1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld: Fragen an die Kandidaten zur jungen Generation

Erstellt:

Von: Laura Hellwig

Kommentare

Während des zehntägigen Hessentags in Bad Hersfeld wurden viele Veranstaltungen geboten, die vor allem auch junge Menschen angesprochen haben, etwa „Just White“. archiv
Während des zehntägigen Hessentags in Bad Hersfeld wurden viele Veranstaltungen geboten, die vor allem auch junge Menschen angesprochen haben, etwa „Just White“. archiv © Pelle Faust

Unsere Zeitung hat den drei Bürgermeisterkandidaten die drei gleichen Fragen zu zu Nachwuchsförderung und Lebensqualität gestellt.

Bad Hersfeld – Statistisch gesehen steht die Kur- und Festspielstadt im kreisweiten Vergleich der Kommunen gut da: Entgegen dem Trend gibt es hier einen Zuwachs an Einwohnern. Auch im Altersdurchschnitt schneidet die Stadt gut ab. Mit 45 Jahren belegt Bad Hersfeld Platz Zwei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Doch wie steht es um die gefühlte Lebensqualität, insbesondere für junge Menschen?

Die niedrige Arbeitslosenquote, Ausbildungsberufe in jeglichen Branchen, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und mehr – dies sind Argumente, mit denen die Stadt Bad Hersfeld bereits seit Längerem wirbt. Aber es gehört mehr dazu, um in einer Stadt Fuß zu fassen und gerne dort zu leben. Vor allem für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien. Dazu gehören Gemeinschaft, Orte der Begegnung, Vereine und Nachtleben.

Läuft man im Sommer über den Linggplatz, kann man zwar eindeutig festalten, dass die Gastronomie in der Stadt gut läuft, wer aber zu späterer Stunde und am besten noch mit guter Musik ein kühles Getränk genießen möchte, hat nicht besonders gute Chancen geschweige denn eine große Auswahl. Zumal nun eine Kult-Kneipe weniger geöffnet hat. Eine Disco gibt es in der Stadt schon lange nicht mehr, die traditionelle Zelt-Kirmes hat auch immer mehr zu kämpfen und ist überdies nicht für jeden etwas. Corona tut hier noch sein Übriges.

Dass das Vereinsleben immer mehr stirbt, attestieren zahlreiche Sport- und Kulturbegeisterte. Es fehle an ehrenamtlichem Engagement, Zuverlässigkeit, Pflichtbewusstsein und Zusammenhalt, bedauern einige. Aber auch die finanziellen Möglichkeiten, die nochmals durch die Pandemie eingeschränkt wurden, lassen den Vereinen sowie anderen gemeinnützigen Institutionen weniger Handlungsspielraum.

Der Hochschulstandort Bad Hersfeld ist mit der Außenstelle der THM zuletzt stetig gewachsen. Kann dieser Aufschwung genutzt werden, um die Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung auch für andere Berufssparten zu erweitern? Denn diejenigen Schulabgänger, die zum Studieren ihre Heimatstadt verlassen (müssen), kommen nicht immer zurück.

HZ-These: Damit Bad Hersfeld auch für junge Menschen ein attraktiver Ort ist, muss die Stadt mehr belebt werden, mehr Chancen für die Zukunft bieten.   lah

Karsten Backkhaus, CDU
Karsten Backkhaus, CDU © CDU

Karsten Backhaus, CDU

Was wollen Sie für Bad Hersfeld und das Stadtleben tun, damit junge Menschen gerne hier leben?

Als Vater und als Schulleiter kenne ich die Problematik ziemlich gut. Jugendliche fahren nach Kassel, Fulda oder nach Ausbach (!) ins Red Apple, um sich zu amüsieren. Bad Hersfeld hat hier deutlichen Nachholbedarf! Wir müssen jünger werden! Ich will in Bad Hersfeld mehr Events haben, so wie das Swing & Wine. Wir brauchen Konzerte in der Schilde-Halle oder, ähnlich wie beim Hessentag, auf einem Außengelände beispielsweise auf einer Art Seebühne am Fuldasee. Wir brauchen hier mal wenigstens einen vernünftigen Club und verschiedene Indoorangebote wie eine Trampolinhalle, eine Lasertaghalle oder eine Kletterhalle. Außerdem wünschen sich junge Leute einen Bike-Park und einen Skatepark.

Vereine und gemeinnützige Organisationen sind auf junge Ehrenamtliche angewiesen. Wie kann gemeinnütziges Engagement für die junge Generation attraktiver gemacht werden?

Man muss Ehrenamtliche für ihr Engagement belohnen, ja. In Hersfeld haben wir ja zum Beispiel freien Eintritt in die Schwimmbäder für Feuerwehr und Hilfsorganisationen oder die Ehrenamtscard des Landkreises. Aber solche Anreize können niemals die intrinsische Motivation ersetzen, die es für ein Ehrenamt braucht. Man muss Freude an der Tätigkeit haben und sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen. Es braucht daher mehr Möglichkeiten, die Vereine und die ehrenamtlichen Tätigkeiten kennenzulernen, damit Menschen „ihr“ Ehrenamt finden können. Schulen können dabei eine gute Rolle spielen (z.B. Feuerwehr-AG an der GSO). Die Einstiegshürden könnten mit Werbeveranstaltungen der Stadt gesenkt werden.

Welche Perspektive kann Bad Hersfeld jungen Menschen nach dem Schulabschluss bieten?

Bad Hersfeld hat eine Vielzahl von Perspektiven. Wir haben die THM Mittelhessen und die DGUV Hochschule, eine große Anzahl von Betrieben bietet duale Studiengänge an. Es gibt im Landkreis aktuell 298 unbesetzte Ausbildungsstellen. Im Oktober wird es wieder eine große Ausbildungsmesse auf dem Obersberg geben. Die Startchancen sind hier insgesamt hervorragend – sie müssen nur genutzt werden. Um junge Fachkräfte langfristig an die Region zu binden, ist es deshalb sehr wichtig, auch Perspektiven über die Ausbildung hinaus in regionalen Unternehmen zu bieten. Gerade auf diesem Gebiet kann ich meine Kontakte aus dem Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung zum Wohle unserer Stadt nutzen. 

Anke Hofmann, unabhängig
Anke Hofmann, unabhängig © Team Anke Hofmann

Anke Hofmann, unabhängig

Was wollen Sie für Bad Hersfeld und das Stadtleben tun, damit junge Menschen gerne hier leben?

Der Hessentag hat gezeigt, wie Plätze mit Leben gefüllt werden: Schilde-Park (HR-Treff), Jahnpark (Arena), Kurpark (Sport). Die Schilde-Halle ist prädestiniert, um ein Angebot für junge Leute zu schaffen. Auch das Schwimmbad kann Ort einer Aktion sein! Diese Angebote (Konzerte, Open-Air-Kino, Sportevents) gilt es, ins Ganzjahresprogramm der Stadt aufzunehmen! Treffpunkte für die Jugend müssen in der Kernstadt sowie den Stadtteilen zu finden sein (Repaircafe, Leihladen). Einen Schwerpunkt bilden Vereine, die es weiter zu fördern gilt. Hier ist eine Kooperation mit Schulen wünschenswert. Auch bezüglich eines möglichen Schülerforschungszentrums (wie bereits in Kassel und Fulda) habe ich Kontakt aufgenommen.Der Hessentag hat gezeigt, wie Plätze mit Leben gefüllt werden: Schilde-Park (HR-Treff), Jahnpark (Arena), Kurpark (Sport). Die Schilde-Halle ist prädestiniert, um ein Angebot für junge Leute zu schaffen. Auch das Schwimmbad kann Ort einer Aktion sein! Diese Angebote (Konzerte, Open-Air-Kino, Sportevents) gilt es, ins Ganzjahresprogramm der Stadt aufzunehmen! Treffpunkte für die Jugend müssen in der Kernstadt sowie den Stadtteilen zu finden sein (Repaircafe, Leihladen). Einen Schwerpunkt bilden Vereine, die es weiter zu fördern gilt. Hier ist eine Kooperation mit Schulen wünschenswert. Auch bezüglich eines möglichen Schülerforschungszentrums (wie bereits in Kassel und Fulda) habe ich Kontakt aufgenommen.

Vereine und gemeinnützige Organisationen sind auf junge Ehrenamtliche angewiesen. Wie kann gemeinnütziges Engagement für die junge Generation attraktiver gemacht werden?

Was viele Menschen abschreckt, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist sicherlich zunächst der zeitliche Aufwand, den ein Ehrenamt oft erfordert. Aber auch hier zeigt der Hessentag mit dem Helfermanagement, dass junge Leute sich durchaus (projektbezogen) engagieren möchten! Dies ist ebenfalls beim Lollslauf zu beobachten. Ein „Pool“ an jungen Menschen steht auch mit den Burschenschaften bereit. Indem wir als Stadt junge Menschen und Vereine federführend und durch „Manpower“ für ein Projekt zusammenbringen, werden wir es schaffen, gemeinsam dieses WIR-Gefühl am Leben zu erhalten! Im Gegenzug kann Vereinen so die Möglichkeit geboten werden, unkompliziert „Ehrenamtler“ für Angebote zu finden!

Welche Perspektive kann Bad Hersfeld jungen Menschen nach dem Schulabschluss bieten?

Mit der DGUV, THM und der Technikerschule gibt es in Bad Hersfeld Ausbildungsangebote, die es weiter auszubauen gilt. Der Campus muss mit Unterstützung der Stadt mit Leben gefüllt werden. Um junge Menschen für einen bestimmten Ausbildungsberuf zu begeistern, ist eine enge Verzahnung von Wirtschaft/Betrieben und Schulen unabdingbar. Die Kommune hat dabei den Part des Vermittlers. Gute Rahmenbedingungen ziehen Start-Ups an, dazu gehört, entsprechende Flächen bereitzuhalten. Als Anreiz (Bestandspflege und Ansiedelung von Firmen) werde ich Fördermöglichkeiten festlegen. Ziel ist, dass für junge Menschen adäquater Wohnraum und für junge Familien Betreuungsplätze für ihre Kinder zur Verfügung stehen. 

Karsten Vollmar, SPD
Karsten Vollmar, SPD © SPD

Karsten Vollmar, SPD

Was wollen Sie für Bad Hersfeld und das Stadtleben tun, damit junge Menschen gerne hier leben?

Bad Hersfeld muss Orte der Begegnung anbieten, vor allem für Jugendliche. Ich will daher unsere „besonderen Orte“, z. B. den Bereich um den Fuldasee, die Schilde-Halle oder auch den Marktplatz für Events, die speziell Jugendliche ansprechen, freigeben. Co-Working-Flächen werden junge Menschen hier Möglichkeiten bieten, d. h. gemeinsames Arbeiten in zur Verfügung gestellten modernen Büros. In den Stadtteilen müssen wir den „Jugendraum“ wiederbeleben – ob in Bauwagen oder Räumen der DGH’s. Die Anbindung des ÖPNV abends muss für die Stadtteile besser werden, das bringt Jugendliche mehr in die Stadt. Mein Ziel der niedrigen Kitagebühren heißt auch Zuzug junger Familien. Das soll so bleiben!

Vereine und gemeinnützige Organisationen sind auf junge Ehrenamtliche angewiesen. Wie kann gemeinnütziges Engagement für die junge Generation attraktiver gemacht werden?

Junge Menschen wollen vor allem konkrete Projekte, punktgenaue Einsätze und schnelle Ergebnisse. Und jeder will die Verwaltung als modernen Dienstleister – beides werde ich verbinden, indem ich eine Ehrenamtsagentur in der Verwaltung ansiedele bzw. von dort betreuen lasse, in welcher Jugendliche (und ältere Einwohner genauso) solche Einsatzmöglichkeiten finden. Zudem: Ich stehe für hohe Vereinszuschüsse oder die kostenfreie Nutzung von Schwimmbädern für Mitglieder von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Das muss der Weg sein: Menschen zusammenbringen, Projektstrukturen aufbauen und unterstützen, materielle Unterstützung bieten und damit ehrenamtliches Engagement honorieren.

Welche Perspektive kann Bad Hersfeld jungen Menschen nach dem Schulabschluss bieten?

Unsere Stadt bietet zukünftig mit dem ICE-Halt beste Verkehrsanbindungen und ein tolles Umfeld. Mit der Technischen Hochschule haben wir ein Pfund. Das duale Studium will ich ausbauen, wir müssen vor allem in Richtung Gesundheits- und Pflegebranche aber auch IT denken, da liegen ausgezeichnete Perspektiven! Unser Ausbildungsmarkt sucht händeringend Nachwuchs, die Jobs sind da. Hier muss eine Plattform geschaffen werden, damit Schülern Ausbildung wieder schmackhaft gemacht wird. Wir sollten Jugendliche für den Jahnpark, für unsere Bäder, für unsere Vereine und Orte begeistern. Dort entsteht das Gemeinschaftsgefühl, was viele vermissen! Vor allem: Wir sollten ihnen mehr zuhören!

Die Antworten der Kandidaten auf unsere Fragen zu den Bad Hersfelder Festspielen lesen SIe hier.

Auch interessant

Kommentare