Theatermacher im Alter von 77 Jahren verstorben

Trauer um einen Freund: Nachruf auf den Festspiel-Intendanten Volker Lechtenbrink

Bad Hersfelder Festspiele 2012: Volker Lechtenbrink (als Lear) trauert um Cordelia (Kristin Hoelck).
+
Bad Hersfelder Festspiele 2012: Volker Lechtenbrink (als Lear) trauert um Cordelia (Kristin Hoelck).

Volker Lechtenbrink ist tot. Er starb am Montag im Alter von 77 Jahren nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie.

Bad Hersfeld – Es war immer ein ganz besonderes Verhältnis zwischen Lechtenbrink und Bad Hersfeld. Als junger Mann kam er 1966 erstmals zu den Bad Hersfelder Festspielen und seitdem immer wieder – teilweise jährlich, manchmal lagen auch lange Pausen zwischen seinen Engagements.

Enge Verbindungen gab es auch zwischen der Hersfelder Zeitung und Volker Lechtenbrink. Unser Bild zeigt ihn bei der Festpiel-Matinée 2012 in der City-Galerie mit Geschäftsführer Markus Pfromm und Intendant Holk Freytag. Archiv

Lechtenbrink war keiner, der sich abschottete. Aus seinen Kontakten mit den Bad Hersfeldern sind im Laufe der Jahre viele Freundschaften entstanden. Dass Lechtenbrink dabei auch manchmal über die Stränge schlug – gerne erzählt man sich Geschichten von wilden Partynächten oder dem nächtlichen Einbruch ins Geistalbad, wo angeblich sogar nackt gebadet wurde – verziehen ihm die Hersfelder immer gerne. Volker Lechtenbrink wurde geliebt in der Stadt.

Bad Hersfelder Festspiele 1972: Der Große Hersfeldpreis ging an Volker Lechtenbrink (Mitte), die Hersfeldpreise an Anaid Iplicjian (links), Renate Schroeter (rechts).

Und diese Liebe beruhte auf Gegenseitigkeit. Bei einer Veranstaltung erzählte Lechtenbrink, wenn es ihm schlecht ginge, dann müsse er nur nach Bad Hersfeld kommen und durch die Stadt gehen. Da begegne ihm so viel Sympathie, dass sich seine Laune sofort hebe.

Volker Lechtenbrink überzeugte aber auch künstlerisch in Bad Hersfeld. Zweimal erhielt er den Großen Hersfeldpreis, 1972 für seine Darstellung des Prinzen von Homburg und 1997 für seinen Narren in „Was Ihr wollt“ von Shakespeare, wo er auch selbst Regie geführt hatte. Seine Inszenierungen der „Drei Musketiere“, von Romeo und Julia und König Lear fanden großen Anklang.

Dass er 1995 Intendant wurde, rief allerdings auch Skeptiker auf den Plan. Und das Verhältnis zu den Stadtoberen war durchaus angespannt. Viele Bad Hersfelder erinnern sich noch gerne an die bunten Jahre der Ägide Lechtenbrink. Und er hat Neuerungen eingeführt, die bis heute überdauern und sich als Bereicherung der Festspiele erwiesen haben: Seit 1995 gibt es den Zuschauerpreis, eine Anerkennung des Publikums für die Darstellerinnen und Darsteller, die besonders beeindruckt haben – und das sind durchaus nicht immer diejenigen, die auch von den Kritikern für preiswürdig befunden wurden. 1996 wurde zum ersten Mal Kindertheater in der Stiftsruine gespielt – ein zauberhafter „Räuber Hotzenplotz“. Einen Festspielsommer ohne Kinderstück mag man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Wann immer Volker Lechtenbrink nach Bad Hersfeld kam, war ihm ein volles Haus und herzlicher Beifall gewiss – ob bei der Vorstellung seines Buches „Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf!“, in dem er auch seine Bad Hersfelder Erlebnisse erwähnt oder bei Abotheater-Veranstaltungen. Volker Lechtenbrink wird fehlen. Er hat bei vielen Menschen einen festen Platz in ihrem Herzen.

Christine Zacharias

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare