Urteil nach Baby-Misshandlung

Vier Jahre und einen  Monat Haft für "barbarischen" Vater

ARCHIV - ILLUSTRATION - 15.07.2014, Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Eine modellhafte Nachbildung der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Am Mittwoch beginnt vor dem Landgericht Düsseldorf der Prozess gegen Eltern, die ihre neun Kinder vernachlässigt und in einem Fall auch misshandelt haben sollen. Foto: Volker Hartmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Das Fuldaer Schwurgericht bewegt sich mit seinem Urteil zwischen den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. 

Der 33-jährige Heringer, der vor fünf Jahren seinem drei Monate alten Sohn das Gesicht verbrüht hatte, muss ins Gefängnis.

Aktualisiert um 18.35 Uhr - Von einem „Tatgeschehen jenseits der menschlichen Vorstellungskraft“ sprach Richter Josef Richter als Vorsitzender des Fuldaer Schwurgerichts, nachdem es einen 33-Jährigen aus Heringen wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einem Monat verurteilt hatte. 

Der berufslose Hartz-IV-Empfänger hatte am frühen Morgen des 18. September 2015 seinen damals drei Monate alten Sohn mit dem Gesicht in das schätzungsweise 58 Grad heiße Wasser einer Duschwanne getaucht und dem Säugling dadurch lebensgefährliche Verbrühungen zugefügt. Der vorsitzende Richter bezeichnet dies als „barbarisch“. 

Einen Grund für die Tat hatte das Gericht während der mehrtägigen Beweisaufnahme nicht herausarbeiten können. Der Angeklagte konnte oder wollte sich nicht mehr erinnern, machte aber geltend, dass er mit der Betreuung des Babys „total überfordert“ gewesen sei. Die Kindesmutter hatte sich wegen einer Wochenbettdepression nicht um ihren Sohn gekümmert.

Vater harrte stundenlang mit dem verletzten Sohn im Wohnzimmer aus

Bei einem zweiten Tatkomplex fehlte es der Kammer an der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit: Ob sich der Heringer möglicherweise des versuchten Mordes oder Totschlags durch Unterlassung schuldig gemacht hatte, war ihm nicht nachzuweisen. Zwar hatte der Vater stundenlang mit dem verletzten Sohn im Wohnzimmer ausgeharrt, ehe seine Mutter gegen Mittag doch noch den Rettungsdienst herbeitelefonierte. 

Doch ob dem Heringer bewusst war, dass sich das mittlerweile total unterkühlte Kind in akuter Lebensgefahr befand, stand eben nicht fest. Dass der Angeklagte den Tod des Kindes wollte oder auch nur billigend in Kauf genommen hatte – eine derartige Gefühlskälte mochte ihm das Gericht ebenfalls nicht unterstellen. 

Mit ihrem Urteil bewegte sich die Strafkammer zwischen den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung: Fünf Jahre und drei Monate hatte Natalia Fuchs für die Anklage gefordert und war dabei auch von versuchten Totschlag durch Unterlassen ausgegangen. Rechtsanwalt Klaus W. Königs hatte hingegen für eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren und damit für die Möglichkeit einer Strafaussetzung zur Bewährung plädiert. Wegen der langen Verfahrensdauer gelten drei Monate bereits als verbüßt.

Richter rät: Verantwortung übernehmen

Als das Urteil gesprochen und ausführlich begründet war, wandte sich Richter Josef Richter mit einem persönlichen Wort an den Angeklagten: Mit Bezug auf das psychiatrische Gutachten von Dr. Helge Laubinger riet er dem Heringer, die Schuld für sein bislang verpfuschtes Leben nicht wie bisher bei anderen zu suchen, sondern von nun an Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In der Haft solle er dazu Gelegenheit finden, wünschte ihm Richter.

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