Gastgeber spüren noch keinen Aufschwung

Tourismus: Kein Boom in Hersfeld-Rotenburg

Blick von oben auf den Seepark Kirchheim mit der Hotelanlage
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Grüne Landschaft und ein großer See: Unser Bild zeigt den Kirchheimer Seepark. Einen Urlauberansturm verzeichnen die Hotels und Campingplätze im Landkreis aber (noch) nicht.

Haunetal statt Hurghada, Rotenburg statt Rimini? Nicht wenige verbringenden Urlaub diesen Sommer lieber im eigenen Land. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg scheint davon aber bisher noch nicht zu profitieren.

„Wir sind keine typische Urlaubsregion“, sagen sowohl Hotelier Markus Göbel, der im Kreis unter anderem das Schlosshotel in Friedewald betreibt, als auch Heinrich Hartung vom Campingplatz in Kirchheim.

„Wir leben von großen Gruppen, und die fehlen weiterhin“, so Hartung kurz vor Ferienbeginn. Viele seien zudem noch unentschlossen. Er geht davon aus, dass die meisten Deutschen nach wie vor lieber an die Nord- und Ostsee oder in die Alpen fahren.

Das sieht auch Markus Göbel so. Der Tourismus habe in der Region bisher eher eine untergeordnete Rolle gespielt und das werde sich so schnell vermutlich auch nicht ändern. „Die Leute sind noch vorsichtig, zurückhaltend und verunsichert“, hat er festgestellt.

„Ich erwarte für Juli und August keine großartige Veränderung der Lage und bin damit auch nicht allein“, sagt Hotelier Achim Kniese, der mehrere Hotels in Bad Hersfeld betreibt. Nach wie vor gebe es viele Einschränkungen, „und sich von maskierten Mitarbeitern betreuen zu lassen, ist nicht jedermanns Sache“, so Kniese weiter.

Speziell mit Blick auf die Kreisstadt sieht er zudem folgendes Problem: „Uns fällt auf die Füße, dass wir uns im Sommer auf die Festspielgäste konzentriert haben, also auch keinen Markt für (Kurz)-Urlauber geschaffen haben. Darüber sollte man für die Zukunft sicher nachdenken.“

Von einem zögerlichen Buchungsverhalten spricht Nancy Konradt von der Tourismus-Service Erlebnisregion Mittleres Fuldatal. „Meine Einschätzung und mein großer Wunsch, dass es nach Rücknahme der Urlaubsstopp-Verordnung zu einem Ansturm kommt, hat sich leider nicht bestätigt“, so Konradt. Gefragt sei aktuell aber möglichst unabhängiges Reisen. Das könne man sehr gut beim Wohnmobiltourismus beobachten. Einen Ansturm erlebt bislang aber auch Ute Hollenbach-Köberich nicht, die den Campingplatz in Rotenburg betreibt. „Wir sind kein Ziel für typischen Familienurlaub“, sagt sie.

„Dass wir in den Hotels am Kurpark und Thermalis von 293 Zimmern noch 177 geschlossen haben und sich dies auch bis Ende August nicht ändern wird, spiegelt die Lage vor Ort wider“, so Kniese. Die Belegung der geöffneten Häuser liege gut ein Drittel unter dem Vorjahr, weil es so gut wie keine Veranstaltungen und weniger Geschäftsreisen gebe. „Beim privat reisenden Gast ist die Verunsicherung deutlich spürbar.“

Das hat auch Markus Göbel im Schlosshotel in Friedewald beobachtet, denn während das Hauptgeschäft mit Tagungsgästen und Hochzeitsgesellschaften immer noch entfalle, verzeichnet der Hotelier im Wellnessbereich derzeit eine höhere Nachfrage als sonst. Er vermutet, dass dies daran liegt, dass alles wie auf einer Insel vor Ort ist – Wellness, Pool, Sport, übernachten, essen. „Und momentan kann man sich hier gut aus dem Weg gehen“, sagt er nicht ohne Ironie. Auch die sogenannten Serviceappartements beziehungsweise Ferienwohnungen seien voll. Trotzdem gelte: „Wir sind keine Urlaubsdestination.“

„Wir spüren mit Sicherheit einen Anstieg, wenn wir bei null losgehen. Aber nicht, wenn wir auf dem Stand des letzten Jahres losgegangen wären. Leider“, berichtet Nancy Konradt von der Tourismus-Service Erlebnisregion Mittleres Fuldatal. „Die Menschen verhalten sich vorsichtig und beobachtend.“ Gemeinsam mit der Destination Grimm-Heimat Nordhessen habe man das Marketingkonzept indes grundlegend auf die neue Situation ausgerichtet, und man sei wie in jedem Jahr wunderbar für einen Erholungsurlaub vorbereitet. „Kanu-, Boot- oder Radfahren, Reiten, Wandern, Klettern, Minigolf, Hofführungen auf der Handwerk-Erlebnisroute und vieles andere mehr ist möglich“, betont Konradt.

Auch neue Angebote seien entstanden, wie der Rotenburger Familienescape oder die zu Sommerferienbeginn startende Erlebnisführung mit dem Ranger am Breitenbacher See. „Meine allergrößte Wertschätzung gehört all den touristischen Akteuren, die trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Situation den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern die Zähne zusammenbeißen und weitermachen.“

Ein wenig normalisiert hat sich die Situation auch auf dem Campingplatz von Ute Hollenbach-Köberich in Rotenburg. Wirklich Urlaub machen würden die Leute bei ihr aber nicht. „Die zentrale Lage nutzen viele auf der Durchreise“, erklärt sie. Manche Gäste, die Ruhe suchten, blieben auch zwei bis drei Tage zum Radfahren oder Wandern. Familien mit Kindern aber kämen kaum, und in diesem Jahr fehlten eben auch weiterhin die zeltenden Gruppen.

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