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Trotz steigender Energiepreise: Freibäder im Kreis Hersfeld-Rotenburg bleiben warm

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Von: Daniel Blöthner

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Im Rotenburger Waldschwimmbad reinigen Azubi Franziska Schmoll und Emil Kremser, Fachangestellter für Bäderbetriebe, die Rutsche.
Saisonvorbereitung: Im Rotenburger Waldschwimmbad reinigen Azubi Franziska Schmoll und Emil Kremser, Fachangestellter für Bäderbetriebe, die Rutsche. © Daniel Blöthner

Die Energiekrise trifft viele Bereiche der Wirtschaft. Auch Schwimmbäder bleiben dabei nicht außen vor.

Hersfeld-Rotenburg - Dennoch ändert sich an den Eintrittspreisen für die bevorstehende Saison fast nichts (Sontra bildet hier eine Ausnahme) und auch die Wassertemperatur bleibt fast überall auf Vorjahresniveau. Ein Grund dafür ist die weitestgehende Verwendung von Sonnenenergie zur Beheizung des Wassers.

Der gute Vorverkauf für Saisonkarten bei einigen Bädern unterstreicht zudem die Vorfreude der Gäste.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und in den umliegenden Bädern wird bereits größtenteils mit Sonnenenergie beziehungsweise Absorberanlagen geheizt, womit in einem Bad rund 70 Prozent des Energiebedarfs gedeckt werden können. Stellenweise erreichen die Badbetreiber mittels weiterer Methoden die jeweils gewünschte Temperatur.

Eine Ausnahme bildet das Bad Hersfelder Geistalbad, das neben einem Blockheizkraftwerk ganz auf Gas angewiesen ist. Im Badepark Ronshausen wurde die Wunschtemperatur bislang mit Öl erreicht, wenn die Absorberanlage allein nicht ausreichte. Durch Umbauarbeiten bis zum geplanten Saisonstart Ende Mai wird diese Differenz anschließend mit Gas gedeckt. Ganz ohne Heizung kommt indes das Schwimmbad Vacha aus, das als Naturbad ausschließlich durch die Sonne geheizt wird. Für alle anderen Badbetreiber gilt es stets abzuwägen, welches Einsparpotenzial möglich ist, ohne Besucher aufgrund zu kalten Wassers zu verprellen. Das Wärmeempfinden ist allerdings sehr individuell.

Einsparpotenzial gibt es auch bei den Attraktionen wie Rutschen und Strömungskanälen, die bei weniger Besuchern nicht so oft eingeschaltet werden müssen wie bei vielen Badegästen. Dies wird unter anderem im Freizeit- und Erlebnisbad Sontra bereits so gehandhabt.

Im Badepark Eiterfeld wird die Mindesttemperatur im großen Becken herabgesenkt, wobei dies an sonnigen Tagen keine Auswirkung auf das Badevergnügen haben soll, heißt es.

Terminbuchungen, um sich den Besuch im Freibad zu sichern, gibt es in der anstehenden Saison nicht mehr. Mit dem Wegfall vieler Hygienemaßnahmen erwartet die Besucher eine reguläre Badesaison wie vor der Corona-Pandemie. Wenn sich die Sonne nicht hinter dichten Regenwolken versteckt, steht einer ausgedehnten Badesaison in der Region also nichts mehr im Wege.  

Umdenken in den Schwimmbädern

Aufgrund der steigenden Energiepreise durch den Ukraine-Konflikt sowie der Möglichkeit eines Gas-Embargos findet ein Umdenken in den Schwimmbädern in Hessen statt. Außerhalb des Kreises senken einige die Temperaturen im Becken oder den umliegenden Räumlichkeiten ab, um Energie zu sparen. Andere sind mit ihren Außenbecken bereits an der Untergrenze. Viele Bäder agieren aber auch außerhalb der Diskussion, da bereits mit Sonnenenergie geheizt wird. (dan)

Saison in Bebra ist in Gefahr

In den nächsten Wochen öffnen zahlreiche Schwimmbäder für die Gäste, die sich nach Bewegung im kühlen Nass sehnen oder einfach nur eine Erfrischung benötigen. Die Eintrittspreise bleiben zur Vorjahressaison unverändert und der Schwimmbadbesuch gestaltet sich wie vor der Pandemie – ein gutes Zeichen für die wärmeren Monate.

Auch bei der Wassertemperatur verändert sich trotz steigender Energiepreise nach aktuellem Stand bei den Bädern im Landkreis nichts. Viele Bäder, wie in Kirchheim und Nentershausen, gewinnen ihre Temperatur ohnehin rein aus der Sonne, arbeiten mit Solar- und Absorberanlagen. Andere Bäder wie Philippsthal und Schenklengsfeld verwenden Mischformen, um auf die gewünschte Wassertemperatur zu kommen.

Dem Heringer Hallenbad kommt eine Pelletsanlage zu Gute, während der Freibadbereich in Vacha ein Naturbadbereich ist und ausschließlich durch die direkte Sonneneinstrahlung gewärmt wird. In Heringen wird das Hallenbad bei schlechtem Wetter geöffnet, weshalb die Heizmethode auch im Sommer relevant ist.

Im Rotenburger Waldschwimmbad werden mindestens 23 Grad angepeilt, wobei mittels zuschaltbarer Fernwärme auch 25 Grad möglich sind. „Wir geben unser Bestes und arbeiten parallel an beiden Becken und der Rutsche“, fasst Emil Kremser, Fachangestellter für Bäderbetriebe, die aktuellen Arbeiten zusammen. „Wenn die Sonne stark scheint, ist es auch ohne Fernwärme warm genug im Becken.“

Auch von der Verwaltung in Eiterfeld wird dieser Eindruck für das eigene Bad bestätigt. Um dennoch etwas Energie zu sparen, wurde für den Betrieb des Schwimmbades am Rande des Landkreises Hersfeld-Rotenburg kürzlich die angepeilte Mindesttemperatur gesenkt. Während das Kinderbecken weiterhin auf 23 Grad temperiert sein soll, wurde die angepeilte Mindesttemperatur im großen Becken von 23 auf 20 Grad gesenkt. Im Badepark wird mittels Solarmatten geheizt und bei Bedarf mit Gas zugearbeitet. Auf Nachfrage heißt es aber auch hier, dass an sonnigen Tagen zum Heizen kein Gas notwendig sei, weshalb man sich bei gutem Wetter keine Gedanken über die Wassertemperatur machen müsse.

Im Bebraer Biberbad gibt es derzeit ganz andere Probleme: Die gesamte Freibadsaison ist in Gefahr, weil zwei Bademeister langfristig erkrankt sind. „Mit einem können wir den Betrieb, auch aus rechtlichen Gründen, nicht stemmen“, sagt Bürgermeister Stefan Knoche. Derzeit werde im Rathaus und bei den städtischen Eigenbetrieben nach einer Lösung gesucht. In trockenen Tüchern sei die Saison leider noch nicht. Der Bürgermeister hofft aber darauf, bald Entwarnung für die Badegäste geben zu können.

Die Stadt Sontra gleicht sich hinsichtlich der Temperatur dem Vorgehen der Bäder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg an, will aber bewusster Attraktionen steuern, um an dieser Stelle Energie zu sparen.

„Es ist mit und ohne Corona ein Zuschussgeschäft“, ist Kay Thimet überzeugt, der mehrere Bäder in Hersfeld-Rotenburg betreibt.

Die Angestellten und Betreiber vieler Bäder sind sich einig darüber, dass der Besucherstrom ungebrochen sein wird und weiterhin gerne geschwommen wird. „Durch den Saisonkartenvorverkauf bekamen wir schon eine positive Resonanz, dass sich die Leute auf den Besuch im Schwimmbad freuen“, zeigt sich Thimet positiv. (Daniel Blöthner)

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