Zum Beispiel in Sorga:

Weltgebetstag: Leib und Seele teilen

Mit viel Liebe zur Sache und zum Detail hatten die Mitglieder des Weltgebetstags-Teams den Gottesdienst in Sorga vorbereitet. Katrin Sippel, Christine Fischer-Schulz, Elke Eichenauer, Maria Wehler und Annette Eidam (von links) liehen slowenischen Frauen ihre Stimmen. Nicht im Bild: Martina Englich und Christiane Christian. Foto: UTE JANSSEN

Hersfeld-Rotenburg - Der Weltgebetstag wurde am Freitag in vielen Kirchengemeinden gefeiert. Wir haben als Beispiel den Gottesdienst in Sorga besucht.

„Kommt, alles ist bereit!“ - es ist immer noch Platz an der großen Festtafel im Reich Gottes. Auch für Nervensägen, Zimtzicken, Loser, Obdachlose, schreiende Kinder, für die Schrägen, die „Anderen“, für die, auf die niemand zählt und mit denen niemand rechnet.

So gastfreundlich lud das Vorbereitungsteam für den Weltgebetstag in der Sorgaer Kirche zum Gottesdienst und zum anschließenden, reichhaltig bestückten Buffett ein. Mit Brot und Kürbiskerne wurden die Gäste bereits beim Eintreten in die Kirche begrüßt.

Frauen aus Slowenien, einem der kleinsten und jüngsten EU-Mitgliedsländer, das erst 1991 unabhängig wurde und zuvor zum ehemaligen Jugoslawien gehörte, hatten die Liturgie erarbeitet, in der sich, wie in jedem Jahr, am Abend des ersten Freitags im März Menschen aus aller Welt im Gebet zusammenfanden.

Mit Videos und traditionellen Mitbringseln wie Honig, der die Grundlage für Lebkuchenherzen bildet, die in Slowenien gerne an den oder die Liebste verschenkt werden, einem Weißwein von der slowenischen Weinstraße, einer Bibel, die für die alten christlichen Wurzeln des Landes steht und roten Nelken, die als beliebtes Geschenk zum internationalen Frauentag für die sozialistische Vergangenheit des Landes stehen, stimmten die Mitglieder des Vorbereitungsteams die Gemeinde ein.

Beim Singen der Lieder, die die Frauen aus Slowenien für den Gottesdienst ausgesucht hatten, wurden das Team und die Gemeinde von Astrid Kimpel am Keyboard unterstützt.

Frage nach Inklusion

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Frage nach Inklusion und Teilhabe und damit auch das Nachdenken über Ausgrenzungserfahrungen.

Die Mitglieder des Vorbereitungsteams liehen Frauen aus Slowenien ihre Stimmen, die über sehr unterschiedliche Lebensentwürfe berichteten: Die Lebensbedingungen von Frauen, die zur Minderheit der Roma gehören wurden dabei ebenso thematisiert wie Erfahrungen aus der Zeit des Sozialismus und des Kalten Krieges, die Folgen der politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und das Fremd-Sein als Gastarbeiterin oder Flüchtling.

Erinnert wurde auch an die vielen Geflüchteten, die in den vergangenen Jahren über die „Balkan-Route“ den Weg nach Europa gesucht haben – unter ihnen erschreckend viele, die mitten in Europa im Grenzfluss Kolpa ertranken.

„Es ist noch Platz“, diese Aussage wurde dabei ausdrücklich als politische Stellungnahme auch in Bezug auf Deutschland formuliert. Vor dem in den Nationalfarben geschmückten Altar in Sorga, wie auch in zahlreichen anderen Kirchen in der Region, gab es genügend Zeit und Raum, Geschichten zu teilen und sowohl geistliche als auch leibliche Nahrung miteinander zu teilen.

Von Ute Janßen

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