Landkreis ist gut aufgestellt

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft unterstützt Unternehmen

Unternehmen aus dem Landkreis werden von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft unterstützt
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WFG-Geschäftsführer Bernd Rudolph will den Wirtschaftsstandort Hersfeld zukunftssicher machen.

Vernetzen, beraten und fördern – Ziele der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Hersfeld-Rotenburg. Im Interview äußert sich Geschäftsführer Bernd Rudolph zu aktuellen Themen.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat einige Unternehmen aus Nachbarkommunen abgeworben, die mindestens 200 Jobs bieten, Gewerbesteuer in Millionenhöhe zahlen und dabei keinen Dreck machen. Oder? Spaß beiseite. Wie sieht Ihre Bilanz nach gut fünf Jahren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg aus?

Aufgrund der aktuellen Situation im Arbeitsmarkt sehr positiv. Betrachtet man die Situation, die wir vor 20 – 25 Jahren vorfanden, hat die Region die neu entstehenden Chancen aktiv genutzt. Vor allem die Logistik und der Gesundheitsmarkt haben hierzu beigetragen und der Bergbau hat nach wie vor hohe Bedeutung für den Wirtschaftsstandort. Aber auch das verarbeitende Gewerbe und das Handwerk, die Dienstleistungen und der Tourismus tragen ebenso wie die öffentliche Verwaltung zu der positiven Entwicklung bei. Mehrere Unternehmenserweiterungen mit entsprechenden Investitionen haben diese positive Entwicklung in den letzten Jahren weitergetragen.

Wie schlägt sich Hersfeld-Rotenburg im harten Wettbewerb um attraktive Arbeitgeber?

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind in unterschiedlichen Branchen bereits sehr attraktive Arbeitgeber ansässig. Dies wird auch durch die positive Pendlerbilanz bestätigt.

Was waren die größten Erfolge?

Nach der Grenzöffnung im Jahr 1989 konnte der Landkreis Hersfeld-Rotenburg viele Erfolge in der Ansiedlung neuer Unternehmen verzeichnen. Zu diesen zählen bekannte Namen wie GLS, Amazon, Libri, DHL, Hermes und weitere. In jüngerer Zeit nehmen die hier ansässigen Unternehmen Erweiterungen vor und schaffen so weitere Arbeitsplätze. Ein wichtiges Projekt ist in diesem Zusammenhang auch die Ansiedlung von ACO Passavant in Friedewald, das ein langfristiges Bekenntnis des Unternehmens zur Wirtschaftsregion darstellt. Mit GVS in Friedewald und Summacom in Bad Hersfeld haben sich auch neue Unternehmen in der Region angesiedelt. Aber auch die vielen Projekte, in denen die WFG im Hintergrund unterstützen und vernetzen konnte, sind in der Summe genauso wichtig – allerdings für Außenstehende nicht sichtbar.

Wo liegen die Defizite?

Die aktuell sehr gute wirtschaftliche Situation basiert auf dem Machbaren. Hier nehmen viele Parameter auf Ausrichtung und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Einfluss. Daher möchte ich eher von Herausforderungen sprechen. Eine der großen Herausforderungen für die Region wird sicher die zukünftige Verfügbarkeit geeigneter Fach- und Führungskräfte sein.

Wie hilft die Wirtschaftsförderung den Unternehmen, die sich ansiedeln oder erweitern wollen?

Wir verstehen uns vor allem als Netzwerkpartner. Vor diesem Hintergrund ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein wichtiges Bindeglied zwischen den Unternehmen und der Region. Dies betrifft die Suche nach geeigneten Standorten, die Abstimmung mit regionalen Behörden, die Herstellung von Kontakten zu Gebern von Fördermittel, die Einbindung in regionale und überregionale Netzwerke und die Inanspruchnahme von möglichen Beratungsdienstleistungen. Hier kooperieren wir sehr eng mit den Kollegen der IHK, der Kreishandwerkerschaft, dem Regionalmanagement Nordhessen.

Wie groß ist das Interesse von Seiten der Start Ups und des Mittelstands von Ihren Angeboten? Müssen Sie da noch Überzeugungsarbeit leisten?

Im Falle der Ansiedlung von Unternehmen – auch Start Ups - ist die schnelle Reaktion auf die Anfrage ein wichtiger Faktor. Daher ist es uns wichtig, umgehend entsprechende Hilfeleistung und Orientierungen geben zu können. Dies hat bisher sehr gut funktioniert. Das Thema Start Up bzw. Existenzgründung liegt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in der Verantwortung der Industrie- und Handelskammer. Die Wirtschaftsförderung ist Teil des Netzwerkes Existenzgründung und bringt seine Möglichkeiten und Verbindungen ein.

Supermärkte ziehen auf die „grüne Wiese“, kleinere Läden verschwinden, der potenzielle Einkäufer sieht immer wieder leere Schaufenster. Hat der „kleine“ Einzelhandel in mittleren Orten überhaupt noch eine Chance?

Der Einzelhandel gehört nicht zu den Kernaufgaben der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hersfeld-Rotenburg. Hier sind die Kollegen der Industrie- und Handelskammer die ersten Ansprechpartner. Generell kann man sagen, dass die Wahrnehmung von Angeboten immer auch eine Frage der Attraktivität für die relevanten Zielgruppen ist. Dies gilt sicher auch in dieser Frage.

Kann die Stadt helfen? Oder müssen die Immobilienbesitzer mehr tun?

Ein Partner allein wird dieses Problem nicht lösen können. Daher ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Stadt, Einzelhandel und Immobilienbesitzern sicher eine gute Grundlage, um die Innenstadt für die Bürger attraktiv zu machen.

Was braucht Bad Hersfeld mehr: Zusätzliche Industriegrundstücke? Schnelleres Internet? Oder muss die Stadt ihre „weichen Standortfaktoren“ wie Kindergärten oder Kultur weiter ausbauen?

Das Eine tun ohne das Andere zu lassen. Ohne geeignete Gewerbeflächen und die notwendige Infrastruktur können sich Bestandsunternehmen nicht entwickeln bzw. neue Unternehmen ansiedeln. Vor dem Hintergrund des vorhandenen Wettbewerbs der Standorte und den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt ist es in einem weiteren Schritt ebenso wichtig, dass auch die Rahmenbedingungen entsprechend positiv besetzt sind. Die soziale Infrastruktur, Wohnraumkosten und das kulturelle Angebot sind dann wesentliche Parameter.

Welche Hürden und Hindernisse gilt es noch zu überwinden, damit der heimische Wirtschaftsstandort zukunftsfähig wird?

Neben der bereits angesprochenen Verfügbarkeit von Fachund Führungskräften ist die Entwicklung von geeigneten Gewerbe- und Industrieflächen ein Thema. Neue und zusätzliche Flächen können aber nur in enger Abstimmung mit der Regionalplanung und den Kommunen verifiziert und realisiert werden.

Eine weitere zentrale Herausforderung ist es, die Chancen aus der Digitalisierung auch im ländlichen Raum für wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen. Dies ist kein endlicher Prozess, sondern auch eine Denk- und Arbeitsweise. Ich denke da z.B. an die Verlagerung von Serviceleistungen aus den Ballungsräumen. Wenn uns das gelingt, ist es eine gute Basis zur weiteren Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Hersfeld-Rotenburg.

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