Gefahr durch Raketen und Böller

Verletzungen und Brände: Landkreis mahnt zur Vorsicht bei Feuerwerk

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Eric Schöter, Geschäftsführer des Eisenwarenhandels Carl Grebe in Bad Hersfeld, beim Aufbau der Feuerwerkskörper.

Hersfeld-Rotenburg. Zum Verkaufsstart für Silvesterfeuerwerk am 28. Dezember mahnt der Landkreis zur Vorsicht beim Gebrauch von Raketen und Böllern.

Brände mit hohen Schäden, Verletzte und manchmal sogar Tote seien die Kehrseite der Licht- und Knalleffekte, verdeutlicht Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar.

In den Kliniken würden zum Jahreswechsel regelmäßig geplatzte Trommelfelle, Verbrennungen, Augenverletzungen und Verstümmelungen behandelt. Laut hessischem Sozialministerium entstehen die meisten Unfälle und Schäden durch Unwissenheit, Unachtsamkeit, Übermut und Leichtsinn, verstärkt durch Alkoholkonsum.

Pyrotechnik darf nur am 31. Dezember und 1. Januar abgebrannt werden. Mit ein paar einfachen Regeln, so Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar, sei das Feuerwerk eigentlich eine sichere Sache: „Man sollte grundsätzlich nur Feuerwerkskörper mit einer aufgedruckten BAM-Prüfnummer kaufen. Niemals selbst gebastelte Böller und Raketen benutzen“, warnt die Expertin. „Wenn man Raketen und andere Feuerwerkskörper abschießt, muss man unbedingt auf seine Umgebung achten. In der Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Kirchen ist das Zünden verboten. Bei Raketen auf gekippte Fenster und Balkone achten. Abstand halten zu Menschen und Brennbarem, Raketen niemals aus der Hand, sondern nur von geeigneten Startmöglichkeiten wie Getränkekisten mit leeren Glasflaschen starten lassen“, empfiehlt die oberste Brandschützerin des Kreises.

Eltern bittet die Kreisbrandinspektorin, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vom Hantieren mit Feuerwerk abzuhalten. Mit Ausnahme einfacher Feuerwerk-Spielwaren darf pyrotechnisches Material ausschließlich an Personen, die älter als 18 Lebensjahre sind, abgegeben werden.

Beim Kauf auf das Prüfzeichen achten

Feuerwerksartikel werden in zwei Kategorien eingeteilt: Feuerwerkskörper mit dem Kürzel F2 (Raketen, Fontänen und Knallkörper) dürfen nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben und von diesen gezündet werden. Der Verkauf beginnt am 28. Dezember und endet am 31. Dezember. 

Feuerwerkskörper der Kategorie F1 (Wunderkerzen und Tischfeuerwerk) können dagegen ganzjährig erworben und dürfen von Personen ab zwölf Jahren abgebrannt werden. Für den Verkauf in Europa müssen Feuerwerkskörper auf ihre Sicherheit geprüft werden: Neben der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gibt es hierfür noch 14 weitere benannte Stellen in Europa. Geprüftes Feuerwerk erkennt man laut Sozialministerium an der Registriernummer und dem CE-Zeichen in Verbindung mit der Kennnummer der Prüfstelle. (jce) 

Fragen und Antworten rund ums Feuerwerk:

Wodurch fliegt eine Silvesterrakete? 

Für den Antrieb ist eine bekannte chemische Reaktion zuständig: Die Verbrennung. Die Zündschnur setzt den Treibsatz in Brand, der meist aus einigen Gramm Schwarzpulver besteht. Darin enthalten sind Kohle und Schwefel als Brennstoffe. Der Hauptbestandteil ist Kaliumnitrat, was den erforderlichen Sauerstoff für die Verbrennung liefert. Bei dieser entstehen Brenngase, die mit hoher Geschwindigkeit strömen. Die Rakete ist so konstruiert, dass sich die Gase nur nach unten ausdehnen können. Auf die Rakete wirkt dann eine gleich große Kraft in die entgegengesetzte Richtung – also nach oben. Und deshalb zischt der Feuerwerkskörper los in den Nachthimmel.

Warum ist der Holzstab so wichtig? 

Der Holzstab sorgt für die richtige Balance. „Damit die Rakete senkrecht in den Himmel steigt, muss der Schwerpunkt beim Treibsatz liegen“, erklärt Walter Wagner, Chemie-Didaktiker der Universität Bayreuth. Deshalb sei es gefährlich, eine Rakete mit halb abgebrochenem Holzstab zu zünden. „Dann kann sie kippen und irgendwo hinfliegen.“

Wie kommen die bunten Effekte am Himmel zustande? 

Ein paar Sekunden nach dem Start zündet der Effektsatz an der Spitze der Silvesterrakete. Dieser enthält in der Regel Metallsalze. Sie werden verteilt und verbrennen bei großer Hitze in verschiedenen Farben. Mit Magnesium erhält man etwa weißliche Blitz-Effekte, so Wagner. Die entstehenden Gase, aber auch kleine feste Partikel landen in der Luft, weshalb die Belastung mit Feinstaub extrem ansteigt.

Wie funktioniert ein Silvesterböller? 

Grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie der Antrieb einer Rakete. Auch hier wird in der Regel eine kleine Menge Schwarzpulver verbrannt. Der Unterschied zur Rakete: Die entstehenden Brenngase werden durch viele fest gewickelte Papierschichten aufgehalten. Deshalb steigt der Druck im Innern des Böllers – bis er sich mit einem Knall entlädt.

Warum sind illegale Böller gefährlich? 

Die ungeprüften Böller erfüllen nicht die vorgeschriebenen Sicherheitskriterien. Sie können beispielsweise vorzeitig explodieren. Außerdem sind sie im Gegensatz zu normalen Knallern oft anders zusammengesetzt: Sie enthalten Blitz-Knallkörper statt Schwarzpulver, die sie stärker und lauter knallen lassen. „Oft entsteht bei der Explosion ein enormer Schlag“, so Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung, die in Deutschland für die Prüfung von Feuerwerkskörpern zuständig ist. Schwere Verletzungen wie ein Tinnitus im Ohr sowie Verbrennungen von Händen oder Gesicht können die Folge sein. Sogar Finger können von der Explosion abgerissen werden.

Warum werden illegale Böller oft Polenböller genannt? 

Der Name Polenböller mag noch aus Zeiten stammen, in denen die Vorschriften für Feuerwerkskörper länderspezifisch waren. Inzwischen müssen Böller in Polen und Deutschland die gleichen EU-Anforderungen erfüllen. Die in Polen zuständige Prüfbehörde warnt ebenso wie das Bundesamt für Materialforschung vor den nicht zertifizierten Böllern. Oft gibt es die illegalen Kracher an der deutsch-polnischen Grenze zu kaufen. Das hat wohl zur Verbreitung ihres Namens beigetragen. (dpa)

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