Betrieb ist eingeschränkt

Trainieren ja, duschen nein: Fitnessstudios öffnen wieder

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Neue Regeln: Michaela Schadewald vom Medi-Sport-Gym in Bad Hersfeld passt sich an. 

Auch die Fitnessstudios dürfen nach zweimonatiger Corona-Pause ab dem morgigen Freitag, 15. Mai, wieder öffnen.

Für Betreiber und Kunden wird sich allerdings vorerst einiges ändern.

So müssen zum Beispiel Duschen und Saunen noch geschlossen bleiben, und auch beim Sport gelten nun die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Eine Maske müssen Freizeitsportler beim Training im Studio jedoch nicht zwingend tragen. Das freut unter anderem Nejat Sunel, der den Fitnesspark Bebra betreibt. „Gerade beim Ausdauertraining mit höherer Pulsfrequenz braucht man Luft“, sagt er. Wie er haben die Sportstudio-Betreiber im Landkreis die vergangenen Tagen genutzt, um individuelle Konzepte zu erarbeiten, wie die Vorgaben der aktuellen Verordnung des Landes bestmöglich umgesetzt werden können.

Dass diese nicht besonders konkret formuliert sind, verlangt den Betreibern einerseits viel Eigeninitiative ab, bietet aber andererseits die Freiheit, ein individuelles Konzept je nach den örtlichen Gegebenheiten zu erstellen (siehe Seite 2). Unterstützung gibt es bei Bedarf vom Gesundheitsamt des Landkreises, wo auch bereits einige Anfragen zum Thema eingegangen seien, so Kreissprecher Pelle Faust.

Schon seit über 35 Jahren im Geschäft ist Michaela Schadewald, Betreiberin des Medi-Sport-Gyms in Bad Hersfeld. Sie weiß, dass man stets mit der Zeit gehen muss und sagt auch jetzt: „Wir müssen uns eben anpassen.“ Wie ihre Berufskollegen ist sie froh, nun wieder öffnen zu dürfen. „Die letzten Wochen waren hart.“ Für Studio-Betreiber, die Miete, Versicherungen und Leasingverträge zahlen müssen, sei die Corona-Krise mitunter existenzbedrohend.

„Die ganze Branche leidet“, meint Thomas Bretting von der gleichnamigen Bewegungswelt in Lispenhausen, zumal ihr die Lobby fehle. Die Wiederöffnung sei nun ein Schritt in die richtige Richtung. Er gibt außerdem zu bedenken, dass gezieltes Training ja der Gesundheit diene, das Immunsystem stärke sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht vorbeuge. Mit den Beiträgen ihrer Mitglieder sind die Studios im Landkreis unterschiedlich umgegangen. Manche haben auf den Einzug verzichtet, andere stellen als Alternative Gutscheine aus. 

Klebeband im Kursraum

Einige der nun in den Fitnessstudios geltenden Regeln sind für Betreiber und Mitglieder nicht wirklich neu: Das Desinfizieren von Griffen und Sitzflächen an den Geräten oder die Handtuchpflicht zum Beispiel galten in den meisten Studios ohnehin. „Jetzt müssen wir allerdings noch mehr darauf achten, dass sie auch eingehalten werden und können kein Auge zudrücken“, betont Nejat Sunel vom Fitnesspark Bebra. Auch Hinweisschilder, die an den Abstand zueinander erinnern sollen, hat er im Studio angebracht. Mit allzu vielen Verbotsschildern will er allerdings nicht aufwarten. „Wir setzen auf Kommunikation“, so Sunel, der je nach Andrang eventuell auch die Trainingszeit pro Person reduzieren will, damit sich nicht mehr als 50 Personen auf 500 Quadratmetern Trainingsfläche aufhalten. 

Die Teilnehmerzahl in den Kursen müsse vorerst auf zwölf reduziert werden. Im Medi-Sport-Gym in Bad Hersfeld hat man sich in den vergangenen Tagen ebenfalls viele Gedanken gemacht und erste Ideen umgesetzt. So wird der Eingang nicht mehr gleichzeitig Ausgang sein und im Kursraum sollen gelb-schwarze Klebeband-Kreuze dafür sorgen, dass sich die Freizeitsportler nicht zu nahe kommen. Die Schlüssel der Spinde werden nach der Benutzung gesammelt und erst gereinigt, bevor sie wieder benutzt werden dürfen. Zudem will Betreiberin Michaela Schadewald ihre Kunden mit kleinen Sprühflaschen mit Desinfektionsmittel ausstatten. Es müsse sich nun auch einfach zeigen, was sich in der Praxis bewährt und wie viele Leute das Training überhaupt gleich wieder aufnehmen, oder ob Unsicherheit und Vorsicht noch einige fernhalten. Auf „High-Impact-Kurse“, wo besonders viel Schweiß fließt, müssen Kunden wohl vorerst in Thomas Brettings Bewegungswelt in Lispenhausen verzichten, und auch Equipment, das schwer zu reinigen sei, wie zum Beispiel Therabänder, sei anfangs vielleicht nicht verfügbar. „Wir müssen Verantwortung übernehmen und dürfen das hochgradig ansteckende Virus nicht aus den Augen verlieren“, sagt Bretting, der gerne mehr konkrete Informationen von offizieller Seite gehabt hätte, aber auch froh ist, frei in der Ausgestaltung zu sein. „Wir müssen nun alle an einem Strang ziehen“, hofft er auf die Sensibilität und Vernunft sowohl seiner Branchenkollegen als auch der Kunden. Denn sollte es viele Neuinfektionen in den Sportstudios geben, fiele das am Ende auf alle zurück. 

Desinfizieren ist Pflicht: Nejat Sunel vom Fitnesspark Bebra zeigt, wie es geht. 

Seine Kurse auf lediglich neun Teilnehmer beschränken muss jetzt auch Uwe Pfeiffer, der ein Yoga-Studio in Bad Hersfeld betreibt – nur so könne ausreichend Abstand inklusive „Toilettengasse“ gewährleistet werden. Zudem müssen sich die Teilnehmer deshalb nun vorab anmelden. Kärtchen mit den Kontaktdaten können zu Hause ausgefüllt und dann in eine Box geworfen werden. Zwischen den Kursen ist eine längere Pause für die Reinigung der Matten eingeplant und damit kein „Stau“ im Begegungsverkehr entsteht. Pfeiffer empfiehlt seinen Kunden, Masken zu tragen und auch er selbst werde eine tragen. Wenn man auf die korrekte Yogatamung achte, sei auch anstrengendes Yoga so ohne weiteres möglich. „Das habe ich selbst schon ausprobiert.“ Kaum Veränderungen wird es indes im Micro-Studio „Körperform“ von Frank Trausch in der Kreisstadt geben. Dort wird etwa seit jeher nur mit Termin trainiert. Alle Anforderungen hätte er auch in den vergangenen acht Wochen problemlos erfüllen können, berichtet er, er habe aber durchaus Verständnis dafür, dass einzelne Ausnahmen nicht möglich waren. Auch Trausch will nun eine Maske tragen, den Kunden bliebe das selbst überlassen. In einem sind sich überdies ebenfalls alle einig: Sie gehen davon aus, dass die neuen Regeln von den meisten Kunden akzeptiert und umgesetzt werden. Mit Ärger rechnen sie nicht. 

Das gibt die Verordnung des Landes vor

Bei Vorliegen eines umfassenden Hygienekonzepts können die Fitnessstudios öffnen, wenn: Der Trainingsbetrieb kontaktfrei ausgeübt werden kann, der Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet ist, Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten, vorgenommen werden, Umkleiden, Dusch-, Wasch- und Gemeinschaftsräume, mit Ausnahme der WCs, geschlossen bleiben, Warteschlangen vermieden und Risikogruppen nicht gefährdet werden. So steht es in der aktuellen Verordnung des Landes Hessen. Warum genau umkleiden, duschen und saunieren noch nicht erlaubt ist – ob es dabei vordergründig um den Abstand oder andere Faktoren geht – dazu gab es auf Nachfrage beim zuständigen Ministerium bisher keine Antwort. nm

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