Bauland ist gefragt, aber rar - Trend ist ungebrochen

Trotz Corona-Krise: Immobilienpreise im Kreis Hersfeld-Rotenburg steigen weiter

Schaffe, schaffe, Häusle baue: Im Baugebiet Schieferstein in Bad Hersfeld wird weiter fleißig gebaut. Während die ersten Neubauten schon längst bezogen sind, haben andere Bauherren gerade erst die Bodenplatte für das eigene Heim gegossen.
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Schaffe, schaffe, Häusle baue: Im Baugebiet Schieferstein in Bad Hersfeld wird weiter fleißig gebaut. Während die ersten Neubauten schon längst bezogen sind, haben andere Bauherren gerade erst die Bodenplatte für das eigene Heim gegossen.

Die Coronakrise hatte bislang keinen Einfluss auf den Immobilienmarkt im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Der Trend zum Betongold ist ungebrochen.

Hersfeld-Rotenburg – Dabei spielen die anhaltend niedrigen Zinsen weiter eine wichtige Rolle. Zu dieser Einschätzung kommen Fachleute der hiesigen Banken bei einer Umfrage unserer Zeitung. „Die Nachfrage und die Preise sind unverändert gestiegen“, berichtet Florian Volkmann, Leiter des Immobiliencenters der Sparkasse. Die Preissteigerung habe bei etwa sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen.

Maik Schuchardt von der VR-Immobilien & Service GmbH registriert zwar keine wesentlichen Erhöhungen der Kauf- und Mietpreise. „Erkennbar ist aber nach wie vor, dass die Anlagemöglichkeit Immobilie, vor allem im höheren Preissegment, auf aktives Interesse stößt.“

Dieses Interesse übersteige in unserer Region aber oftmals das Angebot, erklären beide Experten übereinstimmend. „Es gibt eindeutig einen Trend zu Sachwerten, der zu einer anhaltend hohen Immobiliennachfrage führt“, sagt Florian Volkmann.

Dabei seien immer noch vor allem Häuser gefragt, obwohl auch das Interesse an Etagenwohnungen steige. „Das ist eine Frage des Angebotes und des Geldbeutels.“ Doch auch für eine Neubauwohnung mit sehr guter Ausstattung in einer gefragten Wohnlage in Bad Hersfeld werde ein Preis von bis zu 4000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche aufgerufen.

Maik Schuchardt erklärt, der Durchschnittspreis bei Immobilienverkäufen in Bad Hersfeld habe bei 157 000 Euro und in Rotenburg/Bebra bei 121 000 Euro gelegen.

Die meisten Kunden suchten nach innenstadtnahen Objekten, so die Fachleute. Vor allem die Kreisstadt sei gefragt. „Die Nachfrage und auch die Preissteigerungen haben sich bis in die ländlichen Gemeinden ausgeweitet“, heißt es von der Sparkasse. Viele Gemeinde haben neues, bezahlbares Bauland ausgewiesen, doch die Nachfrage übersteige das Angebot.

Bauland ist gefragt, aber rar

Ein eisiger Wind weht über das Neubaugebiet hoch oben am Bad Hersfelder Schieferstein. Weißer Puderschnee bedeckt aufgeworfene Erdhaufen. Ein Richtkranz schaukelt leicht in der noch leeren Fensterhöhle eines Rohbaus. Die Arbeit auf den Baustellen ruht zu dieser Jahreszeit, aber der Trend zu den eigenen vier Wänden geht trotz Coronakrise auch in unserer Region ungebrochen weiter.

Nicht nur Alt-Immobilien sind gefragt, sondern auch Bauplätze. „Das Interesse an Bauland ist äußerst hoch, das Angebot aber gering“, sagt Maik Schuchardt, Immobilienexperte des VR-Bankvereins. Das bestätigt auch Florian Volkmann von der Sparkasse: „Die Nachfrage nach Bauland ist gestiegen, jedoch wirken hier die ebenfalls stark gestiegenen Baukosten leicht bremsend.“ Denn auch die Baufirmen in der Region sind gut durch die Krise gekommen, was Auswirkungen auf die Preise hat.

Deshalb entscheiden sich dann doch manche Häuslebauer für eine Alt-Immobilie. Beim VR-Bankverein müssen Käufer und Verkäufer im Durchschnitt etwa sechs Monate auf einen erfolgreichen Abschluss warten, eine Vermietung erfolge im Schnitt nach etwa vier Monaten. Rund 50 Häuser und Wohnungen hätten in den vergangenen zwölf Monaten über die VR-Immobilien & Service GmbH vermittelt werden können, berichtet Maik Schuchardt.

Von der Sparkasse heißt es: Wenn das richtige Objekt da ist, dann kann das sehr schnell gehen. „Andererseits kaufen sich die meisten Kunden nur einmal im Leben ein Haus oder eine Wohnung und dann muss alles passen“, weiß Florian Volkmann. „Da kann es dann auch lange dauern, bis das Richtige gefunden ist. Allerdings raten wir, nicht zu lang zu warten, da die Nachfrage sehr hoch ist.“ Mit Sorge blickt man beim VR-Bankverein unterdessen auf den Markt für Gewerbeimmobilien. Dort sei eine negative Entwicklung bei Nachfrage und Angebot zu sehen. Im gewerblichen Segment sei aber eine Nachfrage für kleinere Ladenflächen vorhanden. „Dagegen ist die Entwicklung im Bereich gewerblicher Hallen und im Industriebereich in Bad Hersfeld nach wie vor positiv“, erklärt VR-Experte Maik Schuchardt. In Rotenburg und Bebra seien die Nachfrage und das Angebot in dem Bereich eher gleichbleibend.

„Der Druck auf den Einzelhandel ist auch in unserer Region spürbar. Alles, was nicht der Nahversorgung dient oder außerhalb des ‘Food’-Bereiches liegt, sprich von den beiden harten Lockdowns härter betroffen ist, steht massiv unter Druck“, warnt Schuchardt vor den Folgen der Coronapandemie gerade für die Innenstädte. Dies gelte auch für die Gastronomie und Hotellerie. „Das ein oder andere Hotel oder Restaurant könnte es nach der Coronakrise nicht mehr geben“. Doch die Krise kennt auch Gewinner. Dazu gehöre die Logistikbranche. Der Bedarf an Logistikflächen in unserer Region wachse daher weiter. (Kai A. Struthoff)

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