1. Hersfelder Zeitung
  2. Bad Hersfeld

Waldkindergarten „Waldfüchse“ in Sorga eröffnet

Erstellt:

Von: Laura Hellwig

Kommentare

Auch bei Regen unterwegs: die „Waldfüchse bei einem Ausflug zum Kinderweg Solztal.
Auch bei Regen unterwegs: die „Waldfüchse bei einem Ausflug zum Kinderweg Solztal. © Falk Seidel

Der erste Waldkindergarten im Kreis Hersfeld-Rotenburg hat jetzt in Sorga eröffnet. Bis zu 22 Kinder lernen dort das Leben in der Natur kennen.

Der Sorga – Verlässt man auf der Straße Sölzerhöfe das Dorf Sorga, ahnt man kaum, das dort vor rund zwei Wochen ein Kindergarten eröffnet hat. Wiesen, Felder und Wälder schließen direkt an das Wohngebiet an. Genau dort, auf einer Wiese, hinter einer kleinen Kuppe und direkt neben dem Solztal-Kinderweg, ist das Hauptquartier der aktuell 14 Kinder und ihren zwei Erziehern: der „Fuchsbau“ – der erste Waldkindergarten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Ab halb acht werden die Kinder nach und nach von ihren Eltern gebracht. Aktuell werden sie von Kindergartenleiter Falk Seidel und Erzieherin Florence Sauer in einem großen Zelt willkommen geheißen. Dieses soll aber bald von einem Bauwagen abgelöst werden, der sich noch im Umbau befindet. „Die Kinder kommen mit Elan und Freude hier an“, erzählt Seidel. Schon bald fangen sie an, zu spielen und zu entdecken, „es entwickelt sich schnell eine Eigendynamik“, ergänzt Sauer.

Als nächstes wird der Bollerwagen gepackt. Da dürfen zum einen die „Entdeckerwerkzeuge“ nicht fehlen, vor allem nicht die Insektenschere. Der Greifer, der zum Beobachten und Fangen von kleinen Tierchen benutzt wird, ist bei den Kindern besonders beliebt, erzählen die beiden Erzieher. Zum anderen werden aber auch Wasser und andere notwendige Dinge für einen Vormittag im Freien eingeladen.

Sie betreuen die Kinder im Waldkindergarten „Waldfüchse“: Falk Seidel und Florence Sauer mit Bollerwagen und Willkommensschild.
Sie betreuen die Kinder im Waldkindergarten „Waldfüchse“: Falk Seidel und Florence Sauer mit Bollerwagen und Willkommensschild. © Laura Hellwig

In den ersten zwei Wochen war die Gruppe vor allem mit dem Erkunden der Umgebung beschäftigt, etwa dem Waldstück, das zum Kindergarten gehört. Bald soll aber auch das Herrichten des Geländes, zum Beispiel mit Beeten, und dessen Pflege ein fester Bestandteil des Kindergartentages sein. Ein Ritual ist zudem der Morgenkreis, bei dem sich ausgetauscht und gleichzeitig etwas über die Natur gelernt werden soll, erzählt Seidel.

„Der Tag ist so kurz, der füllt sich von ganz allein“, meinen die Erzieher, die sich über das entgegengebrachte Vertrauen der Eltern freuen. „Unser Kindergarten unterscheidet sich sehr stark von einem Regelkindergarten“, stellt Seidel fest. Die Kinder sind jeden Tag dem Wetter ausgesetzt, der Alltag findet im Freien statt – im Sommer wie im Winter. Brettspiele und Buntstifte sind die Ausnahme. „Die Kinder sind mit den kleinen, einfachen Dingen zufrieden“, sagt Sauer. Für extreme Wetterlagen existiert eine Notunterkunft in Kathus. Für Kinder und Erwachsene gibt es auf dem Grundstück je ein Toilettenhäuschen. Sie stammen von einer Firma, die sich auf autarke, nachhaltige Trenn-Toiletten spezialisiert hat.

Es gibt auch Mittagessen und Nachmittagsbetreuung

Noch sind die Kinder in der Phase der Eingewöhnung. Unter ihnen sind Dreijährige, die nun ihre ersten Erfahrungen mit dem Kindergarten machen, andere, ältere Kinder haben die Einrichtung gewechselt. „Den Kindern wird viel abverlangt“, erzählt Seidel. Vor allem die Jüngeren sind nach kurzer Zeit erschöpft. Deshalb waren die Kinder zu Beginn nur deutlich kürzer als normal und in einer kleinen Gruppe mit Gleichaltrigen vor Ort. Nach und nach soll nun der Alltag in den Waldkindergarten einziehen. Auch ein Mittagessen und Nachmittagsbetreuung bis 15 Uhr sollen angeboten werden.

Im Waldkindergarten werden die Kleinen genauso gut auf die Grundschule vorbereitet wie in anderen Einrichtungen, versichert Seidel. Neben sozialen Kompetenzen lernen die Kinder außerdem viel über sich selbst und die Natur.

Noch kann die Gruppe wachsen, maximal 22 Kinder können in Sorga betreut werden. Ab Dezember verstärkt eine dritte Erzieherin das Team. Der Waldkindergarten wird unter dem Dach des gemeinnützigen Trägervereins „Naturleben Waldhessen e.V.“ betrieben. Hier sind vor allem auch die Eltern gefragt, die gemeinsam mit den Erziehern, dem Vorstand und den Kindern daran arbeiten, den Kindergarten zu gestalten. Initiatorinnen sind Lisa Simla und Julia Blum.

Wie in den städtischen Regelkitas sind die ersten sechs Stunden gebührenfrei. Für das laufende Jahr gibt es noch freie Plätze, sagt Julia Blum. (Laura Hellwig)

Kontakt: waldfuechse@waldkindergarten-hersfeld.de

Auch interessant

Kommentare