Interview mit Waldemar Dombrowski

Ausbildung: Potenzial schlummert überall

Waldemar Dombrowski über die Auszubildenden in der Region Hersfeld-Rotenburg
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Im zweiten Teil des Interviews für die Kampagne azubi.komm spricht Waldemar Dombrowski, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, darüber, was Firmen tun und tun können.

Den ersten Teil des Interviews konnten Sie bereits gestern bei uns lesen. Hier geht es weiter:

Ist das alles ein gesellschaftliches Problem, gelten einige Berufe also als weniger wert als andere?

Es gibt in der Wahrnehmung tendenziell eine kollektive Hierarchie. Die sogenannten „Weißkragenberufe“ werden eher höher eingeschätzt als die mit dem Blaumann. Manche Eltern sagen: „Meine Kinder sollen es besser haben, deswegen sollen sie studieren.“ Das ist eine nachvollziehbare Absicht, aber wir dürfen nicht verkennen, dass es gerade im gewerblich-technischen Bereich hervorragende Chancen gibt, auf der Grundlage der Berufsausbildung später Technikerin, Techniker bzw. Meisterin oder Meister zu werden. Gerade im Handwerk bieten sich zukünftig hervorragende Chancen als Führungskraft im Betrieb zu arbeiten oder sich selbständig zu machen.

Was ist das Positive an einer Ausbildung?

Wer über einen Berufsabschluss verfügt, hat wichtige Schlüsselqualifikationen und fachliche Basics erworben, die prinzipiell während des gesamten Berufslebens relevant bleiben. In der Regel erzielen Fachkräfte ein höheres Einkommen als Anund Ungelernte. Zudem sind Personen mit einem Berufsabschluss weitaus seltener von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.

Ein in Deutschland erworbener beruflicher Abschluss genießt überdies im Ausland ein hohes Ansehen.

Was können Unternehmen tun, um junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen?

Die meisten Unternehmen in der Region sind sehr aktiv, wenn es um die Akquise von beruflichem Nachwuchs geht. Verstärkt nehmen sie mittlerweile Kandidatinnen und Kandidaten in die engere Wahl, die vor einigen Jahren zum Beispiel wegen unzureichender Schulnoten eher geringere Chancen gehabt hätten. Sollten sich Probleme bei den Leistungen in der Berufsschule zeigen, gilt es zu handeln. Wir bieten in Kooperation mit einem Bildungsträger ausbildungsbegleitende Hilfen an. Durch diesen Zusatzunterricht kann erfahrungsgemäß ein Großteil der gefährdeten Auszubildenden die Prüfung erfolgreich absolvieren. Eine Kontaktaufnahme zu unserer Berufsberatung kann über die Schülerin bzw. den Schüler sowie über den Ausbildungsbetrieb erfolgen.

Potenzial schlummert auch in jungen Menschen mit Handicaps, die nach aller Erfahrung besonders motiviert sind und mit ihren Aufgaben wachsen. Bei Bedarf können für die Einstellung von schwerbehinderten Bewerbern spezifische Förderleistungen gewährt werden.

Die Ausbildungsbetriebe sollten sich grundsätzlich immer an unseren Arbeitgeberservice wenden, der den größten Teil der in der Region vorhandenen Ausbildungssuchenden in seinem Bewerberpool hat. Neben der Einschaltung der Agentur für Arbeit empfehle ich Arbeitgebern, neue, innovative Wege der Information und Kommunikation zu gehen, um Jugendliche, die vor allem digital kommunizieren, zu erreichen und anzusprechen.

Und was raten Sie jungen Menschen, die trotz dieser guten Bedingungen auf dem Ausbildungsmarkt keine Lehrstelle gefunden haben?

Für den Fall, dass ein Jugendlicher keinen Ausbildungsplatz erhält, gibt es weitere Unterstützungsmöglichkeiten, um einen Bruch im Lebenslauf zu vermeiden. So haben Jugendliche und junge Erwachsene beispielsweise in einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB), die Möglichkeit, eine oder mehrere Berufsgruppen kennenzulernen. In zehn Monaten können sie durch eine Kombination von theoretischem Unterricht, sozialpädagogischer Betreuung und Praxiserfahrungen in Betrieben ihre eigenen Interessen und soziale Kompetenzen entwickeln sowie Selbstvertrauen erwerben. Unsere Erfahrungen mit diesen Maßnahmen sind überaus positiv.

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