Aufsichtsrat der Burghauner Bank sieht Vorstands-Versagen

Unruhe vor weiterer Bankenfusion: Asbach und Sorga betroffen

Das Bild zeigt die Raiffeisenbank Burghaun. Daneben ist die Kirche mit Kirchturmuhr zu sehen.
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Fünf vor sechs. Oder fünf vor zwölf? Kommende Woche wird über die Zukunft der Raiffeisenbank Burghaun entschieden.

Vor der geplanten Fusion der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun und der VR-Bank NordRhön herrscht Unruhe.

Bad Hersfeld/Burghaun - Wenn alles nach den Wünschen von Aufsichtsrat und Vorstand geht, dann sind die Tage der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun gezählt: In einer Woche soll erst die Burghauner Generalversammlung und tags darauf die Vertreterversammlung der VR-Bank NordRhön über die Verschmelzung der Banken entscheiden.

Nachdem die Bank jahrelang die Bedeutung ihrer Eigenständigkeit betont hatte, müssen die Genossen nun zum zweiten Mal innerhalb von 13 Monaten über eine Fusion abstimmen In diese 13 Monate fällt auch der Austausch aller drei Vorstände, die den Zusammenschluss zur Raiffeisenbank Asbach-Burghaun auf den Weg gebracht und als „Fusion aus Weitsicht“ gelobt hatten. Offenbar verlief aber der Zusammenschluss der beiden Geldinstitute durchaus nicht harmonisch.

Äußere Anzeichen waren die sich weiter fortsetzenden Personalquerelen. Zunächst musste Vorstand Thomas Hüttner seinen Stuhl räumen, wenig später berief der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Elmar Oss auch dessen Kollegen Carsten Glebe (Burghaun) und Hartmut Schenk (Asbach) ab. Die neuen Vorstände, Tim Schnabel und Walter Mengel, kommen aus dem Haus der VR-Bank NordRhön. Zeitgleich wurde die Verschmelzung mit der Hünfelder Bank angekündigt.

Diese Fusion hat möglicherweise unter den Bankgenossen in Burghaun und Asbach nicht nur Befürworter. Ein Anzeichen dafür ist ein mehrseitiger Brief, den der frühere Burghauner Vorstand Helmut Glebe an sehr viele der Bankgenossen verteilt hat und der Redaktion von verschiedenen Seiten zur Kenntnis gebracht wurde. Glebe, der selbst lange Vorstand der Burghauner Bank war und zudem Vater des früheren Vorstands Carsten Glebe ist, erhebt darin massive Vorwürfe gegen die Leitung der Bank.

Deshalb nimmt Oss nun im Namen des Aufsichtsrats dazu Stellung. Der Grund für die Verschmelzung mit der VR-Bank Nordrhön sei, dass die Umsetzung der 2019 beschlossenen und eingetragenen Fusion mit der Asbacher Bank nicht erfolgt sei. „Die drei Vorstände Glebe, Hüttner und Schenk haben sich über Wochen gegenseitig blockiert. Die technische Fusion hätte allein aus diesem vom Vorstand zu verantwortenden Grund nicht mehr durchgeführt werden können.“ Daher habe der Vorstand das Vertrauen des Aufsichtsrats, der seit dem Herbst zahllose Sitzungen abgehalten habe, verspielt. Glebes Vorwürfe seien eine „Vermischung aus Bankgeheimnissen und Halbwissen“.

Man werde bei der Generalversammlung – soweit es der rechtliche Rahmen zulasse – zu den Vorwürfen Glebes Stellung nehmen, betonen Oss und die Vorstände Walter Mengel und Tim Schnabel im Gespräch mit unserer Zeitung. Letztlich sei die angestrebte Fusion der einzig sinnvolle Weg, der die Arbeitsplätze und den Bestand der Geschäftsstellen in Asbach, Burghaun und Sorga sichere. (Hartmut Zimmermann)

Ex-Vorstand Helmut Glebe schreibt an Bank-Genossen 

„Die Genehmigung des Jahresabschlusses der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun für 2019 ist abzulehnen!“ So steht es über dem vierseitigen Brief, den der Ex-Vorstand Helmut Glebe (68) geschrieben hat. Darin bemängelt er, dass der Jahresabschluss die von der Burghauner Bank erstellen Wohnimmobilien unter Wert ansetze. Dadurch würden die Burghauner Bankmitglieder geschädigt. Die Bilanz entspreche nicht der Wahrheit und sei daher abzulehnen. Der Status der Bank sei deutlich besser als die Zahlen, behauptet Glebe in seinem Brief. Mit Verweis auf den Bericht eines Wirtschaftsprüfers, schreibt Glebe von einem „Kreditbetrug in beträchtlicher Größenordnung“. In einem dem Brief beigefügten Blatt will Glebe offenbar Mitglieder ermutigen, einen von ihm formulierten Antrag an die Generalversammlung zu unterstützen, in dem er unter anderem eine Aussetzung des Verschmelzungsbeschlusses „wegen des Ingangsetzens staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen“ im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss der Bank fordert. Die Staatsanwaltschaft Fulda betonte am Mittwoch auf Anfrage der Redaktion, „dass einschlägige Ermittlungsverfahren hier nicht vorliegen“. Wie Aufsichtsrat Elmar Oss mitteilte, sei Glebes Antrag auf Änderung der Tagesordnung nicht fristgemäß eingegangen. 

Zwei Versammlungstermine in Fulda

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen stimmen die Bankgenossen aus Burghaun und Asbach sowie die Vertreterversammlung der VR-Bank NordRhön über die auf den Weg gebrachte Verschmelzung ab: Für Donnerstag, 13. August, hat Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Oss zur Generalversammlung der Raiffeisenbank Asbach-Burghaun eingeladen. Am Freitag, 14. August, entscheidet die Vertreterversammlung der VR-Bank NordRhön. Beide Sitzungen beginnen um 19 Uhr. Und beide finden, um Abstand halten zu können, im Fuldaer Kongresszentrum Esperanto statt. 

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