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„Weiberfastnacht in Sorga ist für alle da“

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Von: Marius Gogolla

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Bei der Weiberfastnacht in Sorga – unser Bild entstand 2020 – schlagen die Stimmungswellen hoch. Da tanzen echte und falsche Weiber schon vor dem offiziellen Beginn auf den Bänken.
Bei der Weiberfastnacht in Sorga – unser Bild entstand 2020 – schlagen die Stimmungswellen hoch. Da tanzen echte und falsche Weiber schon vor dem offiziellen Beginn auf den Bänken. Archi © Christine Zacharias

Im Interview erzählt Elke Hildebrand, die Präsidentin der Weiberfastnacht Sorga, warum Karneval so viel Spaß macht und wieviel Arbeit in der Organisation steckt.

Sorga – Der zweite Monat des Jahres ist Karnevalszeit – auch in unserem Kreis. Im Februar finden zahlreiche Veranstaltungen rund um die närrische Zeit statt, es werden Büttenreden gehalten und bunte Kostüme angezogen. Elke Hildebrand organisiert bereits seit vielen Jahren die Weiberfastnacht in Sorga. Marius Gogolla sprach mit der Präsidentin der Weiberfastnacht über Männer in Frauenkleidern und den Gemeinschaftsgeist des Karnevals.

Sie sind die Präsidentin der Weiberfastnacht in Sorga. Was bedeutet das?

Das bedeutet eine ganze Menge Arbeit. Als Präsidentin organisieren mein Team und ich die Vorbereitungen zur Weiberfastnacht, laden die Gruppen ein und teilen das Programm ein. Wir schauen, wer wann tanzen oder auftreten kann, da einige Gruppen Auftritte vor oder nach unserer Veranstaltung haben. Den Herren-Hofrat unterstützen wir bei der Dekoration, bei allen Vorbereitungen zählt Teamgeist. Das Bühnenbild wurde in mehreren Wochen gemalt, Scheinwerfer und Hallendekoration mit Beleuchtung wurden von unserem Herren-Hofrat installiert. Es ist immer viel zu tun, ohne ein starkes Team im Rücken wäre es nicht möglich, das alles zu organisieren.

Kann man Sie auch auf der Bühne sehen oder organisieren Sie nur?

Ich bin aktives Mitglied bei unserer Tanzgruppe, den „Särcher Hummeln“. Das mache ich jetzt seit 31 Jahren, und es macht mir nach wie vor großen Spaß, auf der Bühne zu stehen. Vor etwa 20 Jahre habe ich auch mal einen Sketch auf der Bühne präsentiert.

Haben Sie denn Lampenfieber vor dem Auftritt?

Naja, ein bisschen Anspannung gehört dazu. Manchmal fällt es mir schwer, vor der Weiberfastnacht etwas zu essen. Die eigene Vorbereitung kann man beeinflussen, jedoch muss man während des Programms möglicherweise auch kurzfristig umdisponieren. Da soll natürlich nichts schief gehen. Mittlerweile ist unser Team aber so gut eingespielt, dass wir routiniert arbeiten können und wissen, wie wir auf kleinere Schwierigkeiten reagieren müssen.

Dürfen zur Weiberfastnacht nur Frauen kommen?

Nein, auch Männer können zur Weiberfastnacht kommen. Allerdings müssen sie vollständig in Damenkleidung erscheinen, da reicht eine übergeworfene Kittelschürze nicht aus.

Das klingt nicht wirklich genderkonform...

Es soll ja der Spaß im Vordergrund stehen, und die Männer, die vorbeikommen, machen das ja gerne mit. Die haben Spaß am Verkleiden. Außerdem ist unsere Weiberfastnacht für alle da. Mich haben kürzlich ein paar Leute darauf angesprochen, dass der Begriff der Weiberfastnacht nicht mehr zeitgemäß sei. Das sehe ich anders, es ist eher ein eingetragener Begriff mit kultureller Bedeutung. Aber es kommen schon mehr Frauen als Männer.

Feiern Frauen alleine anders als mit Männern?

Es kann ein Vorteil sein, wenn sich eine „Mädelsrunde“ trifft, da wird schon anders gefeiert als auf Parties, bei denen der Partner mit dabei ist. Es ist eine andere Atmosphäre. Aber wie gesagt, Männer sind ebenfalls herzlich zu unserer Weiberfastnacht eingeladen und kommen auch gerne, denn der Spaß steht hier natürlich im Vordergrund.

Und die Acts auf der Bühne, sind da Männer dabei?

Ja, wir haben mehrere männliche Tanzgruppen, unter anderem die Tripple X aus Sorga oder die Wendehälse aus Oberhaun. Es wird ein bunt gemischtes Programm mit vielen Höhepunkten, das eine klasse Stimmung für die Weiberfastnacht verspricht. Unser Herrenhofrat bedient uns Mädels – seit der ersten Weiberfastnacht – in Frauenkleidung.

Wann beginnen Sie denn mit den Vorbereitungen?

Wir treffen uns schon nach Lolls mit der Abteilung zu den ersten Gesprächen für die Vorplanung und die Tanzgruppen beginnen mit dem Einstudieren. Das Motto wird festgelegt und Ideen für die Hallendeko werden gesammelt. Nach dem 11.11. und der Kampagneneröffnung beginnt der Hofrat mit den Vorbereitungen. Da kann es auch schon mal später werden. Und da ich ja am nächsten Tag oft arbeiten muss, darf es auch nicht zu spät werden. Aber die Zeit verfliegt oftmals.

Nehmen Sie sich für die Zeit während des Karnevals Urlaub?

Ja, das mache ich, von dem Donnerstag, an dem die Weiberfastnacht ist, bis einschließlich Rosenmontag. Klar, die Feiern gehen bis spät in die Nacht, allein deswegen ist der Urlaub schon sinnvoll. Aber nach den Feiern muss zum Beispiel die Deko abgebaut und die Halle geputzt werden. Wir treffen uns also jeweils am Folgetag um 10 Uhr, auch am Freitag, denn abends ist die Generalprobe für den Kinderfasching und abends für die Karnevalssitzung. Am Rosenmontag ist dann Rückbau, Reinigen und Übergabe der Halle.

Würden Sie sagen, dass Karnevalisten auch in ihrer Freizeit lustige Menschen sind?

Das kann man so pauschal nicht sagen, es hat ja jeder auch seinen Alltag zu leben. Viel wichtiger finde ich den Gemeinschaftsgeist, der in unserer Abteilung herrscht. Als wir letztes Jahr angekündigt haben, dass wir wieder Karneval feiern wollen, kamen sofort viele positive Rückmeldungen, auch von den befreundeten Gruppen. Die Leute haben Lust auf Karneval. Prima ist auch, dass sich Jüngere engagieren und Aufgaben übernehmen.

Und was würden Sie Karnevals-Muffeln sagen, um sie nach Sorga zu locken?

Ein Bekannter von mir hat mal gesagt: „Ab 3.8 im Schacht kann ich auch lustig sein“... Nein, im Ernst, man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen und offen für neue Dinge sein. Das macht das Leben auf jeden Fall leichter und kann neue Perspektiven öffnen. (Marius Gogolla)

Karneval in Sorga

Weiberfastnacht: Donnerstag, 16. Februar. Beginn des Programms: 20.11 Uhr. Einlass: ab 18.30 Uhr. Karten: nur an der Abendkasse für 7 Euro. Männer erhalten nur Eintritt, wenn sie als Frauen verkleidet sind.

Karnevalssitzung des TSV Sorga: Samstag, 18. Februar . Beginn des Programms: 20.11 Uhr. Einlass: ab 18.30 Uhr. Karten: im VVK beim Friseursalon Eckstein und der Landbäckerei Brack (Sorga), in der Gaststätte „Klosterbrunnen“ am Petersberg sowie beim Friseur Head Lounge in Bad Hersfeld und an der Abendkasse für 10 Euro.

Kinderfasching: Sonntag, 19. Februar. Beginn des Programms: 15.11 Uhr. Einlass: ab 14 Uhr. Karten: an der Tageskasse für 6 Euro. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. (mag)

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