Hoffnung auf eine bessere Welt

Ein anderer Sommer: Gelungener Abschluss in der Ruine

Joern Hinkel und Dominic Mäcke (Mitte) stehen mit den Hauptdarstellern der Abschlussveranstaltung, von links Mathias Trippner, Josefine Reh, Günther Alt (oben), Brigitte Grothum und Elisabeth Lanz, auf der Bühne.
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Abschluss eines anderen Sommers: Joern Hinkel und Dominic Mäcke (Mitte) mit den Hauptdarstellern der Abschlussveranstaltung, von links Mathias Trippner, Josefine Reh, Günther Alt (oben), Brigitte Grothum und Elisabeth Lanz.

„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ ... singen die jungen Darsteller der Sommernachtsträumer den alten Schlager der Comedian Harmonists und verbinden damit den Titel der Abschlussveranstaltung des „anderen Sommers“ mit ihrem jugendlichen Optimismus. Sie wünschen sich von ihrer Zukunft Toleranz, Frieden, Zusammenhalt, saubere Meere, ein Ende der Diskriminierung und Chancengleichheit.

Doch die Realität sieht leider anders aus. Auch an diesem Abend in der Stiftsruine: Ein verdorrter Baum reckt seine knorrigen Äste geradezu flehentlich in den Abendhimmel. Kunstnebel wabert bedrohlich über die Bühne. Apokalyptische Klänge (Musik: Matthias Trippner) unterlegen eine Art Dialog der Generationen zwischen der „Grande Dame“ des Deutschen Theaters, Brigitte Grothum, Schauspielstar Elisabeth Lanz, fest verwurzelt im hier und jetzt, und der noch ganz jungen Josefine Reh. Die drei sitzen auf der kargen Bühne, die diesmal unverstellt den Blick auf die Ruinen-Kulisse freigibt.

Die drei Frauen tragen die unterschiedlichsten Texte über die Zukunft vor: Düster beginnt es mit Passagen aus der Offenbarung des Johannes. Die Zuschauer reisen aber auch mit Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxie“, sie hören Texte und Zitate aus Samuel Becketts „Endspiel“, Texte von Zukunftsforschern, Wissenschaftlern und eine gesprochene Interpretation von Doris Days „Que sera, sera“ – Was sein wird, wird sein: Auch das eine Sichtweise auf unsere Zukunft. Umrahmt wird das Gelesene von dem ausdrucksstarken Tanz von Henrike Saure, die dabei dem gequälten Planeten gleichsam ihren Körper leiht.

„Sag mir, wo die Blumen sind“

Kollektive Gänsehaut empfinden die Zuschauer als Mira Reinig anrührend und mit glockenklarer Stimme auf der Empore hoch über der Bühne den alten Pete Seeger Song „Sag mir, wo die Blumen sind“ anstimmt. Später nimmt Günther Alt diesen Ton auf und singt „Imagine“ von John Lennon.

Hoffnung und Resignation wechseln sich ab an diesem letzten Abend des „Anderen Sommers“ in der Stiftsruine, der von Intendant Joern Hinkel und „Nachteule“ Dominic Mäcke gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen der Sommernachtsträumer erarbeitet wurde.

„Wir sind alle Menschen und haben das gleiche Skelett, unter der Haut sehen wir alle gleich aus“, sagt Josefine Reh zum Ende des Abens geradezu beschwörend – vielleicht auch mit Blick auf die neu aufkeimenden Rassenkonflikte, nicht nur in den USA. Während die älteren Darsteller schwarz gekleidet sind, tragen die jungen Leute ein hoffnungsvolles Weiß. Sie machen deutlich, dass sie sich den Glauben an eine bessere Welt und ihre Zukunft nicht nehmen lassen.

Viel zu schnell endet nach nur einer guten Stunde die Abschlussveranstaltung. Belohnt werden die Darsteller mit lang anhaltendem Applaus und verdienten stehenden Ovationen.

Von Kai A. Struthoff

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