Haus wurde energetisch saniert

Verkohlte Träume: Hochhausbrand hat Spuren hinterlassen

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Spur des Feuers: Im 4. Stock des Hochhauses hat der Brand verkohlte Flure hinterlassen. Nur der schnelle Einsatz der Feuerwehr verhinderte schlimmeres. 

Bad Hersfeld – Das Feuer im ehemaligen Schwesternwohnheim hat seine Spuren hinterlassen. Schwarzer Ruß klebt auf den Scheiben der Flurtüren, an den Wänden, der Decke.

Auf dem Boden zeichnen sich am Tag danach die Abdrücke vieler Schuhe ab. Hauseigentümer Hans-Peter Sunkel geht durch seinen verkohlten Traum von einem ökologisch-nachhaltigen „Plus-Energiehaus“ – das mit seiner von Photovoltaik-Platten geradezu gepflasterten Fassade mehr Energie erzeugt, als die Mieter verbrauchen. Den Bewohnern des Hauses steht sogar ein E-Auto zur Verfügung. Sunkel selbst vermietet auch Tesla-E-Autos. Als Öko-Landwirt kämpft er für den Erhalt der Ressourcen. Und nun das.

Eine Mieterin öffnet die Tür, das blonde Haar verstrubbelt. Sie sieht müde aus. „Wie geht es Ihnen denn?“, fragt Sunkel besorgt. „Ein wenig Kopfschmerzen, ich habe aber alle Fenster offen“, erzählt die Frau. Den Mietern sitzt der Schreck in den Gliedern. Zwei Nächte nacheinander wurden sie aus den Betten gerissen, weil Sperrmüll im Treppenhaus brannte. „Ich habe schon gedöst, als es an meine Tür hämmerte“, erzählt ein junger Mann, der wie viele Mieter des Hauses im Klinikum arbeitet, das rund die Hälfte der 89 eher kleinen Wohnungen des ehemalige Schwesternwohnheims weiter als Übergangs-Quartier für Auszubildende, Hospitanten oder andere Mitarbeiter nutzt. 

„Es ist ideal hier“, sagt Geschäftsführer Martin Ködding, der sich am Montag vor Ort ein Bild von der Lage macht – getrieben auch von der Sorge um die Gesundheit der Bewohner.Fünf von ihnen mussten mit Rauchvergiftungen ins Klinikum eingeliefert werden. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, ist dem schnellen, hoch-professionellen Eingreifen der Feuerwehr zu verdanken. Am Tag danach ist auch Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar wieder vor Ort. Ihr sieht man die Müdigkeit nach zwei schlaflosen Nächten im Einsatz nicht an. Ruhig und besonnen gibt sie Anweisungen, spricht mit den Brandermittlern, die auch vom Landeskriminalamt angereist sind.

„Unsere Freiwillige Feuerwehr muss sich hinter keiner Berufsfeuerwehr verstecken“, sagt Dittmar und lobt den hohen Ausbildungsstand der Kameraden. Auch die Zusammenarbeit der Bad Hersfelder Wehr mit den Kameraden aus Rotenburg, die mit der zweiten, modernen Drehleiter anrückten, habe hervorragende funktioniert. Über die Brandursache indes kann Dittmar noch nichts sagen. Hinter vorgehaltener Hand machen Gerüchte die Runde. Die Bewohner sind verunsichert. Seit dem Wochenende wohnt nun auch die Angst in dem Hochhaus in der Gotzbertstraße. Die Polizei wird jetzt besonders aufmerksam sein. Noch läuft der Feuerteufel frei herum. (kai)

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