Münchener soll Ex-Freundin zu Sex gezwungen und gestalkt haben

Vorwurf der Vergewaltigung: 29-Jähriger muss sich in Bad Hersfeld vor Gericht verantworten

Justizia hält eine Waage
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Justizia hält eine Waage (Symbolbild)

Weil er seine Ex-Freundin vergewaltigt und mit Anrufen terrorisiert haben soll, muss sich seit Dienstag erneut ein 29-jähriger Münchener in Bad Hersfeld vor Gericht verantworten.

Bad Hersfeld- Verhandelt wird die Sache vor dem Schöffengericht. Er soll die junge Frau in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2018 in deren Wohnung in einem Dorf in der Nähe von Bad Hersfeld nach einem Gespräch zur Klärung der Beziehung gegen deren erklärten Willen zu Oralsex und anderen sexuellen Praktiken gezwungen haben. Die Beziehung zwischen den beiden war bereits Anfang des Jahres gescheitert, unter anderem wegen des Drogenkonsums des Angeklagten und wegen dessen Eifersucht. So berichtete es zumindest die Ex-Freundin. Tatsächlich liegen die Aussagen der beiden teilweise weit auseinander.

Der Angeklagte erzählte eine rührende Geschichte, wie er mit einem Geschenkpaket zu einem Überraschungsbesuch bei seiner früheren Freundin aufgetaucht sei, wie vereinbart wurde, das Kind der Zeugin am Sonntagabend gemeinsam ins Bett zu bringen, und er dem kleinen Jungen vorgelesen habe.

Danach habe er von seiner früheren Freundin Rechenschaft über angebliche Männergeschichten verlangt und dabei auch geweint. Während er sich dann das Gesicht gewaschen habe, habe sie sich ausgezogen und ihn dann nur mit Slip bekleidet vor dem Bett erwartet.

Ihre Version dagegen ist eine ganz andere. Ihr Sohn sei gar nicht im Haus, sondern beim Opa zu Besuch gewesen. Geweint und geschrieben habe nur sie, nachdem der Angeklagte sie rüde zum Sex aufgefordert – er wolle ihr zeigen, wie man mit „Schlampen“ umgehe – und ihr dabei Schmerzen zugefügt habe.

Bereits im März soll es, so die Zeugin, zu einem nicht einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gekommen sein, den sie aber nicht angezeigt habe, weil sie nicht deutlich gesagt habe, dass sie das nicht wolle, berichtete die junge Frau.

Er dagegen sagte, sie habe von einer Anzeige abgesehen, nachdem er darauf hingewiesen habe, dass er eine Tonaufnahme von dem Sex habe mit zustimmenden Äußerungen ihrerseits.

In der Zeit von November 2018 bis Ende Januar 2019 bombardierte der Angeklagte seine Exfreundin zudem mit Telefonanrufen, teilweise zehnmal pro Nacht. Das räumte er unumwunden ein.

Der Prozess hatte im September 2019 schon einmal begonnen, war aber ausgesetzt worden, weil erst noch ein Glaubwürdigkeitsgutachten angefertigt werden sollte.

Seit er 13 Jahre alt war, habe er Drogen genommen, meistens Cannabis, einige Male auch Amphetamine, berichtete der 29-jährige Angeklagte, der zwar einen qualifizierten Hauptschulabschluss, aber bisher jede Ausbildung abgebrochen hat. Auch diverse Helferjobs, mit denen er sich finanziell über Wasser hielt, brach er immer wieder ab.

Drogen bestimmten sein Leben, je nach Finanzlage habe er mindestens ein Gramm Cannabis am Tag konsumiert, aber auch mal fünf bis sechs Gramm. Weil er eine Zeit lang auch mit Drogen handelte, musste er eine 14-monatige Haftstrafe verbüßen. Aus mehreren Therapie-Kliniken flog er raus, weil er sich nicht an die Regeln hielt. Immer wieder musste seine Mutter ihm finanziell aus der Patsche helfen.

Seit seiner Haftentlassung bereitet der Angeklagte sich jetzt mit sozialpädagogischer Unterstützung auf eine erneute Ausbildung vor, für die er bereits eine Zusage hat.

Nach Bad Hersfeld kam der Münchener vor einigen Jahren mit seiner Freundin in dem Versuch, durch ein neues Umfeld den Ausstieg aus dem Drogensumpf zu schaffen. Das gelang nicht, denn auch in Bad Hersfeld landete er schnell in der Drogenszene und versuchte außer Cannabis auch Amphetamine. Im Frühjahr 2018 zog der Angeklagte nach dem Scheitern der Beziehung zur Zeugin, die auch als Nebenklägerin im Prozess auftritt, wieder zurück nach München.

Die junge Frau hat noch immer mit den Folgen des Erlebten zu kämpfen. Sie habe große Angst gehabt, dass ihr noch etwas Schlimmeres angetan werden könnte, wenn sie sich wehre und habe lange unter Schlafstörungen und Albträumen gelitten. Eine Therapie mit Klinikaufenthalt habe ihr geholfen. Medikamente muss sie aber noch immer nehmen.

Der Prozess wird Mittwoch fortgesetzt. (Christine Zacharias)

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