Böse Unterstellungen, Parkscheine, Festspiele

Zwischen den Zeilen: Unmut und Unsicherheit

In ihrer Kolumne „Zwischen den Zeilen“ befasst sich Nadine Maaz mit bösen Unterstellungen, Parkscheinen und den Festspielen.

Nadine Maaz, Redakteurin der Hersfelder Zeitung

In was für einer Welt leben wir eigentlich, fragt der eine oder andere gern. Und wenn ich online die unsäglichen Kommentare unter unserem Artikel über Amy Petzel lese, die mit 19 Jahren nun die jüngste Stadtverordnete in Bad Hersfeld ist, frage ich mich das auch. „Jung und links. Da kriegt man in den Medien auch einen Artikel“, „Studium der Politikwissenschaften stimmt ja schon mal“ und „Warum arbeiten, wenn einen der Steuerzahler versorgen kann?“, heißt es da etwa und soll wohl bedeuten, dass Politiker kein richtiger Beruf ist. Ist er in diesem Fall ja auch nicht, da sich die Studentin in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagiert. Ob sie sich vorstellen kann, später auch mal hauptamtlich ins Politbusiness einzusteigen, ist gar kein Thema. Warum also einem engagierten jungen Menschen, der im Gegensatz zu vielen Internetposern mit Namen und Gesicht für seine Sache einsteht, diesen Einsatz gleich absprechen? So mancher Facebook-Kommentator würde nun reflexartig was schreiben? Armes Deutschland!

So richtig geärgert hat sich letztes Wochenende auch Pfarrer Frank Nico Jaeger. Offenbar zum wiederholten Male hatten Vandalen vor dem Gemeindezentrum am Johannesberg randaliert. Auf Facebook ließ Jaeger daraufhin Dampf ab. „Wenn du Langeweile hast, mäh den Rasen, kauf für die Nachbarschaft ein oder geh mit Hunden aus dem Tierheim spazieren. Schämt euch“, wandte er sich an die Zerstörer eines Schaukastens. Gleich drei gute Ideen – doch bei gut gemeinten Ratschlägen blieb es nicht. Anzeige wurde ebenfalls erstattet. Richtig so.

Vor einem anderen Kasten standen die Menschen indes am Dienstag Schlange. Auf dem Marktplatz streikte von morgens bis zum frühen Nachmittag, ausgerechnet am Markttag, der Parkscheinautomat, doch unter der dort angezeigten Telefonnummer meldete sich niemand. Für einen unserer Leser ein Grund, sich per E-Mail an uns zu wenden. Stadtsprecher Meik Ebert reagierte prompt und erklärte die missliche Lage mit gleich mehreren Personalausfällen und einer „unglücklichen Verkettung“. Er versicherte zudem, dass den unfreiwilligen Schwarzparkern natürlich kein Schaden entstehe. Denn in solchen Fällen würden dann keine Knöllchen verteilt, und sollte doch jemand eines bekommen, reiche ein kurzer Hinweis an die Verwaltung und das Ordnungswidrigkeitsverfahren werde eingestellt. Außerdem gab es von ihm noch folgenden Hinweis: „So kompetent die Kollegen bei der HZ in puncto Zeitung sind – Parkscheinautomaten reparieren sie nicht.“ Stimmt.

Noch zehn Wochen, dann sollen die Festspiele beginnen, doch ist die Premiere am 25. Juni mit einer Bundes-Notbremse bis Ende Juni überhaupt noch möglich? Denn neben der Schließung von Theatern und Bühnen gilt damit bei Inzidenzen über 100 auch die Ausgangssperre ab 22 Uhr. „Noch ist es zu früh, um etwas zu sagen“, heißt es dazu seitens der Festspiele, und auch bei der Stadt hält man sich bedeckt. Das ist verständlich, sicher wird aber hinter den Kulissen weiter mit allen Eventualitäten geplant. Denn wie sieht es überhaupt mit Open-Air-Spielstätten aus? Bisher waren Joern Hinkel und sein Team schließlich auch nicht nur optimistisch, sondern vor allem um kreative Lösungen und Alternativen bemüht. Gehen wir statt nur mit Ärger also lieber mit einem guten Gefühl ins Wochenende. (Nadine Maaz)

Rubriklistenbild: © Eisenberg, Jan-Christoph

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare