Fataler Tritt aufs Gaspedal

Unfall wirft Leben einer Frau „aus den Fugen“

Schwerer Unfall am 28. Januar 2019 auf der B 83 zwischen Heinebach und Rotenburg.
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Schwerer Unfall am 28. Januar 2019 auf der B 83 zwischen Heinebach und Rotenburg.

Nach einem schweren Unfall bei Alheim ist eine Frau schwerbehindert. Der verantwortliche Fahrer eines teuren Sportwagens bekommt eine Geldstrafe.

Bad Hersfeld – Zu einer Geldstrafe ist ein 30-Jähriger aus Morschen verteilt worden, der im Januar 2019 auf der Bundesstraße 83 bei Alheim einen schweren Unfall verursacht hatte, der das Leben einer 58-Jährigen komplett aus der Bahn warf. „Das war ein Tag, an dem alle verloren haben“, sagte die Bad Hersfelder Strafrichterin Christina Dern, nachdem sie einen 30-Jährigen aus Morschen wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 8100 Euro Geldstrafe verurteilt hatte.

Mit 180 Tagessätzen zu je 45 Euro verdoppelte sie den Antrag von Staatsanwalt Patrick Greyer, ging auch über die von der Nebenklage beantragten 120 Tagessätze hinaus und zog den von der Verteidigung anvisierten Freispruch wohl nicht einmal in Betracht.

Denn die tragischen Folgen des schweren Verkehrsunfalls vom 28. Januar 2019 auf der Bundesstraße 83 zwischen Heinebach und Rotenburg waren im Gerichtssaal in Gestalt einer 58 Jahre alten Frau aus Homberg präsent, deren Leben – wie sie selbst sagte – an jenem Abend „aus den Fugen geraten“ war.

Den Zusammenstoß ihres BMW mit dem entgegenkommenden Ford Mustang GT 500 – einem Geschoss mit 420 PS – hatte sie zwar knapp überlebt, doch auch heute läuft sie nach einem guten Dutzend verschiedenster Operationen und Reha-Aufenthalte noch an Krücken.

Joggen, Radfahren, Skilaufen – all das, was die Betriebsprüferin vor dem Unfall mit Leidenschaft betrieb, ist ihr heute nicht mehr möglich. Sie ist zu 85 Prozent schwerbehindert, sieht alles doppelt, trägt Hörgeräte und hat so viel Metall im Körper, dass sie noch unentschlossen ist, ob sie die neuen Narben bei einer Entfernung von Schienen und Schrauben in Kauf nehmen möchte.

Der Angeklagte hingegen war mit einer Gehirnerschütterung und einer gebrochenen Nase vergleichsweise glimpflich davongekommen. An den Unfall selbst erinnern sich beide nicht, doch anhand eines Sachverständigengutachtens ließ sich der Ablauf gut nachvollziehen.

Der Berufskraftfahrer hatte den eigentlich über den Winter eingemotteten Ford angesichts zunächst schönen Wetters für eine Besorgungsfahrt aus der Garage geholt. Dass das erst ein Jahr alte Auto lediglich mit Sommerreifen bestückt war, wusste er. Zudem waren diese aufgrund „dynamischer Fahrweise“ nach nur 10.000 gefahrenen Kilometern schon arg verschlissen.

Der Event-Data-Recorder seines Mustangs verriet, dass er mit etwas mehr als den erlaubten 100 km/h unterwegs war, als er ausgangs von zwei Linkskurven beschleunigte, die Kontrolle verlor und in den Gegenverkehr schleuderte. Der Tritt aufs Gaspedal in Kombination mit den laut Gutachter für feuchte Fahrbahn und niedrige Temperaturen ungeeigneten Sportreifen waren dann auch die Ursachen für den Unfall.

Dass der Verteidiger diese Fahrweise nicht für vorwerfbar hielt, erschloss sich den anderen Prozessbeteiligten nicht. Sein Mandant jedenfalls nahm das Urteil an, das sofort rechtskräftig wurde. (Karl Schönholtz)

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