Nur eine Stunde Besuchszeit

Väter dürfen im Klinikum Bad Hersfeld auch weiterhin mit in den Kreißsaal

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Eine Babyhand umfasst den Daumen eines Erwachsenen. Auch das Elternwerden verläuft wegen des Coronavirus derzeit anders als gewohnt. In vielen Krankenhäusern gelten für Väter und andere Begleitpersonen strenge Besuchsregeln rund um die Geburt. 

Im Bad Hersfelder Klinikum gilt trotz Corona-Pandemie nach wie vor kein Väter-Verbot im Kreißsaal. In Fritzlar war eine solche Entscheidung heftig kritisiert worden.

Was kürzlich in unserem Nachbarkreis für Empörung sorgte, wurde inzwischen rückgängig gemacht: Im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ist eine Begleitperson im Kreißsaal nun wieder erlaubt. In Bad Hersfeld brauchen sich werdende Mütter nicht zu sorgen – im Klinikum galt und gilt kein Verbot.

Die von der Landesregierung im März beschlossene Zweite Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus sieht zwar ein generelles Besuchsverbot in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Altenheimen vor. Allerdings sind hierbei Ausnahmen zugelassen, zu denen beispielsweise auch die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt eines Kindes zählt.

„Genau deshalb lassen wir eine Begleitperson im Kreißsaal zu“, sagt Klinikumssprecher Werner Hampe. Voraussetzung sei dabei jedoch natürlich, dass die Person keine Covid-19-Symptomatik zeige. In diesem Fall würde die Begleitung abgelehnt, um das Risiko für Mutter, Kind und nicht zuletzt die Klinik zu vermeiden.

Auch für die Tage nach der Geburt gilt eine Ein-Personen-Regelung: Für eine begrenzte Zeit von einer Stunde am Tag ist der Besuch von Mutter und Kind gestattet. Das Risiko sei überschaubar, erklärt Hampe, da die glücklichen Eltern meist ohnehin im selben Haushalt lebten. Dass in anderen Kliniken Verbote ausgesprochen wurden, kann er gewissermaßen verstehen – genauso aber auch die breite Empörung, die im Internet sogar zu Online-Petitionen führte. 

Alles besitze immer ein Pro und Contra, dies gelte insbesondere für Entscheidungen, welche die Freiheitsrechte so deutlich einschränken. „Maximal minimiert wird das Risiko natürlich durch ein komplettes Verbot. Allerdings ist die Geburt eines Kindes wie auch der Tod eines Menschen ein außergewöhnliches Ereignis im Leben und da ist das Risiko vertretbar, wenn man die Hygieneregeln einhält“, sagt er.

Für frisch gebackene Mütter, die sich mit den Besuchseinschränkungen nicht anfreunden können, besteht wie immer theoretisch auch die Möglichkeit der ambulanten Geburt, bei der bereits nach wenigen Stunden die Entlassung ansteht. Hierfür seien aber verschiedene Vorbereitungen unbedingt nötig, mahnt Hampe, und angesichts der Rund-um-die-Uhr-Überwachung durch ärztliches und pflegerisches Personal sei die „klinische Geburt“ natürlich vorzuziehen.

Die Versorgung im Bad Hersfelder Klinikum sei trotz der Corona-Thematik unverändert, die Frauen- und Kinderklinik sind wie gewohnt da. „Geburten sind nicht zu verschieben und vor neun Monaten sprach niemand von Corona – also wird ganz normal entbunden“, erklärt Hampe. Die Auslastung des Bereichs sei entsprechend wie immer.

Von Kristina Marth

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