Interview mit Waldemar Dombrowski

Was bietet der Ausbildungsmarkt in der Region Hersfeld-Rotenburg?

Waldemar Dombrowski über die Ausbildungssituation in der Region Hersfeld-Rotenburg
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Im Interview für die Kampagne azubi.komm spricht Waldemar Dombrowski, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, über den Ausbildungsmarkt und Berufsbilder im Wandel.

Heute können Sie den ersten Teil des Interviews lesen.

Wie stellt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der Region aktuell dar?

Die Chancen für junge Menschen in der Region Hersfeld-Rotenburg einen Ausbildungsplatz zu finden, sind außerordentlich gut. Seit Oktober des vergangenen Jahres haben uns die Betriebe 1.031 Ausbildungsstellen gemeldet. 688 Jugendliche und junge Erwachsene suchten im gleichen Zeitraum mit Hilfe der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz. Rechnerisch kommen also auf jeden Bewerber fast 1,5 Stellen. Folglich sind auch nach Beginn des Ausbildungsjahres nahezu 200 Lehrstellen frei, und zwar in vielen verschiedenen Ausbildungsberufen. Für das nächste Jahr konnte unser Arbeitgeberservice bereits 550 Ausbildungsstellen akquirieren.

Waldemar Dombrowski, Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda

Welche Bereiche haben besondere Probleme?

Unbesetzt geblieben sind bisher beispielsweise zahlreiche Lehrstellen im Verkauf, insbesondere in Bäckereien und Metzgereien, in der Gastronomie sowie im Straßenbau. Sogar bei den attraktiven Dualen Studiengängen bestehen weiterhin Möglichkei- ten. Die Vermittlungsbemühun- gen unserer Berufsberatung laufen auf Hochtouren, um zusammen mit unserem Arbeitgeberservice noch möglichst viele Ausbildungsstellen zu besetzen. Durch jeden nicht besetzten Ausbildungsplatz geht den Unternehmen in der Region eine zukünftige Fachkraft verloren. Qualifiziertes Personal ist für die Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Wirtschaft von enormer Bedeutung.

Gibt es auch Bereiche ohne Probleme?

Ja, es gibt Unterschiede zwischen den Branchen und Berufen. Tendenziell ist der Mangel an Auszubildenden in technischen und insbesondere in handwerklichen Berufen größer als im kaufmännischen Bereich. In Verwaltungs- und kaufmännischen Berufen haben wir deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber, aber auch hier gehen die Zahlen tendenziell zurück. Die enormen Überhänge an Bewerberinnen und Bewerbern gibt es im kaufmännischen Bereich nicht mehr.

Wo liegen die Gründe für die aktuelle schwierige Lage?

Durch die anhaltend gute Arbeitsmarktsituation haben die Unternehmen einen hohen Bedarf an Personal und an betrieblichem Nachwuchs. Darüber hinaus kommt der demografische Wandel zunehmend zum Tragen, das heißt, die Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger reicht nicht mehr aus, um die Lücke zu schließen, die durch das Ausscheiden von Älteren aus dem Arbeitsmarkt entsteht. Außerdem hält der Trend zum Besuch weiterführender Schulen und Hochschulen an.

Was viele junge Menschen nicht wissen: Durch eine abgeschlossene Berufsausbildung erwirbt man automatisch den Hauptschulabschluss, die Mittlere Reife oder sogar Hochschulreife können durch eine Ausbildung erlangt werden. Der vermeintliche „Umweg“ über eine Lehre kann unter Umständen zielführender sein.

Haben Sie sich die Berufsbilder verändert und herrschen in den Köpfen der Menschen vielleicht veraltete Vorstellungen?

Natürlich haben Menschen teilweise Erfahrungen, die viele Jahre zurückliegen. Durch die Digitalisierung, die sowohl im technischen als auch im kaufmännischen und Dienstleistungsbereich Einzug gehalten hat, verändern sich Berufstätigkeiten und damit Berufsbilder. Insofern werden Ausbildungen in der Praxis angepasst, weil man mit der aktuellen IT arbeitet, die heute angesagt ist.

Eltern sind zum Beispiel sehr wichtige Ratgeber, da sie die Neigungen und Interessen ihrer Kinder sehr gut kennen, allerdings können sie oftmals keinen Überblick darüber haben, was heutzutage hinter einem bestimmten Berufsbild oder einer Berufsbezeichnung steckt.

Es gibt Berufsbilder, die sich verändert haben, wie zum Beispiel den Kfz-Mechaniker, der zum Kfz-Mechatroniker wurde. Daneben sind neue Berufsbilder im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der IT entstanden, so zum Beispiel die E-Commerce-Kaufleute.

Hier finden Sie den zweiten Teil des Interviews mit Waldemar Dombrowski.

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