Original wurde im Jahr 1911 errichtet

Das Wahrzeichen fehlt: Petersberger Windrad wird zurzeit repariert

Der Sockel ist leer: So mancher Petersberger hat sich schon über das Fehlen des Windrads gewundert.

Bad Hersfeld. Wenn Helmut Becker und seine Frau auf ihrer täglichen Spazierrunde an der Bushaltestelle „Am Windrad“ auf dem Petersberg vorbeikommen, fehlt dort seit geraumer Zeit etwas ganz Entscheidendes: Eben jenes Windrad nämlich, das Wahrzeichen des Bad Hersfelder Stadtteils.  

Beziehungsweise dessen Nachbau. Und die Beckers sind nicht die einzigen, die sich über den Verbleib wundern und sorgen.

„Es wird jedenfalls Zeit, dass es wiederkommt“, meint Becker, der sich noch gut an das Original erinnern kann – „ das alte Klapperding“, wie er lachend berichtet.

Bei Pilger-Aktion dabei

Ortsvorsteher Bernd-Paul Schmalbauch und Thomas Schwarzer geben auf HZ-Anfrage nun Entwarnung: Ende April 2017 wurde das Petersberger Wahrzeichen bei der Aktion Pilgern mit Traktoren präsentiert. Und weil es schon damals beschädigt gewesen sein, habe man sich entschlossen, es nicht wieder aufzubauen, sondern erstmal zu reparieren. Eingelagert ist es zurzeit bei Schwarzer, der von „normalem Verschleiß“ spricht und dabei ist, den Schaden zu beheben. Ein neues Kugellager und eine neue Welle brauche das Rad, so Schwarzer, der die Arbeiten in seiner Freizeit ausführt und gesteht: „Alles nicht so einfach.“

Auch auf einer Grußkarte durfte das Petersberger Wahrzeichen natürlich nicht fehlen.

Ende nächster Woche soll das Modell mithilfe eines geliehenen Baggers aber wieder aufgebaut werden, wenn nichts dazwischen kommt und das Wetter mitspielt. Über das Interesse an dem Rad freut sich Schwarzer. „Es ist doch schön, wenn die Leute es vermissen“, gewinnt er der leisen Kritik am Fehlen des Wahrzeichens etwas Positives ab. „Der Petersberg lebt noch, das Wahrzeichen ist noch da“, beruhigt auch Ortsvorsteher Schmalbauch augenzwinkernd. Er ist ebenfalls zuversichtlich, dass es in Kürze wieder aufgebaut werden kann.

Das Modell, als es noch an Ort und Stelle stand. 

Bis 1911 versorgte der alte Klosterbrunnen die Einwohner der noch eigenständigen Gemeinde mit frischem Wasser, doch der wachsenden Bevölkerung und Wassermangels bei Trockenheit wegen wurde eine Wasserleitung zu den Häusern gelegt und ein neuer 100 Meter tiefer Brunnen gebohrt. Die Pumpe wurde von einem großen Windrad angetrieben, das schon von Weitem zu sehen war und bald zum Wahrzeichen des Dorfes wurde, wie es in der Festschrift „1000 Jahre Petersberg“ heißt. Da die Kapazitäten aber irgendwann nicht mehr ausreichten und immer mehr Reparaturen anfielen, wurde der Betrieb schließlich eingestellt, das Rohrnetz mit dem der Stadt Bad Hersfeld verbunden und das Windrad 1961 verschrottet.

War bis zum Abbau schon von Weitem sichtbar: Das originale Windrad am Petersberg.

Das Modell, eine knapp drei Meter hohe Stahlkonstruktion, baute Anfang der 80er-Jahre federführend Wilhelm Tappesser, damals Wehrführer bei der Petersberger Feuerwehr. „Frei nach Schnauze“, wie der 77-Jährige heute sagt. Die Idee sei beim Tagebergfest der Feuerwehr entstanden, das Modell sollte beim Lollsumzug den Stadtteil Petersberg symbolisieren, so Tappesser. Danach wurde das Rad zunächst eingelagert, bevor es einige Zeit später genau dort aufgestellt wurde, wo einst das Original stand. Dass sein Modell bald wieder zu sehen sein wird, freut Tappesser ebenso, wie es sicher auch Helmut Becker und viele andere freuen wird.

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