Die Kreis-Bedienstete kommt aus Pittsburgh

Vor der US-Wahl: Klimaschutzmanagerin Jessica Stoll beobachtet ihre Heimat skeptisch

Die Klimamanagerin des Kreises Jessica Stoll steht im Schilde-Park.
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Banger Blick in die USA: Die Klimamanagerin des Kreises Jessica Stoll stammt aus Pittsburgh.

Jessica Stoll lebt in Fulda und arbeitet beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Ihre Heimat sind jedoch die USA. Vor der Wahl dort ist sie skeptisch.

Hersfeld-Rotenburg - Mit dem Klima kennt Jessica Stoll sich aus. Seit Mitte des Jahres ist die 33-jährige gebürtige US-Amerikanerin Klimaschutzmanagerin im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Bereits seit 2008 lebt die junge Frau in Deutschland, hat zuvor in Memphis, Tennessee, Biologie studiert und dann ihr Studium in Freiburg abgeschlossen.

Inzwischen ist sie mit einem Deutschen verheiratet und lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern in Fulda. Trotzdem hängt ihr Herz noch an der amerikanischen Heimat, obwohl sie weiß: Das politische Klima dort ist zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl vergiftet.

Jessica Stoll stammt aus Pittsburgh, Pennsylvania. In der Stahlarbeiterstadt, die lange Zeit mit dem Strukturwandel und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, leben ihre Mutter und ihre Schwester. Zweimal im Jahr versucht sie, schon wegen der Kinder, ihre Familie zu besuchen. Doch die amerikanische Politik belastet auch das Familienleben. „Man spricht daheim nicht mehr über Politik, weil es sonst sofort Streit gibt,“ sagt Stoll. Eine Tante von ihr, die Trump-Anhängerin ist, habe sogar die Tauffeier ihrer kleinen Tochter vorzeitig verlassen, weil man sich dort über die Politik gestritten hatte. „Beide Parteien sind in den vergangenen Jahren sehr weit auseinandergedriftet“, hat Jessica Stoll beobachtet.

Doch auch hier in Deutschland habe sich die Einstellung zur amerikanischen Politik sehr verändert. „Früher, als Studentin, wurde ich sehr oft kritisch auf die Politik von Präsident Bush angesprochen.“ Heute frage sie keiner nach Donald Trump.

Was sollte sie auch erklären? „Ich habe Angst, dass Trump die Wahl gewinnt“, sagt Jessica Stoll offen. „Mit Joe Biden hätte das Land eine bessere Chance, wieder geeint zu werden.“ Doch so richtig überzeugt ist die junge Frau von keinem der Kandidaten. „Beides sind alte, weiße Männer.“ Für neue Ideen stünde keiner von ihnen.

Die Zweifel, die Donald Trump an der wegen Corona vermutlich stark zunehmenden Briefwahl hat, teilt Jessica Stoll allerdings. Sie selbst hat schon ihre Stimme abgegeben, dabei aber diverse Probleme gehabt. Sie geht deshalb davon aus, dass Trump im Falle einer Niederlage die Wahl anfechten wird. „Ich glaube nicht, dass wir schon am 4. November ein Ergebnis haben werden“, sagt sie.

Hinzu kommt, dass viele Anhänger von Trump gerade im ländlichen Raum glauben, dass er mit seiner „America-First-Politik“ Jobs zurückbringt. Die Städte indes würden traditionell eher demokratisch wählen. „In Pennsylvania wird es deshalb vermutlich knapp werden“, meint Jessica Stoll mit Blick auf den Wahlausgang. Dabei habe ihre Heimatstadt Pittsburg den Wandel von der traditionellen Stahlindustrie hin zur grünen Technologie und zum Klimaschutz „ganz gut geschafft.“ Ansonsten habe Trump aber viele Errungenschaften im Interesse des Klimaschutzes wieder rückgängig gemacht. Doch auch Joe Biden sei ein Verfechter der umstrittenen Fracking-Technologie zur Erdgasförderung gerade im Mittleren Westen der USA.

Trotz des schlechten Klimas in den USA hat Jessica Stoll nie daran gedacht, ihre amerikanische Staatsbürgerschaft aufzugeben. „Die USA sind doch meine Heimat.“ (Kai A. Struthoff)

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