Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Die Unschuld im Rathaus und Verlustangst

Karl Schönholtz

Denkwürdige Pressemitteilungen des Bürgermeisters und ein seltsames Interview sind Themen in unserer Wochenkolumne von Karl  Schönholtz.

Getreu dem schönen Motto „Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen“ hat Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling in dieser Woche zwei Pressemitteilungen verbreiten lassen, die nur beim ersten Hingucken den Eindruck von Einsicht, Reue und Fürsorge vermittelt haben.

Seiner Entschuldigung für den unwürdigen Auftritt bei der Premierenfeier der Festspiele folgt nämlich im selben Atemzug der Fingerzeig auf Fehler und Pannen, die seine Mitarbeiter zu verantworten haben. Wie man hört, war man in der Verwaltung nicht nur not amused, sondern ziemlich empört.

Eine schöne Volte auch der zweite Fehling-Text, den die HZ gar nicht erst veröffentlicht hat. Die vom Magistrat ohne konkreten Anlass erklärte Rückendeckung für Festspiel-Intendant Joern Hinkel verknüpfte der Rathaus-Chef nämlich mit einer Schelte für die Presse, die er für die Verbreitung von Gerüchten um ein Comeback von Hinkels Vorgänger Dieter Wedel verantwortlich machte. Bisschen durchsichtig, weil es ja Fehling selbst ist, der durch seine wiederholte Nähe zu Wedel den Gerüchten beständig Nahrung liefert.

Ach ja, Dieter Wedel. Der hat in einem länglichen Video-Interview, das seit vergangenem Wochenende kursiert, alles sagen dürfen, was ihn so bewegt. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden, würde er sich in manchen Punkten nicht ganz offensichtlich die Welt passend zurechtbiegen.

Die Bad Hersfelder Festspiele vor seiner Intendanz niemals restlos ausverkauft? Quatsch, das gab es schon im Jubiläumsjahr 2000 unter Peter Lotschak. Auch die Behauptung, früher hätte kaum jemand hinter Reihe 15 gesessen, ist blanker Unsinn. Und die Mär von der schlechteren Sicht auf die Bühne ebenfalls, denn am Sichtfeld hat auch die Neuordnung der Sitzreihen nichts geändert.

Im Übrigen: Was es zu Dieter Wedel aktuell zu sagen gibt, das sagt Joern Hinkel in unserem Montagsinterview, das Sie übermorgen in Ihrer HZ lesen können.

Smart City Bad Hersfeld: Die schönen neuen Zugzielanzeiger am Bahnhof waren schon kurz nach dem Hessentag gestört. Weiße Streifen, wo keine sein sollen, zieren den eigentlich blauen Hintergrund – und das schon seit fast sechs Wochen. Nicht schön. Ich stelle dazu aber ausdrücklich fest: Der Hersfelder Bürgermeister kann nichts dafür.

Gerücht oder nicht? Die Nachricht, dass Wendts Dorfladen am Bad Hersfelder Marktplatz schließen würde, ließ viele im Städtchen den Verlust einer Institution befürchten. Warum wir als Zeitung denn nicht darüber berichten, wollten einige auch wissen. Das liegt schlicht daran, dass das Aus noch gar nicht besiegelt ist. Zwar war mangels Nachfolger die Schließung zum 30. September in der Tat angedacht. Nun würden laut der Inhaberin aber doch noch Gespräche geführt und es zeichne sich eine Lösung ab. Vielleicht hat der urige Dorfladen also doch noch eine Zukunft.

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