ZWISCHEN DEN ZEILEN

Von Tränen, Paten und TV-Berichten

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Nadine Maaz

Bad Hersfeld - Der erste Schock mag zwar verdaut sein, so richtig fassen können wir den plötzlichen Tod unseres Kollegen Karl Schönholtz aber noch immer nicht.

Immer wieder wandert der Blick zu seinem nun leeren Schreibtisch, und nach wie vor erreichen uns zahlreiche Beileidsbekundungen. Auch Leser, die den Kollegen gar nicht persönlich kannten, aber über all die Jahre seine Berichte, Interviews und Kommentare aufmerksam gelesen haben, suchen nun das Gespräch. Unter Tränen kondolierte ein bekannter TV- und Festspielschauspieler am Telefon.

Dass die Trauerfeier am Freitag auf der Wiese vor der Stiftsruine stattfand, hätte unserem langjährigen und versierten Festspielredakteur sicher gut gefallen, auch wenn er eher kein Freund des großen Auftritts war. Und so traurig und gefühlt endgültig dieser besondere Abschied war, genauso überwältigend war es zu sehen, wie viele Menschen dem geschätzten Kollegen nun die letzte Ehre erweisen wollten, der fast 40 Jahre für die HZ berichtet hat.

Verwundert haben sicher einige auf den Aufruf der Stadt Bad Hersfeld reagiert, die ehrenamtliche Paten für die Grünpflege sucht. Sollen die Steuer zahlenden Bürger nun etwa in ihrer Freizeit die Arbeit des Bauhofs beziehungsweise der Grünflächenkolonne übernehmen? Kritik an zu hohen Sträuchern oder wucherndem Unkraut gibt es auch in Leserbriefen immer wieder mal. Laut Stadtsprecher Meik Ebert geht es jedoch nicht darum, diese Arbeit großflächig abzuwälzen; angesprochen gewesen seien vor allem Bürger, die kleine Grünflächen oder einzelne Bäume in unmittelbarer Nähe zum eigenen Grundstück haben und diese „mal eben“ mit bearbeiten könnten. Zudem hat die Stadt mit ihrem Aufruf einen entsprechenden Vorschlag der Stadtverordnetenversammlung umgesetzt.

Das Interesse, bei der Grünpflege mit anzupacken, scheint jedenfalls gering zu sein. Gemeldet hat sich laut Ebert bis jetzt genau ein (!) Freiwilliger. Vielmehr erreichten die Verwaltung Hinweise wie „das können doch die machen, die eh den ganzen Tag faul in der Stadt abhängen“. Schon 2012 hatte es mal eine ähnliche Idee gegeben, doch auch damals blieb der Erfolg aus.

Schade eigentlich, denn nach dem ersten abwehrenden Kopfschütteln kann man wohl sagen: Niemand bricht sich einen Zacken aus der Krone, den kommunalen Baum neben dem eigenen mit zu wässern oder die Verkehrsinsel in drei Metern Entfernung ab und zu vom Unkraut zu befreien.

Dass Bad Hersfeld längst nicht mehr Zonenrandgebiet, sondern ein bedeutender Logistikstandort in der Mitte Deutschlands ist, muss man hier freilich niemandem mehr erklären – wer es noch nicht mitbekommen hatte, weiß nun aber dank zweier TV-Beiträge im Ersten und im ZDF Bescheid, bei denen Libri und Amazon im Mittelpunkt standen. Beide Unternehmen erweitern ihre Standorte aktuell bekanntlich für mehrere Millionen Euro. Mich hatte übrigens ein Bekannter aus Köln auf die deutschlandweite TV-Berichterstattung über „unser“ Städtchen aufmerksam gemacht. Verbunden mit dem Zusatz: „Sieht ja nett aus da bei euch.“

Gar nicht nett fanden zuletzt zahlreiche betroffene Senioren die ihnen den Weg versperrenden, aber korrekten Poller im Stift. Im Hintergrund haben inzwischen weitere Gespräche dazu stattgefunden. Thema werden die „Zankpfosten“ außerdem am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung sein.

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