Ein Viertel des Jahresumsatzes

Bücher-Boom zum Fest: Weihnachtsgeschäft spielt im Buchhandel große Rolle

Rotenburg, Buchgalerie Berge, Denise Berge
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Verkauft am liebsten Bücher, die sie selbst gut findet: Denise Berge von der Buchgalerie Berge in Rotenburg.

Das Weihnachtsgeschäft geht in die letzte heiße Phase. Gerade für den Buchhandel ist es elementar wichtig. 

„Wir machen in diesen Wochen 28 Prozent unseres Jahresumsatzes“, sagt Jürgen Bode, Inhaber der Hoehlschen Buchhandlung, die in Bad Hersfeld an zwei Standorten und in Bebra vertreten ist.

„Wirtschaftlich gesehen ist das für uns die wichtigste Zeit im Jahr“, sagt auch Denise Berge von der Buchgalerie in Rotenburg. Sie freut sich außerdem, wenn die Menschen zu den Weihnachtseinkäufen wieder in die Stadt kommen,

Das Weihnachtsgeschäft habe sich verändert, hat Jürgen Bode beobachtet. Es beginne seit einigen Jahren immer später, eigentlich erst in den letzten beiden Wochen vor dem Fest. Gleichzeitig seien die Kunden anspruchsvoller geworden und erwarteten, dass das gewünschte Buch auch tatsächlich vor Ort vorhanden sei. Dabei können Bücher problemlos von einem Tag auf den anderen bestellt werden, sagt Bode. Selbst am 23. Dezember gingen noch Bestellungen ein, die dann am Heiligen Abend abgeholt werden könnten.

Jürgen Bode, Buchhändler mit Geschäften in Bad Hersfeld und Bebra.

Verändert hat sich das Geschäft auch durch den Onlinehandel. „Wir sind seit über zehn Jahren mit der Online-Konkurrenz beschäftigt“, sagt Jürgen Bode. Die Hoehlsche Buchhandlung habe darauf mit einem eigenen Online-Shop reagiert. Eine Veränderung des Kaufverhaltens zu noch mehr Online-Geschäft kann er aber in den letzten Jahren nicht feststellen.

Das bestätigt auch Denise Berge: „Wir merken, dass ganz viele Menschen umgedacht haben und bewusst den Handel vor Ort unterstützen.“ Den Verlust durch den Online-Handel beziffert sie auf zehn bis 20 Prozent, obwohl auch die Buchgalerie einen eigenen Online-Shop hat, der sehr gut angenommen werde, wie die Buchhändlerin berichtet.

Nicht genau zu definieren ist die Konkurrenz durch E-Books, also Bücher, die online gekauft oder ausgeliehen und auf Lesegeräten oder Tablets gelesen werden. Laut der Fachpresse stagniere das E-Book-Geschäft jedoch, sagt Jürgen Bode. Stattdessen kämen Kunden, die wieder gedruckte Bücher lesen wollten. 

Trends: Sachbücher sind im Aufwind

Bücher sind ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Im Buchhandel ist das Weihnachtsgeschäft deshalb wirtschaftlich besonders bedeutend. Die Buchhändler Denise Berge von der Buchgalerie in Rotenburg und Jürgen Bode von der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld und Bebra berichten von den aktuellen Trends. 

Besonders gefragt sind in diesem Jahr neben Unterhaltungsliteratur Sachbücher. Vor allem die Themen Umwelt und Klima würden gezielt nachgefragt, berichtet Jürgen Bode. Dabei sei der Trend zu Sachbüchern in den vergangenen Jahren eher rückläufig gewesen. Viele Kunden fragten gezielt nach bestimmten Büchern, hat er festgestellt. Gefragt seien in diesem Jahr vor allem die Veröffentlichungen des aus dem Fernsehen bekannten Wissenschaftlers und Moderators Harald Lesch. 

In der Buchgalerie Berge in Rotenburg hat Denise Berge ebenfalls ein neues Interesse an Sachbüchern festgestellt. Hier wird vor allem „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari nachgefragt. Bei der Belletristik ist die Bandbreite groß. Krimis sind nach wie vor sehr gefragt, aber auch Heiteres und Anspruchsvolles, unter anderem das mit dem deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnete „Herkunft“ von Sasa Stanisic wird häufig gekauft, berichten Denise Berge und Jürgen Bode. Das habe weniger mit der Auszeichnung zu tun, sondern vielmehr mit der Qualität, sind die Buchhändler überzeugt. „Wir verkaufen nur das, was wir selber gut finden“, betont Berge. Empfehlungen der Buchverkäuferinnen und -verkäufer schätzen auch die Kunden der Hoehlschen Buchhandlung. Dort gibt es seit einiger Zeit Buchtipps der Mitarbeiter, die kurz beschreiben, warum ihnen welches Buch besonders gut gefallen hat. 

Im Aufwind sind übrigens im ganzen Kreisgebiet Bücher für Kinder, sowohl für die Kleinen als auch für etwas ältere Kinder. Jugendliche ab 14 Jahren lesen allerdings relativ wenig, hat Jürgen Bode festgestellt. Die Ursache sieht er in der ausgeprägten Handy-Nutzung dieser Altersgruppe. Gerade für Kinder sind auch Spielsachen, Accessoires und Fan-Artikel der Verlage zu ihren Helden sehr gefragt. Aber auch bei Erwachsenen spielt der Non-Book-Bereich eine große Rolle, also ausgefallene Dekoartikel, die in der Buchhandlung angeboten werden. In Bebra kann man in der Buchhandlung sogar Kräuter aus heimischem Anbau erwerben, erzählt Bode. 

Wichtig im Weihnachtsgeschäft sind überdies in allen Buchhandlungen Kalender, die es in allen Größen und Preisklassen zu vielfältigen Themenbereichen gibt. 

Sorgen um die Zukunft des Buchhandels machen sich übrigens weder Jürgen Bode noch Denise Berge: „Gedruckte Bücher wird es immer geben“, sind sie überzeugt. 

Und was lesen die Bücherprofis am liebsten? Denise Berge liest gerne Fantasy-Romane, im Moment gerade den aktuellen Band aus der Reihe „Die Spiegelreisende“ von Christelle Dabos. Außerdem empfiehlt sie „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Jürgen Bodes aktuelles Lieblingsbuch ist der Krimi „Messer“ von Jo Nesbo. Empfehlen kann er auch „Der von den Löwen träumte“ von Hanns-Josef Ortheil, der von einem Aufenthalt Ernest Hemingways in Venedig handelt. (zac)

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