Aus dem Gerichtssaal

Vier Männer aus Bebra verurteilt für Racheakt beim Friseur

Bad Hersfeld.  Freispruch, Bewährung, Freiheitsstrafe: Mit der Urteilsverkündung ist gestern ein Prozess gegen vier Männer aus Bebra zu Ende gegangen.

Die Angeklagten mussten sich vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld unter anderem wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Angeklagten syrischer Herkunft sollen im November 2017 in einem Friseursalon in der Bad Hersfelder Innenstadt einen heute 33 Jahre alten, laut Polizei staatenlosen Libanesen krankenhausreif geschlagen haben – vermutlich aus Rache, denn einer der Angeklagten soll wenige Wochen zuvor am Rande des Lullusfestes ebenfalls verprügelt und dabei schwer verletzt worden sein. In irgendeiner Form involviert gewesen sein soll dabei das Opfer aus dem Salon – ob als Täter oder Anstifter war nicht aufzuklären, denn weder zur einen noch zu anderen Sache äußerten sich die Beteiligten vor Gericht.

Mit Skimasken vermummt

Bei der Tat waren die vier Männer laut Zeugen mit Skimasken vermummt. Auf dem Rückweg waren sie allerdings von der Videokamera eines nahegelegenen Geschäfts aufgezeichnet und von einem weiteren Zeugen gesehen worden. Zweifelsfrei geklärt werden konnte die Beteiligung letztlich aber nicht bei allen, und auch, wer nun im Salon zugeschlagen und getreten hatte, blieb offen.

Zwei Angeklagte wurden schließlich zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung verurteilt – beide sind bereits mehrfach vorbestraft. Drei Jahre und sechs Monate wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung waren es für den zurzeit wegen einer anderen Sache bereits in der JVA Sitzenden. Zwei Jahre und acht Monate wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und einer unerlaubten Schusswaffe lautete das Strafmaß für den anderen. Von der Beteiligung an dem Überfallkommando wurde er freigesprochen.

Mehrfach vorbestraft

Diebstahl, Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Geldfälschung, Fahren ohne Führerschein: Während die bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten am Ende der Verhandlung zu weiteren Freiheitsstrafen verurteilt wurden, blieb es bei den beiden anderen bei Bewährungsstrafen. 

Zwei Jahre ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung lautete das Urteil gegen denjenigen, der zuvor bei Lolls angegriffen worden war und bei dem zu Hause die Polizei unter anderem Kokain und Cannabis gefunden hatte. Er soll außerdem 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Zehn Monate zur Bewährung hieß es für den jungen Mann, der vor der Tat den Friseur-Termin des Geschädigten ausspioniert haben soll. Die Verteidiger hatten zuvor auf die ihrer Meinung nach vielen Zweifel und Unsicherheiten verwiesen. Zwar seien der genaue Tatablauf und die jeweilige konkrete Beteiligung aufgrund unterschiedlicher Zeugenaussagen nicht einwandfrei aufzuklären gewesen, in einem seien sich alle Zeugen aber einig gewesen, so Richter Michael Krusche: „Da wurde einer verprügelt, von dem man dachte, der steht nicht mehr auf.“ Der Zusammenhang zwischen der Termin-Spionage und dem Überfall sei zudem „mehr als offensichtlich“. 

Hatten die Angeklagten ebenso wie das Opfer im Gerichtssaal Stillschweigen bewahrt, dauerte es draußen übrigens nicht lange, bis der erste seinem Unmut Luft machte: „Wäre der jetzt hier, würde ich ihn windelweich schlagen.“ Gemeint war damit das Opfer aus dem Salon.

Von Nadine Maaz

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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