Die angeblichen Übergriffe des Hersfelder Festspielintendanten sind weiter Thema

Wedel-Affäre: Medienschelte von Juristen

Dieter Wedel: Der Ruf ist ruiniert. Foto: nh

Bad Hersfeld. Die Affäre um die angeblichen sexuellen Übergriffe des Bad Hersfelder Festspiel-Intendanten und TV-Regisseurs Dieter Wedel sind auch eine Woche nach der Veröffentlichung im „Zeit-Magazin“ Thema in den Medien.

Mittlerweile haben sich auch namhafte Juristen zu Wort gemeldet, die die Ächtung Wedels durch den „Medien-Pranger“ kritisch sehen. Auch dem Presserat liegt bereits eine Beschwerde gegen den Beitrag von „Zeit Online“ vor.

Wie berichtet hatten ehemalige Schauspielerinnen Wedel vorgeworfen, sie vor mehr als 20 Jahren bei Casting-Treffen in Hotelzimmern vergewaltigt beziehungsweise sexuell attackiert zu haben. Der 75-Jährige hatte die Vorwürfe per eidesstattlicher Versicherung dementiert.

Scharfe Kritik

„Rechtsstaat adé!“ schließt der Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate, der einst Monika Weimar verteidigte, seine Ausführungen, in denen er das Vorgehen der Medien scharf kritisiert: „Wenn die unendlichen Möglichkeiten modernster Technik mit den Gepflogenheiten des Mittelalters eine Verbindung eingehen, dann droht höchste Gefahr für die Errungenschaften der Zivilisation“, schreibt Strate in der Zeitschrift „Cicero“. Trotz eines juristisch völlig ungeprüften Wahrheitsgehaltes werde Wedel den Hyänen zum Fraß vorgeworfen. Es werde ein Verdacht in die Welt gesetzt, argumentiert Strate weiter, der immer ein Verdacht bleiben werde. „Er wird sich nie entkräften, er wird sich aber auch nie bestätigen lassen. Der Effekt ist allein: Es wird schon etwas hängen bleiben.“

Für ein „Minimum an Fairness“, plädiert der Oldenburger Jurist und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Volker Boehme-Neßler. Er schreibt in einem Beitrag für das Online-Portal „Telepolis“, dass der Ruf von Dieter Wedel ruiniert sei, völlig unabhängig davon, ob die Vorwürfe berechtigt oder bloße Behauptungen seien. „Eine vernünftige Zurückhaltung, die abwägt,“ schütze die öffentliche Diskussion und uns selbst, meint der Jurist, denn „potenziell können alle Menschen Gegenstand von öffentlichen Anschuldigungen werden“.

Leidtragende sind die Opfer

Im „Legal Tribune Online“ kommentiert die Sexualstrafrechts-Expertin Prof. Dr. Monika Frommel: „Rüpelhaftigkeit wird mit Kriminalität gleichgesetzt, die Unschuldsvermutung in ihr Gegenteil verkehrt.“ Die Leidtragenden seien echte, schwer geschädigte Opfer, schreibt Frommel und bedauert, dass niemand mehr trenne zwischen Macho-Gehabe und eindeutig krimineller, brachialer und sexualisierter Gewalt.

In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 9. Januar, meldet sich die österreichische Schauspielerin Brigitte Karner, Ehefrau von Peter Simonischek („Toni Erdmann“) mit Vorwürfen gegen Dieter Wedel zu Wort. Demnach wurde sie bei den Dreharbeiten zu „Der große Bellheim“ von Wedel systematisch „fertiggemacht und vorgeführt“ – ihren Angaben zufolge, weil so „von Anfang an nicht auf seine Avancen eingestiegen“ ist. Karner: „Ich wollte mich von Herrn Wedel nicht antatschen lassen.“ (ks)

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