Kleine, bezahlbare Wohnungen fehlen

Viele Wohnungslose im Kreis Hersfeld-Rotenburg finden keine Bleibe

Hersfeld-Rotenburg. Menschen mit kleinem Einkommen haben auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zunehmend Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden, beziehungsweise ihre Wohnung zu behalten. Das berichtet Martina Drewes von der Fachberatungsstelle für Wohnungs- und Obdachlose der Diakonie in Bad Hersfeld.

Die Beratungsstelle will deshalb verstärkt präventiv tätig werden und bietet immer donnerstags von 9 bis 11 Uhr Beratung für Menschen an, denen Wohnungslosigkeit droht. Diese Beratung findet in den Räumen der Diakonie in der Kaplangasse statt, erläutert Gundula Pohl, die verschiedene diakonische Angebote, unter anderem auch die Tafeln und die Bahnhofsmission, koordiniert.

Typische Berber, die durchs Land ziehen, gebe es nur noch relativ selten, hat Martina Drewes beobachtet. 20 bis 30 seien in diesem Jahr in der Beratungsstelle vorbeigekommen.

Dafür nehme die Zahl derjenigen zu, die ihre Wohnung verlieren, weil sie von kleinen Einkommen Miete und Nebenkosten nicht mehr zahlen könnten. Auch junge Leute seien zunehmend von Wohnungslosigkeit betroffen. Viele von ihnen übernachteten dann bei verschiedenen Freunden, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen.

Neben dem Beratungsangebot ist für die Wohnungslosen auch der Tagesaufenthalt ein wichtiges Angebot. Viele der Klienten kämen mehrfach am Tag.

126 verschiedene Leute sind bisher in diesem Jahr von der Beratungsstelle betreut worden, deutlich mehr als im Vorjahr, berichtet Roland Langenberger. 82 Prozent von ihnen waren Männer. Mit diesen Menschen gab es knapp 3000 Kontakte.

Der Landeswohlfahrtsverband (LWV) unterstützt die Beratungsstelle mit Tagesaufenthalt mit 133 000 Euro im Jahr. 41 solcher Beratungsstellen gebe es in Hessen, heißt es in einer Pressemitteilung des LWV.

Beratungsstelle in Bad Hersfeld platzt aus allen Nähten

Für Baba ist die Beratungsstelle für Wohnungslose und der Tagesaufenthalt in der Bad Hersfelder Löhrgasse eine feste Anlaufstelle. Der junge Mann, der aus dem Senegal stammt, jedoch einen spanischen Pass hat, lebt inzwischen nicht mehr auf der Straße. Er hat mit Unterstützung der Beratungsstelle einen Job und eine Wohnung gefunden. 

Dennoch kommt er regelmäßig in der Löhrgasse vorbei: Zum Reden, zum Kaffeetrinken oder wenn er Fragen zum Leben in Deutschland hat. „Viele unserer Klienten kommen mehrmals am Tag“, erzählt Roland Langenberger. Für die Statistik werde aber nur ein Besuch am Tag gezählt. Tatsächlich könne man wohl die Zahl von knapp 3000 Kontakten in diesem Jahr getrost verdoppeln. „Bei unseren Klienten sind meist alle Familienbindungen gebrochen“, sagt Langenberger. „Wir sind die Konstante in ihrem Leben, sowohl wenn’s aufwärts geht als auch bei Krisen.“ 

„Für alleinstehende Wohnungslose gehören Beratungsstellen und Tagesaufenthaltsstätten zu den wenigen verlässlichen und sicheren Angeboten, die sie kennen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landeswohlfahrtsverbandes, der 41 solcher Einrichtungen in Hessen mit rund 10,78 Millionen Euro im Jahr fördert. 133 000 Euro fließen nach Bad Hersfeld. Hier arbeiten drei Mitarbeiter auf zwei Vollzeitstellen. „Wir sind gerade in einer Umbruchphase“, erklärt Diakonie-Koordinatorin Gundula Pohl. Die Beratungsstelle mit Tagesaufenthalt platze aus allen Nähten. 

Schwierig seien vor allem die sanitären Verhältnisse. Es gebe kein richtiges Bad und auch kein warmes Wasser in den Räumen. Die Dusche sei durch einen Vorhang vom Flur abgetrennt und biete praktisch keine Privatsphäre. „Vor allem für Frauen ist das eigentlich nicht zumutbar“, meint Pohl. Deshalb sucht die Diakonie nun selbst nach einer neuen Bleibe. Ideal wäre es, wenn es auch einen Außenbereich gebe, den die Raucher nutzen könnten, erklärt Martina Drewes. In der Löhrgasse wird in der Küche geraucht und das ist überall zu riechen. 

Um ihren Klienten zu helfen, arbeiten die Mitarbeiter der Beratungsstelle eng mit anderen Stellen zusammen. Mit der Sucht- und Schuldnerberatung, zum Beispiel, oder mit dem Landkreis und dem Arbeitsamt. Für Wohnungslose, die sesshaft werden wollen, eine Arbeit zu finden, sei kein Problem, hat Martina Drewes festgestellt. Weitaus schwieriger sei es, kleine und günstige Wohnungen in der Stadt zu finden. Das sei zwar in den Landgemeinden leichter möglich, doch sei es schwierig, ohne Auto regelmäßig zur Arbeit nach Bad Hersfeld zu kommen. Und Geringverdiener könnten sich auch den Bus nicht leisten. (zac)

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