Retter mit weißem Handtuch

Vor 75 Jahren: US-Armee marschierte in Hersfeld ein

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Schlimmeres verhindert: Dank der mutigen Übergabe der Stadt Hersfeld an die US-Armee wurde sie vor weiteren Zerstörungen verwahrt. Das Bild zeigt Hersfelder Bürger bei den Verhandlungen mit den US-Soldaten.

Vor 75 Jahren, am 31. März 1945, marschierten amerikanische Truppen in Bad Hersfeld ein.

Als „Retter der Stadt Hersfeld“ gelten seither Major Georg August Moeller und Hauptmann Karl Güntzel, der mit einer Rot-Kreuz-Fahne den amerikanischen Truppen entgegenging und so Hersfeld vor weiteren Kampfhandlungen und der möglichen Zerstörung bewahrte.

Stadtarchivar Gerhard Kraft weist aber darauf hin, dass auch der Feuerwehrmann Friedrich Richter, der mit der weißen Fahne am Kurparkeingang auf Hauptmann Güntzel traf, „als mutiger Mann eine Erwähnung wert ist“.

Richter war eigentlich Sattler- und Polstermeister. Hauptmann Güntzel war sehr erstaunt über die mutige Tat des Feuerwehrmanns. Diese Tat war auch eine Hilfe, um die friedliche Übergabe der Stadt Hersfeld in die Wege zu leiten, meint Gerhard Kraft und stellt uns daher freundlicherweise einen Bericht von Friedrich Richter über die Geschehnisse aus dem Louis-Demme-Stadtarchiv zur Verfügung:

Durch das Herannahen der alliierten Truppen war die Feuerwehr seit Donnerstag, den 29. März, nachmittags in höchster Alarmbereitschaft. Unser Zug wurde zum Bekämpfen eines durch Beschuss entstandenen Brandes am Neumarkt eingesetzt.

Verhandlungen: Dr. med. Wilhelm Auel (mit Rote-Kreuz-Binde), rechts Stadtoberinspektor Friedrich Taubert mit Hut, rechts dahinter Major Karl Damm; vorne rechts US-Soldaten, dahint er Hauptmann Karl Güntzel.

Am Sonnabendmorgen kamen wir auf dem Eisfeld zum Einsatz, konnten aber denselben nicht beenden, da unser Feuerlöschgerät durch Beschuss beschädigt wurde. Daraufhin begab sich unser Zug zur Sammelstelle im Fezies. Von meinem Zugführer wurde ich beurlaubt, um nach meinen Angehörigen zu sehen. Mein Weg führte durch die Anlagen- über Wigbertshöhe.

Im Sanatorium musste ich für einige Zeit Unterschlupf suchen, da das Feuer wieder heftiger wurde. Ich durfte in diesem Luftschutzkeller nicht länger bleiben, daher versuchte ich, meinen Weg nach Hause fortzusetzen. Im Petroleumkeller am Hainberg suchte ich erneut Unterschlupf. Die Stadt lag noch immer unter Störungsfeuer, die Flieger kreisten und warfen vereinzelt Brandbomben.

Friedrich Richter beim Kirchtor: Das Bild stammt aus einem Film von Spiegel TV.

Auf dem Kirchturm wehte bereits die weiße Fahne, trotzdem hatte es den Anschein, als sei an eine Beendigung noch nicht zu denken. Als mir das klar wurde, fasste ich den Entschluss, die durch die weiße Fahne angezeigte Übergabe den alliierten Truppen mitzuteilen. Zu diesem Zweck lieh ich mir ein weißes Handtuch, mit dem ich schwenkend den Weg nach Asbach nahm.

Kurz hinter der Gaststätte Kimmel, am Weinberg 20, traf ich Herrn Hauptmann Güntzel, der mir mit der Roten Kreuz Fahne entgegenkam. Herr Güntzel war von dem Befehlshaber als Parlamentär zur Stadt entsandt worden. Er war wohl freudig überrascht und erstaunt zugleich, jemanden zu treffen, der ihm über die augenblickliche Lage in der Stadt Aufschluss und auf seine Fragen Auskunft geben konnte.

Gemeinsam setzten wir nun unseren Weg zur Reichsautobahnbrücke fort. Dort angekommen, erstattete Herr Güntzel dem Befehlshaber Bericht über die Lage in der Stadt. Der Kommandeur war anscheinend mit der Auskunft zufrieden, denn wir mussten zwei Fahrzeuge besteigen, die von einem Panzer begleitet wurden, um den Herren den Weg zu den Vertretern der Stadt zu zeigen.

Nachdem wir feststellen mussten, dass die Polizeiwache brannte und der Bürgermeister auch auf dem Rathaus nicht anzutreffen war, begab ich mich auf die Suche. Am Uffhäusertor traf ich zwei Herren, die den Aufenthaltsort des Bürgermeisters kannten. Ich bat sie zu veranlassen, dass sich der Bürgermeister auf dem schnellsten Wege zur Verhandlung nach dem Rathaus begeben solle.

Da ich sah, dass meine Bemühungen erfolgreich waren, ging ich nach Hause.  red/kai

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