43 Prozent Minus bei Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr

Tourismus im Kreis Hersfeld-Rotenburg im freien Fall

Radfahrer auf dem Weser-Radweg.
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Radfahrer gehören zur Zielgruppe des touristischen Angebotes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Die Corona-Krise hat den Tourismus im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gebeutelt wie kaum eine andere Branche: Um 43,4 Prozent sind die Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zu 2019 eingebrochen. Hintergrund ist der mehrwöchige Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai.

Hersfeld-Rotenburg – Die jetzt veröffentlichte Bilanz des Hessischen Statistischen Landesamtes in Wiesbanden weist für die Beherbergungsbetriebe im Kreis für den Zeitraum Januar bis Juni zusammengenommen gerade noch 312 364 Übernachtungen aus.

Noch drastischer ist das Minus bei den Ankünften, also der Zahl derjenigen, die im ersten Halbjahr im Kreis Station gemacht haben: 83 401 registrierte Personen bedeuten einen Rückgang um 53,6 Prozent. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag in diesem Zeitraum bei 3,7 Tagen.

Matthias Glotz, Stadtmarketing Bad Hersfeld

„Die Zahlen waren erwartbar“, sagt Mattias Glotz, Leiter des Fachbereichs Stadtmarketing in Bad Hersfeld, und verweist auf die verordneten Betriebsschließungen. Die seit Mitte Juni geltenden Lockerungen im Reisegeschäft und das Hochfahren von Reha-Kliniken wie etwa der Vitalisklinik hätten jedoch für leichte Anstiege zum Besseren gesorgt. „Ich bin vorsichtig optimistisch“, sagt Glotz.

Torben Schäfer, Geschäftsführer der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft MER, versucht, der Krise auch Positives abzugewinnen: „Es trifft uns hart, trifft aber die ganze Welt. Wir haben jetzt die Chance, gestärkt aus dem Tal herauszukommen, weil der Regionaltourismus wachsen wird.“

Torben Schäfer, MER Rotenburg

Die Wiesbadener Statistik deckt Beherbergungsbetriebe ab zehn Betten ab. Landesweit betrug das Übernachtungs-Minus für das erste Halbjahr 2020 47,7 Prozent.

Hygienekonzepte wurden erstellt

„Urlaub, Messen und Tagungen – das ist ja was Optimistisches“, sagt Matthias Glotz, der neue Leiter des städtischen Fachbereichs Stadtmarketing in Bad Hersfeld. Das alles werde nach den pauschalen Absagen während des Lockdowns jetzt wieder möglich, weil Hygienekonzepte erstellt worden seien und umgesetzt würden.

Mental seien die Menschen also vom „Geht gar nicht“ auf dem Weg zum „Will ich haben“, die bisher geübte Zurückhaltung werde aufgegeben. Und das bedeute auch für die Tourismusbranche „Licht am Ende des Tunnels“. Glotz ist sich gleichwohl bewusst, dass für die nächste Zeit im besten Fall mit „einem leichten Anstieg auf ein schwaches Niveau“ gerechnet werden darf. Zahlen wie im vergangenen Jahr erwartet er frühestens für 2021/22, hält seriöse Aussagen jedoch für „maximal schwer prognostizierbar“.

Annika Burghardt, die kommissarische Leiterin der Rotenburger Tourist-Info, blickt ebenfalls nach vorn: „Wir arbeiten zur Zeit an der Anschaffung von Audio-Guides, um Stadtführungen mit Abstand wieder zu ermöglichen. Zudem können wir Stadtführungen im Sitzen, Erzählungen und Histörchen mit 1,5 Metern Abstand zwischen den Stühlen vor der Naturbühne im Schlosspark anbieten. Dabei können wir sicher sein, dass der Abstand eingehalten wird.“

„Wandern und Radfahren sind ganz vorne dabei in diesem Jahr“

Des Weiteren verteilen die Rotenburger gerade sehr viele Radwander- und Wanderkarten. „Raus in unsere schöne Natur, Wandern und Radfahren sind ganz vorne dabei in diesem Jahr. Und auch der Wohnmobiltourismus boomt. Unsere Wohnmobilstellplätze in Rotenburg sind voll belegt. Auch das nehmen wir als Motivation und Ansatz für die Optimierung der Anlagen“, sagt Burghardt. Torben Schäfer, Leiter der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft in Rotenburg, sieht die Auswirkungen der Pandemie auch als Bestätigung für den Kurs, Rotenburg weiter für Gäste attraktiv zu machen. „Rotenburg und die Region bieten ein abwechslungsreiches Urlaubserlebnis mitten in Deutschland – daran arbeiten wir mit Hochdruck weiter.“

Durch den Stadtumbauprozess sei man in der Lage, die Innenstadt sowohl für Gäste als auch für die Bürger und Bürgerinnen attraktiv zu gestalten.

Als Beispiel nennt Schäfer den europaweiten Planungswettbewerb für das Fuldaufer. Nach der Umgestaltung soll der gesamte Bereich für alle nutzbar sein.

Auch der schon letztes Jahr im Schlosspark umgesetzte Schaukelwald werde von Gästen und Einheimischen gut angenommen. (Karl Schönholtz)

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