Zwischen den Zeilen

Wedels Selbstironie

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Karl Schönholtz

Bad Hersfeld. Zwischen den Zeilen muss man lesen, wenn man die jüngste Stellenanzeige der Stadt Bad Hersfeld verstehen möchte: Gesucht wird ein Geschäftsführer für die Wirtschaftsbetriebe und die gemeinnützige GmbH der Wissens- und Erlebniswelt „wortreich“.

Als Aufgabenschwerpunkt wird zudem die Wirtschaftsförderung genannt.

Wer jetzt naheliegend vermutet, dass der gerade erst installierte „wortreich“-Chef Frank Effenberger lediglich als „Interimstrainer“ dienen sollte, liegt verkehrt. Der oder die Neue soll künftig den organischen Part in der Geschäftführung übernehmen, den bisher der Bürgermeister innehatte. Effenberger ist und bleibt der Mann für das operative Geschäft.

Die Sache mit der Wirtschaftsförderung hat im Gegensatz dazu den mutmaßlichen Beigeschmack: In Bad Hersfeld ist man mit der entsprechenden Abteilung des Landkreises – gelinde gesagt – unzufrieden. Also wird man selbst initiativ. Und wenig überraschend steht an erster Stelle der Aufgabenliste der Aufbau eines Gründerzentrums, sprich: eines Smart City Centers.

Solch einen Dramatiker hätte man sich auch für das Luther-Stück gewünscht, flachste Festspiel-Intendant Dieter Wedel mit Blick auf Arthur Millers „Hexenjagd“, die in aktualisierter Version wieder aufgenommen wird. Der vor Pressevertretern launig vorgetragenen Selbstironie – schließlich hat Wedel den Luther-Text ja selbst verfasst – packte der Intendant dann noch eins drauf: Miller hätte für sein Drama aber mehr als drei Monate Zeit gehabt und sich den Text am Ende auch noch einmal durchlesen dürfen...

Misslungen ist das Projekt, die vielen und widersprüchlichen Facetten des Reformators in einem Theaterstück zu zeigen, jedoch keineswegs: die Rezensionen für „Martin Luther – Der Anschlag“ haben nicht nur den Versuch, sondern auch das Ergebnis überwiegend positiv gewürdigt.

Wedels Text liegt jetzt als gedrucktes Buch vor. Beim Sommerfest der Festspiele am morgigen Sonntag kann man sich das Werk vom Autor und allen drei Luther-Darstellern signieren lassen. Beginn des zwanglosen Get together im Grünen Foyer der Festspiele ist um 11 Uhr, die Buchvorstellung steht für 12 Uhr auf dem Programm.

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