Drei Abiturientinnen in Australien

Unterwegs bei Koalas, Spinnen und Waldbränden

Am Strand von Melbourne: Vor sogenannten Brighton Bathing Boxes von links Vanessa Fuchs, Hannah Bernhardt und Patricia Leipold.

Drei junge Frauen, die im Sommer 2019 ihr Abitur am Obersberg bestanden haben, sind seit Anfang Oktober 2019 in Australien unterwegs.

Für unsere Zeitung berichtet Vanessa Fuchs  von den Reiseeindrücken  von Obersberg-Abiturientinnen Vanessa Fuchs (20) aus Kirchheim, Patricia Leipold (20) und Hannah Bernhardt (19) beide aus Niederaulaund und davon, wie sie die Waldbrände erlebt hat:

"Wenn ich mit meiner Familie oder Freunden über Australien geredet habe, klang das für mich immer ziemlich weit entfernt. Die Idee kam Patricia Leipold, Hannah Bernhardt und mir schon sehr früh. Wir kennen uns mittlerweile etwa zehn Jahre und uns Dreien war klar, dass wir nach dem Abi erst mal raus in die Welt wollen, um etwas zu erleben. Wir erhielten im Sommer 2019 unser Abitur und haben anschließend zweieinhalb Monate in den Lagern vom Amazon gearbeitet, um uns den Traum vom Reisen zu ermöglichen.

Ehe wir uns versahen, saßen wir Anfang Oktober im Flugzeug nach Australien. Wir starteten in Melbourne, also im Süden Australiens. Hier kauften wir unter anderem ein Auto, welches wir liebevoll „Manni“ tauften, und statteten es mit dem nötigen Campingequipment für unsere Reise entlang der Ostküste aus. Einen ersten Eindruck von der wunderschönen und atemberaubenden Landschaft Australiens bekamen wir auf unserem ersten Trip entlang der Great Ocean Road, einer 250 Kilometer langen Straße entlang der südlichen Küste.

Auf der Great Ocean Road: Ein Ausblick ist schöner als der andere.

Nach etwa drei Wochen in Melbourne haben wir uns auf den Weg nach Yackandandah gemacht. 300 Kilometer nordöstlich von Melbourne erwartete uns unser erster Job als Erdbeerpflücker. Manchmal musste ich während der Arbeit schmunzeln, da es mir ziemlich unwirklich erschien, um sechs Uhr morgens am anderen Ende der Welt auf einem Feld zu stehen und Erdbeeren zu pflücken. Die Erdbeerfarm verließen wir wieder recht schnell, da wir einen anderen Job als Kirschpflücker fanden. Dafür reisten wir nach Young, etwa 370 Kilometer westlich von Sydney.

Plötzlich roch es im Zelt nach Rauch

Ende November bemerkten wir dort dann auch das erste Mal etwas von den Buschfeuern. Wir waren auf einem Campingplatz untergebracht, und ich weiß noch wie ich nachts wach wurde, da alles in meinem Zelt nach Rauch roch. Am nächsten Morgen haben wir dann erfahren, dass ein Feuer etwa 70 Kilometer von uns entfernt brannte, der Wind jedoch den ganzen Rauch zu uns trug.

Morgens im Camp: Mit ihrem Auto „Manni“ und Zelten sind die drei Abiturientinnen unterwegs.

Mitte Dezember machten wir uns auf in Richtung Sydney, da wir dort die Feiertage verbringen wollten. Auf dem Weg mussten wir Gebiete durchfahren, welche sehr stark verraucht waren. Das war schon ein sehr beklemmendes Gefühl, durch Wälder zu fahren und keine klare Sicht aufgrund des Rauches zu haben. In Australien wird man permanent mit dem Thema konfrontiert.

Es gibt Apps und Internetseiten, die regelmäßig aktualisiert werden und darüber informieren, wo genau Feuer sind, ob sie unter Kontrolle sind oder ob gegebenenfalls Straßen gesperrt sind. Ich glaube, über die Medien erreichen einen in Deutschland nur Bilder von heftigen Brennpunkten. Wir hatten jedoch immer Glück, aber wir sind auch bewusst an sichere Orte gefahren. In Sydney wurden wir wider Erwarten auch nicht von den Feuern eingeschränkt. Ab und an war es mal etwas verraucht, aber absolut nicht zu vergleichen mit der Situation auf dem Weg nach Sydney.

So konnten wir die Feiertage und vor allem das große Feuerwerk an Silvester genießen. Anfang Januar ging es dann für uns in die Blue Mountains, den wahrscheinlich bekanntesten Nationalpark Australiens. Aus unserem Plan, morgens wandern zu gehen, wurde leider nichts.

Ganz oben auf in Down Under: Vor allem die schönen Strände, wie hier bei Melbourne, und die beeindruckende Natur haben es den drei Abiturientinnen vom Obersberg auf ihrer Reise durch Australien angetan. Foto: Vanessa Fuchs/Privat

Auch hier wurden wir von dem sehr starken Rauch geweckt, weshalb wir beschlossen, zurück nach Sydney zu fahren. Ein paar Tage später setzten wir unsere Reise fort, haben jetzt etwa die Hälfte der Ostküste bereist und sind mittlerweile in Brisbane angekommen.

Unsere Reise ist bisher ein voller Erfolg und übertrifft unsere Erwartungen vollkommen. Die Landschaften sind unvorstellbar schön, und auch die Menschen hier sind sehr offen und nett, man fühlt sich direkt gut aufgehoben. Wir hatten schon das Glück, Koalas, Kängurus und auch Pinguine in freier Wildbahn zusehen.

Natürlich hatten wir auch schon Begegnungen mit der einen oder anderen Spinne, glücklicherweise jedoch nicht sooft, wie wir es erwartet hatten. Zum jetzigen Stand haben wir rund 2000 Kilometer hinter uns gelassen und werden voraussichtlich bis Ende Mai die restliche Ostküste und das Outback, einschließlich dem Uluru bereist haben.

Hannah wird ihre Reise erst Ende des Jahres beenden, wohingegen Patricia im September Umweltwissenschaften in Gießen studieren möchte und ich im August meine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement bei GLS starte. Auch wenn es in der heutigen Zeit sehr einfach ist, mit modernen Technologien Kontakt zu halten, freuen wir uns nach der langen Zeit alle wieder auf unsere Familien und Freunde in Deutschland.

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