geld auch für ambulante Pflegeleistungen genutzt werden, ergänzt die Verbraucherzentrale.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es inzwischen fünf Unternehmen, die die Zulassung entsprechend der Hessischen Verordnung zur Entlastungspflege bekommen haben. Deren Mitarbeiter mussten eine 40-stündige Schulung absolvieren, die zunächst Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seniorenberatung Waldhessen organisiert hatten. 31 Teilnehmer haben dabei die Basisqualifikation erworben, erklärte der zuständige Mitarbeiter des Landkreises, Jürgen Giersberg. In der Schulung ging es zum Beispiel um Krankheits- und Behinderungsbilder, um die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen und Hilfestellungen in Notfall- oder Krisensituationen. Auch Kenntnisse in Hauswirtschaft und Hygiene wurden vermittelt.

Diese Schulung bleibt einmalig, jetzt verweist der Landkreis auf die Awo Nordhessen in Kassel als Anbieter solcher Fortbildungen. Im Landkreis sei kein weiterer Schulungsanbieter bekannt. Die ohnehin stark angefragte Seniorenberatung könne eine solche Leistung nicht noch einmal zusätzlich stemmen. Geschult werden alle, die keine anerkannte Fachkraft nach der Pflegeunterstützungsverordnung sind. Deshalb sind ambulante Pflegedienste von dem Verfahren ausgenommen. Sie können ihre Entlastungsdienste auch ohne Genehmigung durch den Kreis anbieten.

Die Techniker-Krankenkasse plädiert dafür, statt der monatlichen 125 Euro den Pflegebedürftigen ein Jahresbudget von 1500 Euro zur Verfügung zu stellen, um mehr Flexibilität bei den Leistungen zu erreichen.

Informationen gibt es auch im Internet unter dem Suchwort Pflegelotse oder Pflegenavigator.

Hintergrund

Fünf Unternehmen im Kreis anerkannt

Seit 2017 haben alle Pflegebedürftigen der Pflegegrade 1 bis 5 den Anspruch auf Entlastungsleistungen in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich aus der Pflegekasse. Voraussetzung ist eine Anerkennung des Anbieters der Leistung, die nach einer entsprechenden Qualifizierung erfolgt. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg gibt es fünf anerkannte Unternehmen: Taube Förderverein der Diakoniestation und Curandi mobiler Betreuungsdienst (beide Bad Hersfeld), Mobila Nentershausen, Behrend Gebäudeservice Rotenburg und APS Alheim.

Von Silke Schäfer-Marg

Betrug im großen Stil bei Kasseler Pflege-Diensten

Ermittlungen laufen auch bei großen Anbietern: Einige Pflege-Dienste in Kassel und Nordhessen rechnen Leistungen ab, die sie nicht erbracht haben. Deshalb wird auch gegen große Anbieter ermittelt.

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